Risikofelder

Nachfolgend werden die Risiken erläutert, die von Linde als bedeutend erachtet werden und bei deren Eintritt wesentliche nachteilige Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Linde Konzerns entstehen können.

Dies sind zum einen einzelne Group & Corporate Risks oder Business Risks, die – ungeachtet ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit – hinsichtlich ihrer möglichen Risikoauswirkungen mit der höchsten der vier möglichen Bewertungsstufen bewertet wurden. Zum anderen sind dies Häufungen von einzelnen Business Risks mit der gleichen Ursache, die nicht aufgrund ihrer einzelnen Einstufung der Risikoauswirkung bedeutend für den Linde Konzern sind, sondern aufgrund ihrer Häufung und somit in ihrer Summe relevante nachteilige Auswirkungen haben können.

Zur besseren Übersicht werden die Risiken zu Risikofeldern zusammengefasst, die jeweils die hauptsächliche und unmittelbare Risikoursache hervorheben. Neben den potenziellen Auswirkungen werden auch die wesentlichen gegenwärtig umgesetzten Strategien der Risikobehandlung beschrieben (Nettobetrachtung). Sofern nicht anders angegeben, beziehen sich die Risiken, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, auf alle Segmente.

Die Reihenfolge der Risikofelder gibt die gegenwärtige Einschätzung der relativen Bedeutung des Risikofeldes insgesamt im Vergleich zu den anderen Risikofeldern wieder, beginnend mit dem Risikofeld mit der höchsten relativen Bedeutung. Dies gilt nicht für die Beschreibung der Risiken innerhalb eines Risikofeldes. Die Einschätzung der relativen Bedeutung eines Risikofeldes basiert auf einer zusammenfassenden Bewertung der Gesamtanzahl sowie der zugehörigen Ratings für die Risikoauswirkung aller im Risikofeld zusammengefassten Einzelrisiken.

Wirtschaftsrisiken

Unter Wirtschaftsrisiken fasst Linde Risiken zusammen, die sich aus den Unsicherheiten der globalen Konjunktur ableiten, sowie Kunden- und Absatzrisiken, die sich auf spezifische Kunden- oder Produktsegmente bzw. auf Absatzmärkte beziehen.

Globale Konjunkturrisiken

Als weltweit agierendes Unternehmen ist Linde von der konjunkturellen Entwicklung der Weltwirtschaft abhängig. Eine Reihe von Risikofaktoren prägt derzeit die Ungewissheit über die zukünftige Entwicklung der globalen Wirtschaft. Die größte strukturelle Herausforderung für die globale Wirtschaft liegt nach wie vor in der hohen Staatsverschuldung wichtiger Volkswirtschaften in Europa, in den USA sowie in wesentlichen Schwellenländern. Unsicherheiten über Art, Umfang und Zeitpunkt von Strukturreformen, die die Staatsverschuldung abbauen und beständiges Wachstum generieren, können das Investitionsklima dämpfen und die prognostizierten Wachstumsaussichten mittelfristig gefährden. Die kurzfristig möglichen positiven Sondereffekte auf das Wachstum der Weltwirtschaft, die derzeit vor allem vom allgemeinen Niedrigzinsniveau, dem niedrigen Ölpreis und den expansiven Fiskalpolitiken erwartet werden, können die Ungewissheiten über Strukturreformen weiter erhöhen. Negative Auswirkungen auf das Investitionsklima und die Wachstumsaussichten in Europa können auch von dem ungewissen zukünftigen vertraglichen Verhältnis zwischen Großbritannien und der Europäischen Union sowie den damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen ausgehen.

Das laufende Jahr wird zudem von zahlreichen konjunkturellen Herausforderungen geprägt sein. Die Ungewissheit über die Stabilität der positiven Wachstumsaussichten in den USA und die zukünftige Geldpolitik der US-Notenbank sowie deren Auswirkungen auf die Währungen und die Wirtschaft der Schwellenländer sind Risikofaktoren für die globale Konjunktur. Nach der Leitzinserhöhung der Federal Reserve im Dezember des vergangenen Jahres ist offen, ob und in welchem Umfang die Zentralbanken anderer Länder im Laufe dieses Jahres ihre Zinsen ebenfalls anheben werden, um größere Kapitalabflüsse zu verhindern. Durch zinspolitische Maßnahmen könnte die Konjunktur dieser Länder unter Druck geraten und die Volatilität an den Finanzmärkten steigen mit möglichen negativen Auswirkungen auf die globale Wirtschaft.

Auch das Risiko einer sich stärker als erwartet abschwächende Wachstumsdynamik auf den asiatischen und anderen Wachstumsmärkten und ein möglicherweise weiterhin schwaches wirtschaftliches Umfeld in der Region Südpazifik können negative Auswirkungen auf die Weltkonjunktur haben.

Weitere konjunkturelle Risiken können sich aus der ungewissen politischen Entwicklung der geopolitischen Krisenherde der Welt ergeben. Insbesondere die weltweite Zunahme der Terrorgefahr kann zu kurzfristigen Konjunktureinbrüchen führen.

In Wechselbeziehung mit diesen konjunkturellen Risiken steht die Weiterentwicklung des Ölpreises. Ein niedriger Ölpreis kann zum einen eine stimulierende Wirkung auf die Konjunktur, insbesondere von exportorientierten Ländern in Europa, haben. Zum anderen kann ein anhaltend niedriger oder ein weiter sinkender Ölpreis die Zurückhaltung bei Investitionen im Energiesektor weiter verstärken, insbesondere in stark vom Öl abhängigen Staaten. Dies würde sich wiederum negativ auf die Anbieter aus den Industriestaaten auswirken. In einer langen Phase niedriger Ölpreise drohen steigende Insolvenzraten von Frackingunternehmen in den USA oder Staatsinsolvenzen mit negativen Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft.

Falls sich die globale Konjunktur deutlich abschwächt, drohen Absatzeinbußen, der Wegfall von potenziellen Neugeschäften sowie ein Anstieg der Adressausfallrisiken von Forderungen im operativen Geschäft aufgrund einer sich verschlechternden Zahlungsfähigkeit der Kunden.

In ihrer Funktion als Mutterunternehmen der Linde Group hält die Linde AG Beteiligungen an Konzernunternehmen. Diese Beteiligungsbuchwerte unterliegen dem Risiko der Wertminderung für den Fall, dass sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen oder die Wechselkursverhältnisse dieser Konzernunternehmen negativ verändern. In diesem Fall kann es zu negativen Auswirkungen auf den Jahresüberschuss der Linde AG kommen.

Linde ist in vielen Ländern und Regionen als Lieferant für nahezu alle Industriebereiche tätig. Durch die breite Diversifizierung der Endkunden sowohl in Bezug auf deren Branche als auch in geografischer Hinsicht ist Linde nicht der Volatilität eines einzelnen Endkundenmarktes ausgesetzt. Auch die Konzentration auf das Gasegeschäft, das eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungsfelder abdeckt, und auf den Anlagenbau mit seinen diversifizierten Produktlinien, bei denen Veränderungen von bestimmten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zum Teil gegenläufige Auswirkungen auf die Umsatz- und Ertragssituation haben, trägt zur Minderung der Auswirkungen von Einzelrisiken auf das Unternehmen bei.

Wettbewerbsrisiken

Aufgrund des weltweiten Wettbewerbs besteht in allen Produktbereichen das Risiko des Verlusts von Marktanteilen, was wiederum zu Umsatz- und Gewinnrückgängen führen kann. In den Märkten mit großem Wachstumspotenzial entwickelt sich ein verstärkter Wettbewerb trotz hoher Markteintrittsbarrieren. In reiferen Märkten erhöhen geringere Wachstumsperspektiven bei gleichzeitig drohenden Überkapazitäten und die Abwanderung von Bestandsindustrien den wirtschaftlichen Druck.

