Engineering Division

Im internationalen Projektgeschäft Anlagenbau entwickelten sich der Umsatz und das Ergebnis gemäß den Fortschritten bei den einzelnen Bauvorhaben. Der Umsatz der Engineering Division sank im Berichtszeitraum um 16,5 Prozent auf 2,594 Mrd. EUR (Vj. 3,106 Mrd. EUR). Aufgrund des derzeit niedrigen Ölpreises und der damit verbundenen Nachfragezurückhaltung im Anlagenbau belief sich der Auftragseingang im Berichtszeitraum auf 2,494 Mrd. EUR (Vj. 3,206 Mrd. EUR). Zwar lag der Auftragsbestand per Ende Dezember bei 4,541 Mrd. EUR (Vj. 4,672 Mrd. EUR) und damit weiterhin auf einem hohen Niveau, jedoch wirkte sich der insbesondere im ersten Halbjahr niedrige Auftragseingang bereits auf die Umsatzentwicklung aus.

Das operative Ergebnis verringerte sich auf 216 Mio. EUR (Vj. 300 Mio. EUR). Die operative Marge konnte mit 8,3 Prozent nicht den hohen Wert des Vorjahres erreichen (Vj. 9,7 Prozent). Dieser Wert liegt aber nach wie vor über dem Branchendurchschnitt und entspricht der Zielmarke von rund 8 Prozent, die Linde für das Geschäftsjahr 2015 angestrebt hatte.

Mit 55,2 Prozent entfiel der größte Teil des Auftragseingangs auf die Region Europa. Aus Nordamerika und Asien/Pazifik erhielt Linde im Berichtszeitraum Aufträge im Wert von jeweils etwa 500 Mio. EUR.

Nahezu die Hälfte der Neubestellungen betraf den Produktbereich Erdgasanlagen. Der Rest des Auftragseingangs entfiel relativ ausgewogen auf die übrigen Anlagentypen.

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Engineering Division

 

 

 

 

 

in Mio. €

 

2015

 

2014

Umsatz

 

2.594

 

3.106

Auftragseingang

 

2.494

 

3.206

Auftragsbestand

 

4.541

 

4.672

Operatives Ergebnis

 

216

 

300

Operative Marge

 

8,3%

 

9,7%

Investitionen (ohne Finanzanlagen)

 

32

 

41

Zahl der Mitarbeiter (zum Bilanzstichtag)

 

7.038

 

7.330

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Engineering Division: Umsatz und Auftragseingang nach Regionen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umsatz

 

Auftragseingang

in Mio. €

 

2015

 

2014

 

2015

 

2014

Europa

 

934

 

926

 

1.376

 

1.943

Nordamerika

 

998

 

798

 

562

 

754

Südamerika

 

26

 

20

 

12

 

34

Asien/Pazifik

 

459

 

1.131

 

443

 

362

Mittlerer Osten

 

121

 

172

 

80

 

78

Afrika

 

56

 

59

 

21

 

35

Engineering Division

 

2.594

 

3.106

 

2.494

 

3.206

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Engineering Division: Umsatz und Auftragseingang nach Anlagentypen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umsatz

 

Auftragseingang

in Mio. €

 

2015

 

2014

 

2015

 

2014

Olefinanlagen

 

683

 

494

 

321

 

1.557

Erdgasanlagen

 

572

 

835

 

1.135

 

724

Luftzerlegungsanlagen

 

406

 

901

 

426

 

248

Wasserstoff- und Synthesegasanlagen

 

690

 

631

 

355

 

487

Übrige

 

243

 

245

 

257

 

190

Engineering Division

 

2.594

 

3.106

 

2.494

 

3.206

Olefinanlagen

Der Markt für Olefinanlagen war in 2015 von Investitionszurückhaltung geprägt. Der niedrige Ölpreis, sinkendes Wachstum der Verbrauchermärkte und bereits im Bau befindliche Neukapazitäten für Polyolefine führten dazu, dass viele Projekte verschoben oder aufgegeben wurden. Nichtsdestotrotz konnte sich Linde im Wettbewerb gut positionieren.

