Prognosebericht

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Stand Januar 2016 erwarten Ökonomen, dass die Weltwirtschaft im laufenden Jahr mit ähnlich geringem Tempo wachsen wird wie im Jahr 2015. Der Ausblick ist allerdings in hohem Maße von Unsicherheiten geprägt und hängt von verschiedenen Chancen und Risiken ab, die im Wesentlichen schon aus dem Jahr 2015 bekannt sind. An erster Stelle ist hier die Entwicklung in den Schwellenländern zu nennen: Die chinesische Regierung steht weiterhin vor der besonderen Aufgabe, den laufenden wirtschaftlichen Wandel des Landes ohne größere Reibungsverluste voranzutreiben. Eine weitere Herausforderung ist die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens und Russlands in einem komplexen politischen Umfeld. Diese beiden Länder sind ebenso wie andere Schwellenländer stark von der Entwicklung des Ölpreises abhängig, welcher auch 2016 weiterhin hohe Beachtung finden wird. Ein Anstieg oder Rückgang birgt Vorteile respektive Nachteile für einzelne Länder und Industrien. Abgesehen von dem tatsächlichen Marktpreis hat insbesondere die Volatilität und Unvorhersehbarkeit der Ölpreisentwicklung einen negativen Einfluss auf das Investitionsverhalten in vielen Industrien. Eine zentrale Rolle spielen nicht zuletzt die Zentralbanken. Sie müssen auch im unsicheren Wachstumsumfeld des laufenden Jahres das Vertrauen der Investoren über geldpolitische Kurswechsel hinweg aufrechterhalten und bleiben somit wichtige Impulsgeber für das weltweite Finanzsystem und die Weltwirtschaft. Darüber hinaus können die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen im Jahr 2016 auch von den bestehenden geopolitischen Spannungen und möglichen neuen Krisenherden noch stärker belastet werden.

Vor diesem Hintergrund erwartet das Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics (OE) für 2016 eine Wachstumsrate des globalen realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe von 2,6 Prozent, im Vergleich zu einem Anstieg um 2,5 Prozent im Vorjahr. Die Wachstumsprognose für die globale Industrieproduktion beträgt 2,3 Prozent für das Gesamtjahr 2016 und liegt damit über dem Vorjahreswert (1,8 Prozent). Besonders hervorzuheben ist die übereinstimmende Meinung, dass die Weltwirtschaft ein weiteres Jahr mit Wachstumsraten vor sich hat, die unter dem langfristigen Durchschnitt liegen dürften.

Sollte es 2016 zu zusätzlichen negativen Entwicklungen kommen, so könnte sich bemerkbar machen, dass jene Wachstumsmotoren ausfallen, auf die man sich in der Vergangenheit zumeist verlassen konnte. Oxford Economics erwartet 2016 hohe Abweichungen bei den wirtschaftlichen Entwicklungen der einzelnen Regionen der Welt. In der Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) erwarten die Wirtschaftsforscher einen Anstieg der Wirtschaftsleistung von 1,9 Prozent – ein solides Wachstum im Vergleich zu 2015 (1,5 Prozent). Für die Industrieproduktion in 2016 wird ein Anstieg von 1,6 Prozent prognostiziert (2015: 1,0 Prozent).

Mit Blick auf Westeuropa und den Euroraum wird erwartet, dass sich der zaghafte Wirtschaftsaufschwung fortsetzen wird. Oxford Economics prognostiziert für 2016 ein Wachstum des BIP von 1,9 Prozent in Westeuropa, was geringfügig über der 2015 erreichten Rate (1,7 Prozent) liegen würde. Die Wachstumsprognose für 2016 für den Euroraum liegt bei 1,8 Prozent (2015: 1,5 Prozent). Die positive Konjunktur in Deutschland sollte sich auch im Jahr 2016 weiter fortsetzen. Hier erwartet man ein BIP-Wachstum von 2,1 Prozent (2015: 1,5 Prozent).

In der Region Mittlerer Osten & Osteuropa wird sich die Entwicklung 2016 voraussichtlich zweiteilen. Im Mittleren Osten erwarten die Wirtschaftsforscher ein BIP-Wachstum von 1,9 Prozent gegenüber 3,1 Prozent im Vorjahr. In Osteuropa soll sich das BIP-Wachstum auf 1,2 Prozent erholen (2015: −0,6 Prozent). Für Russland wird ein weiteres Jahr der Rezession erwartet, mit einem Rückgang des BIP um 1,0 Prozent (Industrieproduktion: –0,4 Prozent). Für Südafrika erwartet Oxford Economics eine geringfügige Verbesserung des Konjunkturklimas mit einer BIP-Wachstumsrate von 1,7 Prozent (2015: 1,4 Prozent).