Als übergeordnete Strategie begegnet Linde diesen Wettbewerbsrisiken durch eine kontinuierliche Analyse des Marktumfelds, der Wettbewerbssituation sowie der gesetzlichen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Geschäftsbereichen und Regionen. Stetiger Kundenkontakt und die daraus resultierende Marktnähe liefern dem Unternehmen wichtige Informationen über die Anforderungen seiner Kunden. Die gewonnenen Informationen ermöglichen es Linde, bedarfsgerechte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und anzubieten, seine Wettbewerbsposition weiter zu verbessern und seinen Bekanntheitsgrad stetig zu erhöhen.

Bei den Industriegasen beispielsweise kann sich Linde vom Wettbewerb differenzieren durch seine technische Kompetenz bei Gaseapplikationen sowie durch die Aufstellung als integrierter Engineering- und Gaseanbieter, der unterschiedliche Erstellungs- und Betreibermodelle anbieten kann.

Des Weiteren führt Linde konsequent die Programme zur Kosteneinsparung und Effizienzsteigerung seiner Prozesse fort, um seine Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich zu stärken.

Im Bereich Anlagenbau arbeiten Experten aus der Division Linde Engineering und Linde Gas daran, die Wettbewerbsfähigkeit des Anlagenportfolios durch eine noch stringentere Standardisierung und Modularisierung weiter zu steigern.

Im Bereich des Flaschengeschäfts wurde ein modulares und skalierbares Anlagenprogramm für die Abfüllanlagen entwickelt, das es zukünftig erlaubt, Abfüllanlagen mit geringem Flächenbedarf, erhöhter Produktivität und optimalem Arbeitsschutz modular entsprechend den unterschiedlichen Marktgegebenheiten anzupassen. Wesentlicher Bestandteil dieses neuen Anlagenkonzeptes ist die Automatisierung der verschiedenen Module eines Füllwerkes, die derzeit in einer Reihe von weltweiten Projekten realisiert wird, um letztendlich ein vollautomatisiertes Füllwerk bauen zu können.

Absatzrisiken im Produktbereich Healthcare

Im Produktbereich Healthcare erhöhen der Kostendruck im Gesundheitswesen wie auch der bestehende Trend von staatlichen Stellen und Krankenkassen zu Ausschreibungen das Risiko, dass die geplanten Wachstums- und Rentabilitätsziele nicht im geplanten Umfang erreicht werden können. Dies gilt insbesondere für die Absatzmärkte in den USA und in Europa.

Als Mitigierungsstrategie legt Linde im Produktbereich Healthcare einen Schwerpunkt auf die Entwicklung von innovativen Produkten und Dienstleistungen, die dem steigenden Kostendruck im Gesundheitswesen Rechnung tragen. Hierzu zählen beispielsweise neue Behandlungsformen, die die Verweildauer von Patienten im Krankenhaus reduzieren, und die Anwendung neuer Technologien, die eine effizientere Behandlung von Homecare-Patienten ermöglichen. Diese Neuerungen werden zudem durch regelmäßige spezifische Healthcare-Kundenbefragungen gefördert. Weiterhin konnte Linde durch gezielte Zukäufe seine Kostenstruktur verbessern.

Kunden- und Absatzrisiken bei der Kommerzialisierung von neuen Projekten und bei laufenden Projekten

Kunden- und Absatzrisiken sowohl bei der Kommerzialisierung von neuen Kundenprojekten oder Anschlussprojekten als auch bei laufenden Projekten können, insbesondere auch in den Wachstumsmärkten, nicht ausgeschlossen werden. Technische oder wirtschaftliche Ursachen auf der Kundenseite bzw. in den Absatzmärkten können Projekt- oder Vertragsänderungen erfordern, durch die ursprünglich im Geschäftsplan unterstellte Nachfragemengen nicht im vollen Umfang oder erst verspätet realisiert werden können. Neben unwirtschaftlichen Produktionsprozessen kann dies bedeutende negative Abweichungen zum budgetierten Cash Flow zur Folge haben und somit die mit der Investition verbundenen Umsatz- und Ergebnisziele von Linde gefährden. Um frühzeitig kritische Defizite zu identifizieren und zu beheben, hat Linde eine Projektpriorisierung sowie zusätzliche Maßnahmen bei der Projektsteuerung eingeführt. Zudem hat das Unternehmen Maßnahmen ergriffen, um vor Projektbeginn die Einbindung aller relevanten Parteien in die Risikobewertung sicherzustellen. Eine enge Kundenbeziehung und Marktbeobachtung auch während der Projektlaufzeit helfen eventuelle Probleme frühzeitig partnerschaftlich mit dem Kunden zu lösen.

Absatzrisiken bei anhaltend niedrigem Ölpreis

Im Sommer 2014 begann der Ölpreis kontinuierlich zu fallen, eine Entwicklung, die die Märkte völlig überraschend traf. Insbesondere für die Engineering Division stellt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Ölpreises ein Risiko für die Erreichung der kurzfristigen Auftragseingangsziele dar. Potenzielle Kunden der petrochemischen und erdgasverarbeitenden Industrie drohen bei anhaltender Ungewissheit ihre Investitionsvorhaben weiter zurückzustellen. Bei integrierten Gaseprojekten im Energiesektor ist die Investitionszurückhaltung bei den Kunden auch ein Risiko, von dem die Gases Division betroffen ist. Linde zielt im Anlagenbau darauf ab, die negativen Auswirkungen einzudämmen, indem Phasen des Abschwungs genutzt werden, um Prozesse bei der Projektabwicklung für den nächsten Aufschwung zu verbessern.

Leistungserbringungsrisiken

Unter Leistungserbringungsrisiken fasst Linde Risiken zusammen, deren Ursachen bei den Prozessen der operativen Standorte der Divisionen liegen – einschließlich der Distribution und Logistik der Produkte. Hierzu zählen Sicherheitsrisiken bei der Produktion, Produktionsrisiken wie zum Beispiel Maschinendefekte, Anlagenausfälle oder Kapazitätsengpässe, Projektrisiken im Anlagenbau sowie Produkt- und Dienstleistungsrisiken.

Sicherheitsrisiken

Die Herstellung der Produkte und Anlagen des Unternehmens kann Risiken bergen, die mit der Produktion, Abfüllung, Lagerung und dem Transport von Rohstoffen, Erzeugnissen oder Abfällen verbunden sein können. Wenn mit diesen Risiken nicht angemessen umgegangen wird, sind Personen-, Sach- und Umweltschäden möglich. Diese könnten ihrerseits Betriebsunterbrechungen, Straf- oder Schadensersatzzahlungen oder Sanierungskosten zur Folge haben. Zudem besteht in einem solchen Fall die Gefahr eines Reputationsverlusts für die Linde Group.

Das Unternehmen strebt eine Führungsposition in den Bereichen Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz an. In den Managementsystemen von Linde sind alle diese Aspekte integriert. Die konzernübergreifende Funktion SHEQ (Safety, Health, Environment, Quality = Sicherheit, Gesundheit, Umwelt, Qualität) steuert den ständigen Verbesserungsprozess in diesen Bereichen.

Zu den zentralen Präventionsstrategien des Unternehmens zählen hohe Sicherheitsstandards für die Produktions- und Dienstleistungsprozesse. Strenge Sicherheitsauflagen bilden die Basis für Prozesse mit besonders hohem Gefährdungspotenzial. Dafür hat Linde unter anderem ein sogenanntes Major Hazards Review Programme entwickelt und eingeführt. Dieses Programm dient der systematischen Bewertung von Risiken, die zu Unfällen, Sach- oder Umweltschäden führen können. Es unterstützt das Unternehmen dabei, das Risiko von Zwischenfällen durch unzureichende Sicherheit in seinen Prozessen zu minimieren. Zudem wird es ständig weiterentwickelt, um neuen möglichen Risiken zu begegnen. Linde legt auch bei der Engineering Division großen Wert darauf, dass die Bereiche Sicherheit, Gesundheitsschutz, Umweltschutz und Qualität durchgängig in den Prozessen zur Auslegung und Projektabwicklung der Anlagen integriert sind. Durch klar strukturierte, prozessorientierte Managementvorgaben wird sichergestellt, dass die relevanten Aspekte von der Planung im Engineering bis hin zur Montage und Inbetriebnahme auf den Projektbaustellen geplant, umgesetzt und überwacht werden.