Die Linde Engineering Division erhielt im Berichtsjahr vom tschechischen Petrochemieunternehmen Unipetrol einen Auftrag zum Wiederaufbau der Ethylenanlage am Standort Záluží in Litvinov (Tschechische Republik). Der Auftrag umfasst das Engineering, die Beschaffung und den Bau der Anlagenrekonstruktion. Der Gesamtauftragswert des Wiederaufbaus durch Linde beläuft sich auf über 40 Mio. EUR. Die Ethylenanlage, die im Sommer 2015 bei einem Unfall beschädigt wurde, soll im dritten Quartal 2016 wieder voll funktionsfähig sein.

Erdgasanlagen

Auftragseingang nach Regionen in %
Auftragseingang nach Regionen (Tortendiagramm)

Die Preise für Öl, Erd- und Flüssiggas waren über das gesamte Jahr 2015 hinweg ungewöhnlich niedrig. Daraufhin hat die Öl- und Gasindustrie weitgehend die Investitionen reduziert und einen Großteil der Investitionsentscheidungen verschoben.

Gegen diesen Trend wurde Linde von Gazprom, Gazprom Pererabotka Blagoweschtschensk und deren Generalunternehmer NIPIgas als Lizenzgeber der Erdgasverarbeitungstechnologie für das Amur-GPP-Projekt (Amur Gas Processing Plant) im Osten Russlands ausgewählt. Linde wird für das Engineering und die Beschaffung von Anlagen zur Extraktion von Ethan und Flüssiggasbestandteilen (Natural Gas Liquids – NGL) und zur Abscheidung von Stickstoff (Nitrogen Rejection Unit – NRU) sowie für eine Heliumgewinnungs- und –verflüssigungsanlage zuständig sein. Die Anlage, die in fünf Phasen bis 2024 errichtet werden soll, wird Teil des Power of Siberia genannten Pipeline-Projekts sein, das die Erdgasfelder in Ostsibirien mit Nordostchina verbinden soll. Ende Dezember 2015 haben Linde und NIPIgas einen Vertrag über das Engineering und die Beschaffung der genannten Komponenten für alle fünf Projektphasen geschlossen. Die erste Phase umfasst zwei NGL- und NRU-Anlagenstränge sowie eine Heliumerzeugungsanlage. Die entsprechenden Engineering-Arbeiten haben bereits begonnen. Nach Fertigstellung wird Amur GPP mit einer Verarbeitungskapazität von bis zu 49 Milliarden Kubikmetern Erdgas pro Jahr eines der weltweit größten Gasverarbeitungsprojekte sein.

Darüber hinaus erhielt die Engineering Division im Berichtszeitraum zwei Aufträge zum Bau von Schlüsselkomponenten für zwei große Erdgasverflüssigungsanlagen in Nordamerika.

Luftzerlegungsanlagen

Auftragseingang nach Anlagentypen in %
Auftragseingang nach Anlagentypen (Tortendiagramm)

Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen war der Bedarf für neue Luftzerlegungsanlagen im Berichtsjahr relativ gering. Gegenüber dem Vorjahr zeichnete sich zwar ein Anstieg ab, gleichwohl war im gesamten Marktsegment die Anzahl der beauftragten Projekte limitiert – besonders in China. Trotz dieses schwierigen Umfelds konnte Linde einen signifikanten Anteil der Aufträge gewinnen.

Beispielsweise aus Indien erhielt Linde im ersten Quartal 2015 den Auftrag zum Bau einer Luftzerlegungsanlage für den Stahlhersteller Bhushan Power & Steel Limited. Das Unternehmen wird die Anlage am Standort Rengali errichten. Im Rahmen der Vereinbarung ist Linde für das Basis- und Detail-Engineering sowie für die Beschaffung und die Lieferung der Ausrüstung und der Anlagenteile verantwortlich.

Für den taiwanesischer Chemiekonzern Formosa, der zu den größten der Welt zählt, wurde Linde im Berichtszeitraum beauftragt eine Luftzerlegungsanlage am Standort Point Comfort in Texas (USA) zu bauen, für die Produktion von Sauerstoff und Stickstoff. Der Auftragswert beläuft sich auf 75 Mio. EUR.