In der Region Amerika wird ein Wachstum von 1,8 Prozent erwartet (2015: 1,5 Prozent), das im Wesentlichen von einer positiven Entwicklung in den USA getrieben ist. Hier unterstreichen sowohl die Prognosen der Wirtschaftsinstitute als auch die kürzlich getroffene Entscheidung der US-Notenbank, den Leitzins zu erhöhen, die angenommene Stärke der heimischen Wirtschaft. Oxford Economics erwartet in den USA eine BIP-Wachstumsrate von 2,4 Prozent in 2016 (2015: 2,4 Prozent). Die Industrieproduktion soll dagegen nur um 0,4 Prozent zulegen und damit deutlich unter dem Vorjahreswert liegen (2015: 1,3 Prozent), der bereits unter der 2014 erreichten Rate (3,7 Prozent) gelegen hatte.

In Südamerika erwarten die Wirtschaftsforscher lediglich eine geringe Verbesserung im Jahr 2016. Die weiterhin rückläufige Entwicklung hängt mit der anhaltenden Rezession in Brasilien zusammen. Das BIP in Südamerika soll um 1,0 Prozent (2015: −2,0 Prozent) und die Industrieproduktion um 1,1 Prozent (2015: –4,8 Prozent) schrumpfen. Es wird erwartet, dass sich die Rezession in Brasilien 2016 weiter fortsetzt, mit einem Rückgang des BIP um weitere 2,6 Prozent, nach einem Rückgang von 3,7 Prozent im Vorjahr. Sofern es keine bedeutenden politischen Veränderungen der Situation in Brasilien geben sollte, werden sich diese Entwicklungen in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht grundlegend verbessern.

Wie auch in den vorangegangenen Jahren wird erwartet, dass die Region Asien/Pazifik auch 2016 wieder die höchste Wachstumsdynamik zeigen wird. Oxford Economics prognostiziert einen Anstieg der Wirtschaftsleistung in der Region von 5,4 Prozent (2015: 5,5 Prozent). Die Industrieproduktion soll um 4,8 Prozent zulegen (2015: 4,2 Prozent). Es wird weiterhin erwartet, dass China und Indien die höchsten Wachstumsraten der Region erreichen werden. In China soll das BIP 2016 um 6,3 Prozent zulegen, was eine weitere leichte Verlangsamung der Wachstumsdynamik bedeutet (2015: 6,9 Prozent). Die Wachstumsprognose für die Industrieproduktion liegt derzeit bei 4,9 Prozent (2015: 5,9 Prozent). Diese Prognosen stützen sich auf die Annahme, dass die Regierung in der Lage sein wird, mit den Herausforderungen eines reibungslosen Übergangs zu einer eher konsumorientierten Wirtschaft umzugehen, und es daher keine sogenannte harte Landung geben wird. Für Indien erwartet Oxford Economics eine Wachstumsrate des BIP von 7,4 Prozent (stabil gegenüber 2015) und ein Wachstum der Industrieproduktion von 6,5 Prozent (2015: 4,7 Prozent).

Die Wachstumsprognose für 2016 für das australische BIP liegt bei 2,7 Prozent (2015: 2,4 Prozent). Es wird jedoch erwartet, dass rückläufige Bergbauinvestitionen in den nächsten Jahren auch das Wachstum des verarbeitenden Gewerbes belasten.

Der hier ausgeführten gesamtwirtschaftliche Ausblick basiert auf Daten des Wirtschaftsforschungsinstituts Oxford Economics vom 14. Januar 2016.