Auch in Form von Naturkatastrophen, Pandemien und terroristischen oder anderen kriminellen Übergriffen besteht eine Gefahr für die Mitarbeiter sowie für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens. Diese Risiken können sich auch indirekt auf Linde auswirken, wenn die Kunden des Unternehmens hiervon in bedeutendem Umfang betroffen sind.

Linde adressiert diese Risiken, die teilweise durch Versicherungen gedeckt sind, durch das Krisen- und das Business Continuity Management. In den Geschäftseinheiten werden unter Anleitung der konzernübergreifenden Funktion SHEQ lokale Maßnahmen zur Risikominderung sowie Notfallpläne umgesetzt. Ziel ist es, die möglichen Folgen gravierender Ereignisse so weit als möglich zu minimieren und die Rückkehr zum Normalbetrieb auch im Fall von sehr unwahrscheinlichen schweren Schäden oder Ereignissen so schnell wie möglich sicherzustellen.

Produktionsrisiken

Eine Betriebsunterbrechung in einem der Hauptwerke von Linde oder bei On-site-Anlagen bei Kunden über einen längeren Zeitraum könnte die Ertragslage und die Reputation des Unternehmens negativ beeinflussen. Dies gilt insbesondere, wenn die Betriebsunterbrechung durch einen Unfall verursacht wird, bei dem es zusätzlich zu Personen- oder Umweltschäden kommt.

Priorität haben daher bei Linde Maßnahmen, die eine Betriebsunterbrechung vermeiden. Hierzu zählen insbesondere eine präventive Anlagenüberwachung und -wartung und die Vorhaltung strategischer Ersatzteile. Sollte trotz dieser Vermeidungsstrategien dennoch eine Betriebsunterbrechung auftreten, verfügt das Unternehmen über Liefernetzwerke zwischen den Produktionsstätten, damit die Betriebsunterbrechung bei seinen Kunden keine bzw. nur geringe Auswirkungen hat.

Zentrale Anlagen für den Produktbereich der Flüssig- und Flaschengase sind Lagerstätten und Füllwerke. Viele dieser Anlagen bilden zudem wichtige Logistik- und Distributionszentren für eine ganze Region. Von diesen werden die Kunden bzw. Vertriebspartner mit Gasen aus nahe gelegenen Produktionsanlagen versorgt. Die Verfügbarkeit von Lagerstätten und Füllwerken ist somit Voraussetzung für eine hohe Lieferpräzision bei kurzen Lieferzeiten und minimierten Transportkosten in der jeweiligen Region. Eine Betriebsunterbrechung bei einer zentralen Anlage über einen längeren Zeitraum kann sich daher negativ auf verschiedene Produkte und verschiedene Kunden einer Region auswirken. Die strikte Einhaltung von Standards für Qualität, Sicherheit und Umweltschutz bei der Herstellung, der Lagerung, dem Transport und der Anwendung der Produkte ist ein wesentlicher Bestandteil zur Vermeidung von Betriebsunterbrechungen. Zudem tragen der modulare Aufbau der Standorte und ihre Ausstattung mit redundanten und flexibel einsetzbaren Abfüllanlagen zur Robustheit der Standorte und ihrer Prozesse bei. Wie bei den On-site-Anlagen verfügt Linde auch bei Füllwerken in den meisten Regionen über ein Netzwerk, mit dem negative Auswirkungen von eventuellen Betriebsunterbrechungen an einem Standort vermieden bzw. verringert werden können.

Projektrisiken im Anlagenbau

Komplexe Großprojekte im Anlagenbau stellen besondere Anforderungen an das Risikomanagement. In der Engineering Division werden Großprojekte abgewickelt, die teilweise ein Vertragsvolumen von mehreren 100 Mio. EUR haben und deren Erstellung sich über mehrere Jahre erstreckt.

Typischerweise handelt es sich dabei um die Planung und den Bau schlüsselfertiger Anlagen. Potenzielle Risiken entstehen dabei in der mit Unsicherheiten behafteten Kalkulation und Ausführung derart komplexer Projekte. Dazu gehören unerwartete technische Probleme, Lieferengpässe und Qualitätsprobleme bei Lieferanten wichtiger Komponenten, unvorhersehbare Entwicklungen bei der Montage vor Ort und Probleme mit Partnern oder Subunternehmern. Diese Risiken können zu Projektverzögerungen und Kostenüberschreitungen führen. Zum Management der Risiken im Anlagenbau wendet Linde bereits in der Angebotsphase bewährte Methoden an, um den Einfluss möglicher Kostenabweichungen einzelner Komponenten gegenüber den Planwerten auf die Wirtschaftlichkeit eines Großprojektes abzuschätzen. So simuliert das Unternehmen die Chancen und Risiken eines jeden Projekts mit Hilfe numerischer Analysemethoden. Durch eine fortlaufende Kontrolle von Veränderungen der Parameter parallel zum Projektfortschritt lassen sich bereits im frühen Stadium mögliche Projektrisiken erkennen und erforderliche Maßnahmen einleiten. Diese Instrumente werden stetig weiterentwickelt und den steigenden Anforderungen des Marktes angepasst.

Produkt- und Dienstleistungsrisiken

Produkt- und Dienstleistungsrisiken können im Extremfall Konsequenzen nach sich ziehen wie Haftungsansprüche, Verlust von Kunden oder Reputationsschäden. Die wesentlichen möglichen Ursachen für Produkt- und Dienstleistungsrisiken sind Produktmängel oder mangelndes Serviceniveau bei Dienstleistungen, die Linde insbesondere in seiner Division Gist sowie im Geschäftsbereich Healthcare erbringt.

Linde begegnet Produkt- und Dienstleistungsrisiken durch die hohe Qualität und Sicherheit seiner Produkte, seiner Produktinformationen sowie seiner Dienstleistungen. Um sichere Produkte zu gewährleisten, orientiert sich das Risikomanagement an dem Konzept der ganzheitlichen Produktverantwortung. Mögliche Gefahren und Risiken, die von einem Produkt während seines Lebenszyklus für Mensch und Umwelt ausgehen können, werden analysiert. So wird das jeweilige Risikopotenzial ermittelt. Linde trifft entsprechende Maßnahmen, um die identifizierten Risiken zu vermeiden oder, wenn dies nicht möglich ist, auf ein akzeptables Maß zu reduzieren.

Produktverantwortung beginnt beim Einkauf wichtiger Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie von Dienstleistungen. Das Unternehmen bevorzugt Lieferanten, die in den Bereichen Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz sowie Qualität ebenso hohe Standards wie Linde selbst anstreben und dies beispielsweise durch ein entsprechendes Managementsystem belegen.

Auch Kunden werden in das Sicherheitsmanagement mit einbezogen. In der Gases Division führt Linde bei kritischen Produkten vor der Auslieferung sogenannte Kunden-Screenings durch. Diese Abfragen haben das Ziel, die Risiken, die im Umgang mit den Gasen oder Chemikalien von Linde durch unsachgemäße Anwendung auftreten können, zu minimieren.

Linde verbessert kontinuierlich seine sicherheitsrelevanten Produktinformationen, wie zum Beispiel Sicherheitsdatenblätter. Dabei berücksichtigt das Unternehmen nationale und internationale Richtlinien wie REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) und GHS (Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals). Treten trotz aller Vorsorgemaßnahmen Probleme auf, stehen die Notfallteams des Unternehmens zur Unterstützung bereit.

Um im Bereich der Arzneimittel eine höchstmögliche Patientensicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus zu gewährleisten, werden Arzneimittel von Linde kontinuierlich durch das Vigilance Signal Detection-System überwacht. Die Sicherheit der Arzneimittel wird in Periodic Safety Update Reports (PSUR) regelmäßig analysiert.

Finanzmarkt- und Länderrisiken

Finanzmarktrisiken

Als weltweit agierender Konzern ist Linde einer Reihe von Finanzmarktrisiken ausgesetzt. Hierzu zählen insbesondere Adressausfallrisiken, Liquiditätsrisiken sowie Risiken, die aus einer Veränderung der Zinsen, Aktien- und Währungskurse resultieren. Vor dem Hintergrund der Unsicherheiten an den Finanzmärkten, insbesondere im Euroraum, wird die Überwachung dieser Risiken unverändert intensiv fortgesetzt.