Im Juni 2015 hat Linde an seinem US-Standort in La Porte, Texas, eine neue große Luftzerlegungsanlage sowie einen neuen Vergaserstrang für seinen dortigen Synthesegaskomplex offiziell in Betrieb genommen. Die neue Anlage wurde von Linde Engineering gebaut und ist die größte von Linde in den USA betriebene Luftzerlegungsanlage.

Darüber hinaus sind im Berichtszeitraum weitere Luftzerlegungsanlagen in Trinec (Tschechische Republik) sowie in Dammam (Saudi-Arabien) in Betrieb gegangen, die die Engineering Division für die jeweiligen Landesgesellschaften der Gases Division errichtet hatte.

Wasserstoff- und Synthesegasanlagen

Umsatz nach Regionen in %
Umsatz nach Regionen (Tortendiagramm)

Die Entwicklung des Marktsegments für Wasserstoff- und Synthesegasanlagen verlangsamte sich deutlich. Neben dem niedrigen Ölpreis und dem veränderten Wirtschaftsklima führte der starke US-Dollar zu einem deutlich intensiveren Wettbewerb insbesondere mit den europäischen Mitbewerbern. In Osteuropa führte der schwache Rubel zu einer größeren unternehmerischen Zurückhaltung. Dennoch konnte Linde auch in diesem Produktbereich Aufträge erzielen.

So wurde die Engineering Division im Mai 2015 von der Tecnicas Reunidas, Madrid (Spanien) beauftragt, sechs PSA-Anlagen (Pressure Swing Adsorption) für den Kunden Petronas nach Pengerang (Malaysia) zu liefern. Der Gesamtauftragswert beläuft sich auf über 20 Mio. USD. Die Kapazität der Anlage beträgt mehr als 430.000 Nm3 Wasserstoff pro Stunde und wird für sogenannte Downstream-Prozesse innerhalb der Petronas Raffinerie verwendet. Der Auftrag beinhaltet das Engineering, die Beschaffung und die Lieferung der sechs Anlagen.

Im Berichtsjahr hat Linde außerdem seine neue Produktlinie innovativer, kosteneffizienter Wasserstoffgeneratoren namens HYDROPRIME® erfolgreich in den Markt eingeführt. Hydro-Chem, eine US-Tochtergesellschaft der Linde Engineering Division, hat die auf der bewährten Methan-Dampfreformierungstechnologie basierenden Anlagen intensiv getestet und ihre Zuverlässigkeit in verschiedenen Anwendungen unter Beweis gestellt. Als wettbewerbsfähige lokale Produktionsalternative zur klassischen Flüssiggasbelieferung geht die HYDROPRIME®-Linie nun in die Serienfertigung. Linde reagiert mit HYDROPRIME® auf die steigende Nachfrage nach effizienten, einfach zu installierenden und kompakten Anlagen. HYDROPRIME®-Anlagen zeichnen sich durch hohe Zuverlässigkeit, Umweltfreundlichkeit und Sicherheit aus. Dank Vollautomatisierung und ausfallsicherer Steuerungen ist die Fernüberwachung und -steuerung der Anlagen möglich. Die neuen Kompaktdampfreformer mit geringem Platzbedarf basieren auf einem Grundrahmen und einem modularen Design. Dies erlaubt nicht nur eine unkomplizierte Installation, sondern auch einen einfachen Zugang für Wartungszwecke.

Übrige Anlagentypen

Umsatz nach Anlagentypen in %
Umsatz nach Anlagentypen (Tortendiagramm)

Von der European Spallation Source (ESS) in Lund (Schweden) hat Linde im Berichtszeitraum den Auftrag zur Lieferung einer Heliumkälteanlage erhalten. Die Anlage wird im Sommer 2017 nach Lund geliefert und anschließend bis Sommer 2018 installiert und in Betrieb genommen. Die European Spallation Source ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum auf Basis der weltweit stärksten Neutronenquelle.

Aus Frankreich erhielt die Engineering Division im Berichtszeitraum den Auftrag zur Lieferung des Heliumverteilsystems für den ITER-Fusionsreaktor, der derzeit in Cadarache im Süden Frankreichs installiert wird. Die kryogenen Verteilboxen werden bis Mitte 2019 gefertigt und nach Cadarache geliefert mit nachfolgender Inbetriebsetzung bis 2021. Das Auftragsvolumen beträgt rund 32 Mio. EUR.