Branchenausblick

Gaseindustrie

Die Vorhersagen für die globale Wirtschaftsentwicklung deuten darauf hin, dass sich die Wachstumsraten des weltweiten Gasemarkts im laufenden Jahr 2016 auf einem ähnlichen Niveau wie im vorausgegangen Jahr bewegen werden – wenngleich dieser Ausblick auch weiterhin von hohen Risiken geprägt ist. Während für das Marktumfeld in Europa eine leichte Verbesserung erwartet wird, haben sich die Wachstumsaussichten für die Branche in den aufstrebenden Volkswirtschaften leicht eingetrübt. Auch die leicht schwächere Industriekonjunktur in den USA und das verhaltende Investitionsklima für neue Großprojekte im Bereich Öl und Gas, Chemie und Stahl dürfte das Marktumfeld beeinflussen. Der Gesundheitsbereich zeichnet sich unverändert durch ein starkes Wachstumspotenzial aus, allerdings bei sich weiter verstärkendem Preisdruck.

Anlagenbau

Aufgrund des niedrigen Ölpreises wird die Investitionswilligkeit im internationalen Großanlagenbau im laufenden Jahr 2016 gemäß Branchenexperten weiterhin volatil bzw. schwach ausfallen. Wettbewerbs- und Preisdruck werden aufgrund des insgesamt kleineren Marktvolumens weiter steigen.

Die Trends der letzten Jahre werden sich in 2016 weiter fortsetzen. Dazu gehören der global wachsende Energiebedarf, die stetig steigende Nachfrage nach umweltfreundlichen Technologien und der verstärkte Fokus auf unkonventionelle Energiequellen.

Ausblick – Konzern

Mit Blick auf die beschriebenen gesamtwirtschaftlichen und branchenspezifischen Rahmenbedingungen und bereinigt um Währungskurseffekte rechnet das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr 2016 damit, eine Konzernumsatzentwicklung in der Bandbreite von −3 Prozent bis +4 Prozent zu erreichen. Beim operativen Konzernergebnis erwartet Linde im Geschäftsjahr 2016 eine währungskursbereinigte Entwicklung ebenfalls im Rahmen einer Bandbreite von –3 Prozent bis +4 Prozent.

Basis für das prognostizierte währungsbereinigte Wachstum ist der Konzernumsatz bzw. das operative Konzernergebnis 2015. Es ist jedoch zu beachten, dass der Euro zu Beginn des Geschäftsjahres 2016 erneut an Wert gewann. Dabei haben sich vor allem die für Linde wichtigen Währungen wie US-Dollar, Britischer Pfund, Chinesischer Renminbi, Australischer Dollar sowie Südafrikanischer Rand sehr volatil entwickelt. Die sich aus der Umrechnung der verschiedenen Währungen in die Berichtswährung Euro ergebenden translatorischen Effekte, haben einen signifikanten Einfluss auf Umsatz und Ergebnis. So hätten bei Zugrundelegung der Währungskurse vom Januar 20161 der Konzernumsatz 2015 17,470 Mrd. EUR und das operative Konzernergebnis 4,025 Mrd. EUR betragen.

Für die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Return on Capital Employed, ROCE) strebt Linde im Geschäftsjahr 2016 einen Wert von rund 9 Prozent an.

Hinweis: Die Beschreibung der Mittelfristziele des Konzerns ist im Kapitel Ziele und Strategie des Linde Konzerns dargestellt.

Ausblick – Gases Division

Die Entwicklung der Produktbereiche innerhalb der Gases Division hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im On-site-Geschäft verfügt Linde über eine solide Projekt-Pipeline, die im Geschäftsjahr 2016 positiv zur Umsatz- und Ergebnisentwicklung beitragen wird. In den Produktbereichen Flüssig- und Flaschengase ist die Geschäftsentwicklung im Wesentlichen von den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig. Das Healthcare-Geschäft wird weiterhin positiv zur Umsatzentwicklung beitragen. Allerdings wird der Umsatzbeitrag aufgrund der staatlichen Preiskürzungen für Leistungen des US-Healthcare-Geschäfts in 2016 im Vergleich zum Berichtsjahr 2015 weniger stark ausfallen. Gleichzeitig wird sich das Ergebnis in diesem Produktbereich aufgrund der Preisanpassungen rückläufig entwickeln.

Abhängig von den beschriebenen Rahmenbedingungen sowie der konjunkturellen Entwicklung strebt Linde in der Gases Division im Geschäftsjahr 2016 folgende Ziele an: Der währungskursbereinigte Umsatz soll mindestens auf dem Niveau des Jahres 2015 liegen und könnte um bis zu 5 Prozent steigen. Die Veränderung des währungskursbereinigten operativen Ergebnisses soll einen Wert in der Bandbreite von −1 Prozent bis +6 Prozent erreichen.