Die grundlegenden Risikostrategien für das Zins-, Währungs- und Liquiditätsmanagement sowie die Ziele und Grundlagen der Finanzierungen werden vom Treasury-Komitee unter Leitung des für Finanzen zuständigen Vorstandsmitglieds festgelegt. Dieses Gremium trifft sich in der Regel einmal im Monat und setzt sich aus Vertretern der Corporate & Support Functions Group Treasury und Group Accounting & Reporting zusammen.

Ein wesentliches Kriterium für die Steuerung des Adressausfallrisikos ist das Rating der jeweiligen Kontrahenten. Zusätzlich wird die Entwicklung weiterer relevanter Kapitalmarktparameter beobachtet, wie beispielsweise die Veränderung der Credit Default Swaps oder des Börsenwerts der Kontrahenten. Auf dieser Basis werden Handels- und Positionslimits definiert. Diese werden regelmäßig von einer vom Handel unabhängigen Instanz überprüft. Zudem schließen sowohl die Linde AG als auch die Linde Finance B.V. sogenannte CSA-Vereinbarungen (Credit Support Annexes) mit ihren wichtigsten Banken ab. Auf der Basis dieser Vereinbarungen werden die positiven und negativen Marktwerte von Derivaten in regelmäßigen Abständen von den Vertragspartnern mit Barmitteln hinterlegt. Dadurch wird das Kontrahentenrisiko deutlich reduziert.

Mit Blick auf die Steuerung des Liquiditätsrisikos verfolgt Linde seit Jahren eine konservative und vorausschauende Politik der Liquiditätssicherung und hatte – wie in der Vergangenheit – auch im Geschäftsjahr 2015 unverändert Zugang zu den Kapitalmärkten. Darüber hinaus wurde die als Liquiditätsreserve dienende und in 2019 auslaufende syndizierte Kreditfazilität über 2,5 Mrd. EUR durch die Ausübung einer Verlängerungsoption um ein weiteres Jahr verlängert. Linde steht damit ein von einer internationalen Bankengruppe zugesagter und bisher ungenutzter Finanzierungsrahmen in Höhe von 2,5 Mrd. EUR mit einer Laufzeit bis 2020 zur Verfügung. Durch diese Diversifikation der Finanzierungsquellen wird eine Risikokonzentration im Liquiditätsbereich vermieden.

Das Zinsrisiko tritt durch marktbedingte Schwankungen der Zinssätze auf. Sie wirken sich zum einen auf die Höhe der Zinsaufwendungen in der Linde Group aus, zum anderen beeinflussen sie den Marktwert von Finanzinstrumenten. Die Zinsrisiken werden zentral gesteuert. Auf der Grundlage des operativen Geschäftsmodells und der Ergebnisse von Sensitivitäts- und Szenarioanalysen legt das Treasury-Komitee Bandbreiten für die Fix-Floating-Quote der Finanzverbindlichkeiten sowie in den Hauptwährungen Euro (EUR), Britisches Pfund (GBP), US-Dollar (USD) und Australischer Dollar (AUD) fest. Innerhalb der vereinbarten Bandbreiten steuert das Konzern-Treasury die Quoten und berichtet regelmäßig dem Treasury-Komitee über umgesetzte Maßnahmen. Die Absicherung erfolgt unter anderem durch den Abschluss von Handelsgeschäften mit Banken (kurz-, mittel- und langfristige Zinsderivate) sowie durch langfristige Festzinsanleihen und Kredite. Im Jahr 2015 waren durchschnittlich 62 Prozent des Konzern-Exposures mit einem Festsatz finanziert, zum Jahresende betrug die Fixquote 67 Prozent.

Bei den Währungskursrisiken ist zwischen den operativen Transaktionsrisiken, die unter anderem aus Lieferverträgen zwischen verschiedenen Währungsgebieten für einzelne Geschäfte oder Projekte resultieren, und den Translationsrisiken zu differenzieren. Die Translationsrisiken ergeben sich aus der Währungsumrechnung der Abschlüsse von Tochtergesellschaften, deren funktionale Währung nicht der Konzernwährung entspricht.

Geschäfts- und Finanzierungsaktivitäten außerhalb der jeweiligen Landeswährung führen automatisch zu Zahlungsströmen in Fremdwährung. Die einzelnen Unternehmenseinheiten sind gemäß der Konzernrichtlinie verpflichtet, die daraus resultierenden Transaktionsrisiken zu überwachen und mit dem Konzern-Treasury entsprechende Sicherungsgeschäfte im Rahmen von vorgegebenen Mindestsicherungsquoten abzuschließen, sofern nicht sonstige Gründe gegen derartige Sicherungen sprechen.

Translationsrisiken werden im Rahmen von genehmigten Bandbreiten abgesichert. Dabei ist zu beachten, dass das Translationsrisiko auf das operative Ergebnis bzw. auf den Umsatz erst durch die Umrechnung der Tochtergesellschaften in die Konzernwährung EUR entsteht. Dieses Risiko könnte allenfalls durch den Einsatz von Finanzderivaten und somit unter Inkaufnahme erheblicher Volatilität des Finanzergebnisses auf Ebene des Jahresüberschusses mitigiert werden. Eine sinnvolle Absicherung ist daher nach Ansicht des Unternehmens nicht möglich. Dagegen sichert Linde währungsbedingte Schwankungen der Nettovermögenswerte auf Konzernebene.

Im Rahmen der Risikostrategien des Treasury-Komitees werden Sicherungsentscheidungen getroffen. Dabei setzt Linde Devisentermingeschäfte, Zinswährungsswaps , Devisenoptionen und Fremdwährungskredite ein. Hauptwährungen sind US-Dollar (USD), Britisches Pfund (GBP), Australischer Dollar (AUD) und einige osteuropäische, südamerikanische sowie asiatische Währungen. Zusätzlich setzt das Unternehmen in seiner Gases Division im Wesentlichen Instrumente zur Absicherung der Preisrisiken bei Strom, Erdgas und Propangas ein.

Fremdwährungsrisiken im Projektgeschäft der Engineering Division reduziert Linde so weit wie möglich durch sogenannte natürliche Absicherungen (Natural Hedges). Dies kann durch Zulieferungen und Dienstleistungen in der jeweiligen Auftragswährung geschehen. Darüber hinausgehende Fremdwährungsbeträge werden sofort zum Zeitpunkt der Entstehung, in der Regel über Termingeschäfte, voll gesichert.

Die Basis für Finanzierungs- und Absicherungsentscheidungen stellen die Finanzinformationen dar, die das Unternehmen aus dem Treasury-Management-System und der Finanz- und Liquiditätsplanung erhält, die in das allgemeine finanzwirtschaftliche Reporting eingebettet ist, das unter anderem auch in den Bereichen Controlling und Accounting & Reporting genutzt wird.

Mit Blick auf die organisatorische Ausgestaltung wird im Treasury grundsätzlich das Prinzip der Funktionstrennung zwischen Front-, Middle- und Back-Office im gesamten Prozess des Risikomanagements konsequent eingehalten und überwacht. Dies bedeutet, dass der Abschluss, die Abwicklung und die Kontrolle von Handelsgeschäften personell und organisatorisch strikt voneinander getrennt sind. Zur Durchführung, Abbildung und Bewertung von Handelsgeschäften setzt Linde ein Treasury-Management-System ein, das regelmäßig intern und extern – in der Regel einmal pro Jahr – überprüft wird. Zu weiteren Angaben vergleiche Konzernanhang, Ziffer [29].

In bestimmten Ländern haben Unternehmen der Linde Group im Rahmen von betrieblichen Pensionsplänen ihren Mitarbeitern Leistungszusagen (sogenannte Defined Benefits) ausgesprochen. Je nach Ausgestaltung der Pensionspläne handelt es sich um Einmalzahlungen oder lebenslange Renten mit variabler oder an die Inflation gebundener jährlicher Erhöhung. Hieraus ergeben sich für das Unternehmen Risiken aus unerwarteter Inflation oder Zunahme der Langlebigkeit.

Die Höhe der Verpflichtung ist ein versicherungsmathematischer Zeitwert aller Pensionszusagen und wird durch die Defined Benefit Obligation (DBO) nach IFRS ausgedrückt. Die Höhe der Verpflichtung unterliegt jährlichen Schwankungen der Bewertungsannahmen, insbesondere der Diskontrate und Inflationsannahme. Hieraus ergeben sich wiederum Zins- und Inflationsrisiken.

In den meisten Pensionsplänen wird die Verpflichtung durch separierte Vermögen gedeckt. Die Höhe der Pensionsvermögen unterliegt Marktwertschwankungen der jeweiligen Vermögenswerte, etwa Anleihen oder Aktien. Hieraus ergeben sich Marktrisiken, insbesondere Zins-, Spread- und Aktienrisiken.

Die Risiken für Pensionsverpflichtungen auf der einen und Pensionsvermögen auf der anderen Seite und somit für den Nettofinanzierungsstatus der Pensionen werden von Linde regelmäßig quantifiziert und evaluiert. Dabei besteht ein natürliches Spannungsfeld zwischen weitgehender Reduktion des Risikos und der langfristigen Erzielung der notwendigen Rendite auf das Vermögen, um mit dem möglichen Wachstum der Verpflichtung Schritt zu halten.

Als Leitlinie definiert der Vorstand die Risikotoleranz auf Konzernebene. Maßnahmen zur Anpassung der Ausgestaltung der Pensionspläne werden vom Global Pension Committee koordiniert und in den lokalen Pensionsplänen umgesetzt. Der Einfluss von Szenarien wie Inflation, Rezession oder Deflation auf den Nettofinanzierungsstatus der Pensionen wird analysiert und fließt in die Anlageentscheidungen ein. Das Group Investment Panel for Pension Assets bewertet langfristige Chancen und Risiken verschiedener Anlageklassen und trifft Entscheidungen bzw. formuliert Empfehlungen zur Anlagestrategie der wesentlichen Pensionspläne. Das Group Investment Panel steht unter der Leitung des für Finanzen zuständigen Vorstandsmitglieds und wird von externen Spezialisten beraten.

Länderrisiken

Wie für alle Unternehmen stellen potenzielle Umbrüche im politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Umfeld ein grundsätzliches Risiko dar. Mögliche Länderrisiken, denen Linde als weltweit operierender Konzern dabei ausgesetzt ist, umfassen die Verstaatlichung oder Enteignung von Vermögenswerten, rechtliche Risiken, Kapitaltransferverbote, Ausfall von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegenüber staatlichen Institutionen, Krieg, terroristische Anschläge sowie sonstige Unruhen. Politische Unruhen und Kriege können ferner indirekt, zum Beispiel über politische und wirtschaftliche Sanktionen, zu Konjunktur-, Projekt- und Kommerzialisierungsrisiken führen, die über die Grenzen der eigentlichen Krisenregion hinausgehen können. Beispielsweise kann der derzeitige Konflikt zwischen Russland und der Ukraine für den Anlagenbau von Linde in Russland zu Verzögerungen bzw. Ausfällen bei der Durchführung bestehender Projekte führen. Zudem sind indirekte negative Auswirkungen auf andere Landesgesellschaften der Gases Division sowie die anderen Märkte der Engineering Division möglich, falls Kunden von Linde aufgrund der Unruhen oder eventuell eskalierenden Sanktionen ihre Geschäftspläne ändern.

Grundsätzlich besteht das Risiko, dass für bestimmte Länder, in denen Linde tätig ist, Embargomaßnahmen vereinbart werden, was negative Auswirkungen auf bereits vor Inkrafttreten des Embargos bestehende Handelsbeziehungen oder Investitionsvorhaben haben kann. Um diese Risiken steuern zu können, hat Linde Instrumente etabliert, die die Risikosituation des Konzerns in Bezug auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage bewerten und eine risikooptimierte Eigenkapitalausstattung und Finanzierung über Ländergrenzen hinweg sicherstellen. Gleichzeitig werden einzelne Investitionsvorhaben unter Berücksichtigung politischer Risiken bewertet und mit entsprechenden Renditeanforderungen versehen. Auf Basis der Bewertung werden die Risiken gegebenenfalls mit Bundesgarantien für Direktinvestitionen im Ausland, speziellen Versicherungslösungen oder ähnlichen am Markt verfügbaren Instrumenten abgesichert. Entsprechend werden Ausfallrisiken für Exportgeschäfte bewertet und gegebenenfalls durch Absicherungsinstrumente wie beispielsweise Hermesbürgschaften begrenzt.

Regulatorische und rechtliche Risiken

Regulatorische Risiken

Durch Veränderungen im regulatorischen Umfeld können für Linde zusätzliche Kosten und internationale Wettbewerbsnachteile entstehen. Beispiele hierfür sind die Ausgestaltung des europäischen Emissionshandelssystems oder zusätzliche Belastungen der energieintensiven Industriegaseproduktion durch steigende Strompreise aufgrund von höheren gesetzlich verursachten Abgaben.

Auch bei dem zu großen Teilen staatlich reglementierten Produktbereich Healthcare können durch regulatorische Änderungen Risiken für Linde entstehen, die bereits im Risikofeld Wirtschaftsrisiken erläutert wurden.

Ferner ist Linde durch Maßnahmen der internationalen Finanzmarktregulierung betroffen. Hier sind seitens Linde in verschiedenen Jurisdiktionen umfassende Regeln und Berichtspflichten bei der Abwicklung von Finanzgeschäften zu beachten, wobei Verstöße weitreichende Strafen der jeweiligen Aufsichtsbehörden nach sich ziehen können. Exemplarisch sind hier der Dodd-Frank Act in den USA und die European Market Infrastructure Regulation (EMIR) zu nennen.

Linde begegnet diesen Risiken durch eine kontinuierliche und vorausschauende Beobachtung und Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Geschäftsbereichen sowie einen Ausbau der notwendigen Systeme. Des Weiteren tragen die unter Wettbewerbsrisiken beschriebenen Maßnahmen zur Sicherstellung eines stetigen Kundenkontaktes und zur Entwicklung von innovativen Produkten und Dienstleistungen zur Minderung der eventuell negativen Auswirkungen von Änderungen des regulatorischen Umfeldes bei.

Rechtliche Risiken

Als international tätiges Unternehmen ist der Linde Konzern einer Vielzahl von rechtlichen Risiken ausgesetzt. Hierzu können insbesondere Risiken aus den Bereichen Produkthaftung, Wettbewerbs- und Kartellrecht, Exportkontrolle, Datenschutz, Patentrecht, Vergaberecht, Steuerrecht sowie Umweltschutz gehören. Die Ergebnisse von gegenwärtig anhängigen bzw. künftigen Verfahren können oft nicht mit Sicherheit vorausgesehen werden. Aufgrund von gerichtlichen oder behördlichen Entscheidungen oder der Vereinbarung von Vergleichen können Aufwendungen entstehen, die nicht oder nicht in vollem Umfang durch Versicherungsleistungen abgedeckt sind. Diese Aufwendungen können Auswirkungen auf das Geschäft des Unternehmens und seine Ergebnisse haben.

Einige Unternehmen des Konzerns sind im Rahmen des normalen Geschäftsverlaufs Prozesspartei in verschiedenen Gerichtsverfahren. Der Ausgang der Rechtsstreitigkeiten, an denen Unternehmen des Linde Konzerns als Prozesspartei beteiligt sind, lässt sich nicht eindeutig vorhersagen. Das Unternehmen geht jedoch davon aus, dass die Rechtsstreitigkeiten ohne nennenswerte negative Auswirkungen auf die Finanz- oder Ertragslage des Unternehmens beigelegt werden können.