Die Margen der einzelnen Segmente EMEA, Asien/Pazifik und Amerika sollen in etwa dem Niveau des Berichtsjahres entsprechen.

Ausblick – Engineering Division

Im laufenden Jahr 2016 dürfte das Marktumfeld im internationalen Großanlagenbau weiterhin von einer hohen Volatilität geprägt sein. Zwar kann Linde auf einen hohen Auftragsbestand zurückgreifen, allerdings werden sich die positiven Umsatzbeiträge daraus aufgrund der Projektstruktur in 2016 noch nicht vollumfänglich auswirken.

Linde geht daher davon aus, in der Engineering Division im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz in Höhe von 2,0 Mrd. EUR bis 2,4 Mrd. EUR zu erzielen. Bei der operativen Marge rechnet das Unternehmen damit, einen Wert von rund 8 Prozent zu erreichen.

1 Terminkurse für das Jahresende 2016

Investitionen

Linde investiert gezielt in die Bereiche, die Chancen für ein überproportionales Wachstum bieten. Diesen Ansatz wird das Unternehmen auch im Geschäftsjahr 2016 weiter verfolgen.

Aufgrund der bereits getroffenen Investitionsentscheidungen und der weiterhin hohen Anzahl von Investitionsmöglichkeiten erwartet Linde, dass die Investitionsquote in der Gases Division im Jahr 2016 bei 11 Prozent bis 12 Prozent vom Umsatz und damit unter dem Niveau des Berichtsjahres liegen wird (Investitionsquote 2015: 12,4 Prozent).

Finanzierung

Auch im Geschäftsjahr 2016 wird Linde seine auf Liquiditätssicherung und langfristige Finanzierung ausgerichtete Strategie fortsetzen. In Abhängigkeit von der Entwicklung der Finanzmärkte sowie der Wachstumsmöglichkeiten sieht Linde einen dynamischen Verschuldungsgrad (Nettofinanzschulden im Verhältnis zum operativen Ergebnis) von bis zu 2,5 weiterhin als Obergrenze an.

Grundsätzlich soll die Finanzierung des angestrebten profitablen Wachstums, das durch die Mittelfristziele definiert ist, auch weiterhin aus dem Cash Flow aus betrieblicher Tätigkeit erfolgen. Den nach Abzug der Investitionen verbleibenden Cash Flow will Linde zur Deckung der Finanzierungskosten, für die aus heutiger Sicht weiter steigenden Dividendenausschüttungen sowie zur konsequenten Rückführung der Verschuldung verwenden.

Dividende

Kontinuität und Augenmaß werden auch zukünftig die wichtigsten Kriterien für die Dividendenpolitik von Linde bleiben. Wie in den Jahren zuvor wird das Unternehmen auch für das Geschäftsjahr 2016 die Höhe der Dividende grundsätzlich an der Entwicklung des operativen Ergebnisses ausrichten und dabei die weitere langfristig erwartete Geschäftsentwicklung berücksichtigen.

Ausblick – Linde AG

Für die Linde AG, die Muttergesellschaft des Linde Konzerns, ist der Jahresüberschuss die zentrale Steuerungsgröße. Siehe Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Linde AG. Die Entwicklung dieser Kennziffer hängt wesentlich von der Entwicklung des Beteiligungsergebnisses ab.

Vor dem Hintergrund der beschriebenen gesamtwirtschaftlichen und branchenspezifischen Rahmenbedingungen rechnet Linde beim Jahresüberschuss der AG im laufenden Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr mit einer Verbesserung um rund 5 Prozent.

Zukunftsbezogene Aussagen

Der zusammengefasste Lagebericht enthält zukunftsbezogene Aussagen, die auf aktuellen Einschätzungen des Managements über künftige Entwicklungen beruhen. Diese Aussagen sind nicht als Garantien dafür zu verstehen, dass sich diese Erwartungen auch als richtig erweisen. Die zukünftige Entwicklung sowie die vom Linde Konzern und von seinen verbundenen Unternehmen tatsächlich erreichten Ergebnisse sind abhängig von einer Reihe von Risiken und Unsicherheiten und können daher wesentlich von den zukunftsbezogenen Aussagen abweichen. Eine Aktualisierung der zukunftsbezogenen Aussagen ist weder geplant noch übernimmt Linde hierzu eine gesonderte Verpflichtung.