Bereits vor dem Berichtszeitraum hatte die brasilianische Wettbewerbsbehörde CADE gegen eine Reihe von Gaseunternehmen, zu denen auch die brasilianische Tochtergesellschaft von Linde zählt, Bußgelder wegen angeblicher Wettbewerbsverstöße in den Jahren 1998 bis 2004 verhängt. Linde geht aus heutiger Sicht davon aus, dass diese Entscheidung einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhält.

Bestimmte Tochterunternehmen sind in den Vereinigten Staaten als Prozesspartei an verschiedenen Gerichtsverfahren beteiligt. Hierzu zählen auch Verfahren, in denen auf hohe Schadensersatzsummen geklagt wird. Bei diesen Verfahren geht es um angebliche Gesundheitsschäden, die während des Schweißens durch den Kontakt mit Mangan, Asbest und/oder toxischen Dämpfen entstanden sein sollen. Die Tochterunternehmen sind hierbei in der Regel nur eine von mehreren Beklagten. Aufgrund der bisherigen Gesamtprozesserfahrung, der mangelnden Stichhaltigkeit der erhobenen Vorwürfe sowie des jeweils bestehenden Versicherungsschutzes geht Linde davon aus, dass die Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Schweißdämpfen so beigelegt werden können, dass keine nennenswerten nachteiligen Auswirkungen auf die Finanz- oder Ertragslage des Unternehmens entstehen. Die Ergebnisse dieser Verfahren sind allerdings ungewiss und lassen sich nicht vorhersagen. Die Versicherungen der Tochterunternehmen decken die Kosten und Folgen eines möglichen Urteils im Zusammenhang mit den behaupteten Ansprüchen überwiegend oder zum Teil ab. Die beschriebenen Rechtsverfahren stellen die aus heutiger Sicht wesentlichen Rechtsrisiken dar. Sie sind nicht als abschließende Auflistung zu verstehen.

Strategische Risiken

Die langfristigen Wachstumsziele von Linde basieren unter anderem auf den Wachstumsfeldern Energie, Umwelt und Gesundheit sowie einer dynamischen Entwicklung in den stärker wachsenden Volkswirtschaften.

Die Erreichung der Wachstumsziele ist grundsätzlich mit unternehmensinternen und -externen Risiken behaftet. Risiken ergeben sich zum einen aus Unsicherheiten über die zukünftige Entwicklung dieser Wachstumsfelder, die durch politische, gesellschaftliche, rechtliche und wirtschaftliche Faktoren beeinflusst werden.

Zum anderen sind die unternehmensinternen Maßnahmen, die zur Zielerreichung ergriffen werden, auch mit Risiken verbunden. Hierzu zählen strategische Initiativen wie beispielsweise eine Erweiterung des Produktportfolios, Akquisitions- und Investitionsprojekte und die Auseinandersetzung mit einem erweiterten Innovationsverständnis. Die Risiken resultieren dabei vor allem aus den mit Unsicherheiten verknüpften Annahmen über die zukünftige Entwicklung des zu Grunde liegenden Geschäftsmodells und den hiermit verbundenen Anschaffungsauszahlungen und Einzahlungsüberschüssen. Investitionen in Sachanlagen, Akquisitionen und Verkäufe werden im Investitionskomitee bzw. im Vorstand erörtert und genehmigt. Im Vorfeld werden die Annahmen, die Wirtschaftlichkeit und die spezifischen Risiken sorgfältig geprüft. Dabei bewertet das Unternehmen unter anderem das Länder-/Währungsrisiko, das Rating von Einzelkunden, die Entwicklung der lokalen (Gase-)Märkte sowie die zugrunde liegenden Vertragsbedingungen und Investitionskosten.

Darüber hinaus bewerten der Vorstand und der Aufsichtsrat sowie Führungskräfte des Unternehmens in regelmäßigen Sitzungen die Zielerreichung strategischer Initiativen und leiten, sofern notwendig, korrigierende Maßnahmen ein. Dies umfasst insbesondere auch die Beobachtung der Entwicklung der wirtschaftlichen Lage, um gegebenenfalls die Umsetzung der Ziele – etwa hinsichtlich ihrer zeitlichen oder geografischen Dimension – an neue Rahmenbedingungen anzupassen.

Eine zu starke einseitige Ausrichtung auf eine Region, ein Kundensegment oder eine Technologie kann sich bei einer Veränderung der angenommenen Rahmenbedingungen, zum Beispiel bei sich verschlechternden wirtschaftlichen Verhältnissen oder bei einem etwaigen Scheitern von Vertragsverlängerungen, negativ auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie die Wachstumsperspektiven von Linde auswirken. Um dem entgegenzuwirken, werden im Rahmen eines Portfoliomanagements Zielkorridore für Investitionen definiert und überwacht. Darüber hinaus ist Linde aufgrund seines integrierten Geschäftsmodells in der Lage, Kunden gezielt unterschiedliche Erstellungs- und Betreibermodelle anzubieten und dadurch seine Risikokonzentration zu steuern.

Beschaffungs- und Zulieferkettenrisiken

Die zuverlässige Verfügbarkeit der von Linde beschafften Produkte und Dienstleistungen in geeigneter Qualität, Menge und zu marktgerechten Preisen ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Geschäftsbereiche. Dies gilt neben bestimmten nicht selbst produzierten Gasen insbesondere für Materialgruppen, die von Rohstoffen wie Stahl, Aluminium und Messing sowie Energie abhängig sind.

Zur Risikominderung verfolgt Linde eine konzernübergreifende Portfoliostrategie. Diese Strategie ist nach definierten Materialgruppenfamilien organisiert, mit deren Hilfe alle Produkte und Dienstleistungen kategorisiert werden. Jede Materialgruppe wird in Bezug auf Liefersicherheit, Abhängigkeit und Lieferantenportfolio geprüft und entsprechende Einkaufsstrategien werden mit Hilfe der Category Management-Methode entwickelt. Um die vorhandenen Kenntnisse über die lokalen Märkte in die Entwicklung der Einkaufsstrategien zu integrieren, sind die globale Einkaufsorganisation sowie die regionalen und lokalen Einkaufsorganisationen in den Prozess eingebunden – und zwar von der Entwicklung der Strategie bis zur landesspezifischen Umsetzung.

Unterstützend werden zentral geführte Best Practice-Methoden und Instrumente zur Lieferantenauswahl und -bewertung konzernweit angewendet.

Zusätzlich zu den materialgruppenbezogenen Einkaufsstrategien verfolgt Linde eine stetige Optimierung des Lieferantenportfolios und des dazugehörigen Vertragsstatus, um Beschaffungsrisiken zu minimieren. Für Produkte und Dienstleistungen, deren Preise stark von volatilen Primärmärkten abhängig sind, werden die Kostenrisiken mit Hilfe zeitoptimierter Vereinbarungen minimiert. Ein Beispiel hierfür ist der Einkauf von Energie. Die Preisvolatilitätsrisiken bei der Beschaffung von Strom und Erdgas werden auf der Einkaufsseite über langfristige Beschaffungsstrategien in den deregulierten Energiemärkten abgefedert. Die Beschaffungsaktivitäten an den entsprechenden Großhandelsmärkten für Energie unterliegen einer globalen Risikorichtlinie, die die Bandbreiten für die Preisabsicherung der Folgejahre vorgibt. Die Einhaltung wird von einem globalen Komitee überwacht. Über ein professionelles Energiehandels-IT-Tool wird die Datentransparenz hergestellt. Des Weiteren werden aufgrund der Energieintensität der Industriegaseproduktion Strom- und Erdgaspreisschwankungen auf der Verkaufsseite über entsprechende Preisformeln weitergereicht.

Beschaffungs- und Preisrisiken im Gaseeinkauf begegnet Linde mit konsequenter technischer Aufteilung (Einkauf, Eigenproduktion oder Reinigung von Gasen) und geografischer Verteilung. Unvorhergesehene Absatzschwankungen können damit ausgeglichen werden. Im Falle des Abschlusses von sogenannten Take-or-Pay-Verträgen mit Gaselieferanten können für das Unternehmen unter Umständen Absatzrisiken resultieren, falls keine entsprechenden Verträge mit den Kunden abgeschlossen sind. Linde hat Steuerungsprozesse etabliert, um diese Risiken erkennen, bewerten und ggf. begrenzen zu können.

Grundsätzlich können Risiken für die Linde Group entstehen, wenn langfristigen Einkaufsverträgen keine Verkaufsaufträge mit entsprechend langer Laufzeit gegenüberstehen. Vor dem Abschluss von langfristigen Einkaufsverträgen werden daher die Risiken von Bedarfs- und Preisschwankungen auf der Absatzseite mit berücksichtigt.

IT-Risiken

Viele Prozesse in der Linde Organisation sind auf die Verfügbarkeit von IT-Infrastruktur, Softwareanwendungen und Daten angewiesen. Folglich wirken sich Störungen oder Unterbrechungen der zugehörigen Systeme oder Datenverluste in der Regel negativ auf die Geschäftsprozesse oder die Produktion aus. Bei längerfristigen Ausfällen oder kritischen Datenverlusten kann es zu negativen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens kommen. Verletzungen der Datenschutzbestimmungen, unbefugte Datenzugriffe oder Verluste von personenbezogenen Daten oder sensiblen Unternehmensdaten können zudem Schadensersatzforderungen, Strafzahlungen sowie Wettbewerbsverluste und langfristige Reputations- und Vertrauensverluste zur Folge haben.

Der aktuelle Zustand der bestehenden Schutzmaßnahmen wird durch ein sogenanntes Security Reporting überwacht und von der internen IT-Revision sowie von externen IT-Auditoren überprüft. Diese regelmäßigen Prüfungen und Bewertungen stoßen gegebenenfalls erforderliche Korrekturen und Verbesserungen an und tragen somit zu einer stetigen und nachhaltigen Steigerung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen bei. Zusammen ergeben die Schutzmaßnahmen eine mehrstufige Verteidigung der Systeme und Daten vor externen Angriffen (Malware-Infektion, Cyber Attacks, Industriespionage). Mit Hilfe eines internen Prozesses werden regelmäßig sensible Anwendungen und IT-Infrastrukturen ermittelt, die unterstützt von externen Experten speziellen Penetrationstests unterzogen werden. Zudem existieren spezifische Schutzvorkehrungen für die Netzwerke, die das Risiko einer Verbreitung eines Computervirus von einem Produktionsstandort auf die Anlagensteuerung oder andere Produktionsstandorte reduzieren. Im Jahr 2015 wurden zudem weitere Schutzmaßnahmen umgesetzt, die es ermöglichen, über die aktive Identifikation von ungewöhnlichem Datenverkehr in den Netzen den möglichen Beginn einer Malware-Infektion zu erkennen. Um im Falle eines katastrophalen Ausfalles oder Datenverlusts eine Systemwiederherstellung in einem angemessenen Zeitrahmen sicherzustellen, laufen geschäftsrelevante Anwendungen auf globalen Rechenzentren mit einer Datensicherung auf entfernten Standorten. Notfallpläne zur Wiederherstellung werden regelmäßig getestet, um ihre Praxistauglichkeit zu sichern.

Als wesentlichen Beitrag zur Informationssicherheit und zur adäquaten Unterstützung der Geschäftsprozesse ergreift das Unternehmen kontinuierlich auf einem langfristigen Konsolidierungsprogramm basierende Maßnahmen, um die vorhandene IT-Landschaft einschließlich der Softwareanwendungen auf dem aktuellen technologischen Niveau zu halten. Um dem Risiko entgegenzutreten, dass die Ressourcen und Fachkenntnisse zur Pflege selbst entwickelter, unternehmensspezifischer Anwendungssoftware nicht in ausreichenden Maße zur Verfügung stehen, was schlimmstenfalls zur Folge haben kann, dass geschäftskritische Prozesse unzureichend unterstützt werden, hat Linde einen standardisierten Prozess für die Entwicklung, das Testen und die Verwendung von Anwendungssoftware eingeführt.

Das IT-Projekt LEAP (Linde Excellence across Processes) ist eine wesentliche strategische Unternehmensinitiative mit der Zielsetzung, durch eine weltweite Standardisierung der Geschäftsprozesse im Linde Konzern Synergieeffekte zu erzielen. Die Realisierung des Projektes ist aufgrund seiner Größenordnung und der zum Teil geschäftskritischen Anwendungen, die bei der Umsetzung berührt werden, mit Projektrisiken verbunden. In der jetzigen Roll-out-Phase des Linde Templates in die operativen Einheiten besteht das Risiko, dass es in einzelnen Ländern beim Wechsel von den bisherigen Prozessen zu den standardisierten Prozessen zu Komplikationen kommen kann, die schlimmstenfalls Störungen oder zwischenzeitliche Unterbrechungen der Geschäftsprozesse zur Folge haben können. Um diesem Risiko entgegenzuwirken, erfolgt die Einführung in den einzelnen Ländern sequentiell. In jedem Land wird zudem der Wechsel mit den jeweiligen Verantwortlichen im Vorfeld des eigentlichen Produktivbetriebsstarts unter Verwendung von Change Management-Techniken geplant und vorbereitet. Dabei wird auf die Erfahrungen aus Ländern, die bereits das neue Linde Template anwenden, zurückgegriffen.

Personelle Risiken

Der Erfolg des Unternehmens ist vom Engagement, von der Motivation und von den Fähigkeiten seiner Mitarbeiter und Führungskräfte abhängig. Wesentliche Risikofaktoren bei der Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter und der langfristigen Bindung an den Konzern sind der stetig steigende Fachkräftemangel sowie der starke Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, der inzwischen insbesondere auf den asiatischen Märkten intensiver wird.

Das volatile und anspruchsvolle Marktumfeld erfordert von Linde die Fähigkeit zur ständigen Prozessverbesserung und zur schnellen Anpassung der Organisationsstruktur an die sich rasant verändernden Anforderungen in der Industrie. Die Bereitschaft und die Akzeptanz eines jeden einzelnen Mitarbeiters, sich diesen Veränderungen zu stellen, sind dabei entscheidende Faktoren für die erfolgreiche Umsetzung der damit verbundenen Veränderungsprozesse. Für Linde spielen hier insbesondere das vertrauensvolle Verhältnis und die konstruktive Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern und den Gewerkschaften eine wesentliche Rolle.

Um diesen Risikofaktoren entgegenzuwirken, setzt Linde auf einen ganzheitlichen Ansatz zur Gewinnung und Betreuung der Mitarbeiter. Basierend auf der Linde Unternehmenskultur und den Unternehmenswerten, die ein ausgewogenes Verhältnis von Vertrauen und Steuerungsmaßnahmen beschreiben, liegt der Schwerpunkt auf der Mitarbeiterentwicklung. Dabei stehen das eigenverantwortliche, unternehmerisch orientierte Denken und Handeln der Mitarbeiter im Vordergrund.

In den vorangegangenen Jahren hat das Unternehmen besonders auf eine gezielte Nachfolgeplanung von Führungskräften Wert gelegt; sie ist die Basis für die Identifizierung von Personalentwicklungsmaßnahmen. Die Personalentwicklung als Grundstein einer nachhaltigen Mitarbeiterbindung dient der Stärkung von Kompetenzen und der Förderung des Engagements der Führungskräfte. Facetten dieser Führungskräfteentwicklung sind insbesondere die vielfältigen Weiterentwicklungsperspektiven, eine zielgruppenorientierte Betreuung und Beratung, Mentoring- und Coaching-Programme, die frühzeitige Identifikation und Förderung von Potenzial- und Leistungsträgern sowie attraktive, marktgerechte Entlohnungssysteme.

Die Personalentwicklungsmaßnahmen werden von einem umfangreichen Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebot ergänzt. Damit stärkt das Unternehmen seine Position als attraktiver Arbeitgeber im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter. Insbesondere im Ingenieurbereich werden neue Weiterentwicklungskonzepte erarbeitet, die die Arbeitgeberattraktivität kontinuierlich erhöhen sollen.

Zudem bildet Linde im Rahmen von dualen Studiengängen Nachwuchsingenieure aus und beugt dem Ingenieurmangel durch die Weiterentwicklung der innerbetrieblichen Ausbildungskonzepte vor. Mit diesen Maßnahmen und einer engeren Zusammenarbeit mit ausgewählten Hochschulen bietet das Unternehmen qualifizierten Mitarbeitern vielversprechende berufliche Perspektiven.

Forschungs- und Entwicklungsrisiken

Innovationsstärke ist für ein Technologieunternehmen wie Linde ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Neben der Verbesserung bestehender Kundenprozesse konzentrieren sich die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Unternehmens auf neue Technologien und Gaseanwendungen, die die Basis für den künftigen Geschäftserfolg darstellen können. Linde konzentriert sich hierbei auf Wachstumsbereiche wie Energie und Umwelt, Metallurgie, Lebensmittel, Gesundheit und neue Materialien. Ein wichtiger Aspekt für Linde ist ein erweitertes Verständnis des Innovationsbegriffs und das Fördern einer umfassenden Innovationskultur. Dazu zählt auch die Organisationsentwicklung, d. h. die Art und Weise, wie Linde mit innovativen Produkten und Dienstleistungen zukünftig Geschäfte mit seinen Kunden macht und wie neue Technologien, wie etwa die Digitalisierung, dabei genutzt werden können, die Effizienz und den Kundenfokus der internen Unternehmensprozesse weiter zu steigern und sich so vom Wettbewerb abzuheben.

Innovative Projekte unterscheiden sich von gewöhnlichen Investitionsvorhaben durch ihre Neuartigkeit. Je höher der Innovationsgrad eines Projektes ist, umso höher sind – im Regelfall – daher auch die damit verbundenen Risiken. Trotz der großen Wachstumschancen, die sich aus den Forschungsbereichen von Linde ergeben können, besteht wegen der hohen Komplexität und Dynamik sowohl bei den Technologien als auch bei den Märkten das Risiko, dass Projekte sich aus technologischen, wirtschaftlichen, rechtlichen, patentrechtlichen oder sicherheitstechnischen Gründen verzögern oder nicht fortgeführt werden können. Aus der Zusammenarbeit mit Forschungs- und Entwicklungspartnern können zusätzliche Risiken für den Projekterfolg resultieren wie beispielsweise das Insolvenzrisiko eines Partners. Umgekehrt besteht auch das Risiko, dass Wettbewerber neue Technologien früher oder nachhaltiger entwickeln und an den Markt bringen und so eine Bedrohung der Kerntechnologien von Linde darstellen. Um diesen Risiken entlang des Innovationsprozesses von der Ideengenerierung bis zur gewinnbringenden Vermarktung von innovativen Produkten und Dienstleistungen noch besser entgegenwirken zu können, hat Linde organisatorische Maßnahmen getroffen, die den Einsatz der Innovationskraft und der Kompetenzen bei der Anwendungsentwicklung verbessern und den Ansatz zur Entwicklung von Chancen weiter systematisieren. Der Bereich Innovation wurde konzernübergreifend in der Corporate & Support Function Technology & Innovation (T & I) gebündelt. Diese Einheit beobachtet die großen technologischen Trends und überprüft ständig, ob die Innovationsideen innerhalb des Unternehmens zur Gesamtstrategie passen und das Potenzial haben, profitables Wachstum für Linde zu realisieren. Dies wird durch die Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen und Universitäten sowie Strategien zum Schutz des geistigen Eigentums flankiert. Zudem koordiniert die Einheit T & I die Mitarbeit von Linde bei Normungsgremien und Verbänden in vielen relevanten Industriegremien, beispielsweise im Bereich der Wasserstofftechnologie. Damit wirkt das Unternehmen aktiv an der Entwicklung zukünftiger Standards mit, deren Einhaltung eine Voraussetzung für die Vermarktung der Innovationen bilden kann. Die Corporate & Support Function T & I ist auch zuständig für die Anwendungsentwicklung, die in den operativen Segmenten angesiedelt ist, was die notwendige Kundennähe gewährleistet. Zudem werden unternehmensweite Initiativen wie zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung durch diese Abteilung zentral gesteuert.

Umweltrisiken

Wie bereits im Abschnitt Sicherheitsrisiken erläutert, sind insbesondere die verschiedenen operativen Prozesse auch mit Risiken verbunden, die zu einer Schädigung der Umwelt führen können. Linde kennt und versteht die Umweltauswirkungen seiner Prozesse und ist deshalb in der Lage, Pläne zur Reduzierung und Kontrolle der Einwirkungen auf die Umwelt zu entwickeln und umzusetzen. Das Unternehmen konzentriert sich dabei auf die Reduzierung von Emissionen sowie auf die kontinuierliche Verbesserung seiner Abläufe, um den effizienten Einsatz von Ressourcen, Materialien und Energien zu gewährleisten. Handlungsfelder sind beispielsweise die Verbesserung der Energieeffizienz der Produktionsanlagen und die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Transportflotte. Dennoch lässt sich nicht völlig ausschließen, dass die Tätigkeiten des Konzerns zu Umweltschädigungen führen oder dass Sanierungsprojekte mit höheren Kosten als ursprünglich geplant verbunden sind.

Steuerrisiken

Als weltweit tätiges Unternehmen unterliegt Linde den jeweiligen landesspezifischen steuerlichen Gesetzen und Regelungen. Deren Änderungen können zu höherem Steueraufwand und zu höheren Steuerzahlungen führen. Außerdem können Änderungen der Gesetze und Regelungen auch einen wesentlichen Einfluss auf die Steuerforderungen und Steuerverbindlichkeiten sowie auf die aktiven und passiven latenten Steuern des Unternehmens haben. Zudem kann die Unsicherheit im steuerlichen Umfeld mancher Regionen die Möglichkeiten einschränken, die Rechte des Konzerns durchzusetzen. Linde ist auch in Ländern mit komplexen steuerlichen Regelungen tätig, die unterschiedlich ausgelegt werden könnten. Künftige Auslegungen bzw. Entwicklungen des Steuersystems könnten die Steuerverbindlichkeiten, die Rentabilität und die Geschäftstätigkeit beeinflussen. Linde wird regelmäßig von den Finanzbehörden in verschiedenen Jurisdiktionen geprüft. Steuerliche Risiken, die sich aus den hier genannten Themenkomplexen ergeben, werden fortlaufend identifiziert und bewertet.

Gesamtaussage des Vorstands zur Risikosituation

Die drei bedeutendsten Risikofelder für den Konzern bilden unverändert die Wirtschaftsrisiken, die Leistungserbringungsrisiken und die Finanzmarkt- und Länderrisiken. Bei den Risikokategorien auf den Rankingpositionen mittlerer relativer Bedeutung sind im Vergleich zum Vorjahr die strategischen Risiken im Ranking hinter die regulatorischen und rechtlichen Risiken gefallen und die Beschaffungs- und Zulieferkettenrisiken sind um zwei Positionen vor die IT-Risiken gestiegen.

Bei den Risikokategorien auf den unteren Rankingpositionen sind die Forschungs- und Entwicklungsrisiken im Vergleich zum Vorjahr um zwei Positionen gestiegen und die Steuerrisiken auf die unterste Rankingposition gefallen. Da die Risikokategorien auf den mittleren und unteren Rankingpositionen hinsichtlich ihrer Bewertung jeweils sehr eng beieinanderliegen, hat sich die Risikosituation für Linde insgesamt hierdurch im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich verändert.

Unter Berücksichtigung der ergriffenen Maßnahmen zur Risikobehandlung hat der Vorstand im Geschäftsjahr 2015 keine Risiken identifiziert, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit zu einer für Linde bestandsgefährdenden Beeinträchtigung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage führen könnten.

Bei sich verändernden Rahmenbedingungen könnten zum heutigen Zeitpunkt unbekannte oder als unwesentlich erachtete Risiken an Bedeutung gewinnen. Organisatorisch hat das Unternehmen Voraussetzungen geschaffen, um frühzeitig über sich abzeichnende Veränderungen der Risikosituationen Kenntnis zu erlangen und hierauf adäquat reagieren zu können.