Branchen­spezifische Rahmen­bedingungen

Gaseindustrie

Der weltweite Gasemarkt ist im Berichtsjahr 2015 etwas schwächer gewachsen als im Vorjahr. Je nach Region und Industriebereich war die Nachfrage unterschiedlich ausgeprägt. Die Wettbewerbssituation stand im Zeichen einer weiteren Konsolidierung, insbesondere durch die geplante Übernahme von Airgas durch Air Liquide in den USA.

Die größten Absatzmärkte für Industriegase sind nach wie vor Nordamerika und Europa sowie Asien, wo im Berichtszeitraum erneut das höchste Wachstum verzeichnet wurde.

Die globale Stahlindustrie leidet unverändert unter Überkapazitäten, die eine unmittelbare Folge der Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums sind. In China, dem mit Abstand weltgrößten Stahlproduzenten, bestehen weiterhin signifikante Überkapazitäten. Vereinzelte Stilllegungen von Stahlwerken konnten diese nur geringfügig beeinflussen. Nach Angaben des Weltverbands der Stahlindustrie ist die globale Stahlproduktion in 2015 um 2,9 Prozent zurückgegangen (China: 2,3 Prozent). In den USA fiel die Stahlproduktion besonders stark, in der Europäischen Union war der Rückgang vergleichsweise gering. Im Rest Europas sank die Stahlproduktion hingegen stärker.

Auch die Entwicklung des Chemie- und Energiesektors (Öl und Gas) war von großen Herausforderungen geprägt. Die sehr niedrigen Öl- und Gaspreise und die daraus entstandene Unsicherheit haben einen deutlichen Rückgang von neuen Investitionsprojekten bedingt. Langfristig ist jedoch eine Erholung der Investitionstätigkeit aufgrund der auch weiterhin wachsenden Nachfrage nach fossilen Rohstoffen zu erwarten. Auch in der Petrochemie hat sich die Investitionstätigkeit im vergangenen Jahr aufgrund volatiler Rohstoffpreise und geringeren Nachfragewachstums relativ schwach entwickelt. Allerdings hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Petrochemie gegenüber Nordamerika im vergangenen Jahr aufgrund gesunkener Rohstoffpreise deutlich erholt.

Die Rahmenbedingungen für Raffinerien haben sich in 2015 leicht verbessert. Bei einem insgesamt niedrigen Preisniveau der Rohstoffe konnten die Margen etwas gesteigert werden – insbesondere in Nordamerika. Aufgrund bestehender Überkapazitäten und der existierenden Unsicherheit waren Marktteilnehmer bei neuen Investitionen zurückhaltend.

Das verarbeitende Gewerbe ist im Berichtsjahr 2015 branchenübergreifend verhalten gewachsen. Neue Technologien wie additive Fertigungsverfahren (z.B. Laserschweißen) könnten langfristig jedoch neue Impulse für die Nachfrage nach Industriegasen geben. Die Bauindustrie ist im vergangenen Jahr global weiter stabil gewachsen, im größten Markt China allerdings etwas langsamer als in den letzten Jahren.

Unverändert steigt indes in der Glasindustrie die Nachfrage nach Anwendungen, um den Energieverbrauch zu verringern und Emissionen zu vermeiden. Dieser Trend hat sich auch im Jahr 2015 fortgesetzt.

Die Elektronikindustrie hat sich in 2015 weiterhin dynamisch entwickelt. Kontinuierliche Verbesserungen der Produktionsprozesse in der Halbleiterproduktion lassen die Nachfrage nach hochreinen Gasen weiter wachsen. Die Nachfrage nach Mikrochips, die in mobilen Endgeräten zur Anwendung kommen, steigt allerdings langsamer, da der Absatz von Smartphones nur noch leicht zunimmt. Zugleich werden weniger PCs und Tablets verkauft. Neue Anwendungsfelder im Bereich Digitalisierung, SSD-Speichermedien und Automobilelektronik dürften aber zukünftig auch weiterhin für positive Impulse sorgen.

Das Umfeld für LEDs verbessert sich weiterhin. Der Markt profitiert von dem wachsenden Bewusstsein für umweltfreundliche und energieeffiziente Anwendungen im Bereich Beleuchtung.

Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie entwickelte sich auch im vergangenen Jahr vergleichsweise stabil. Treiber dieser Entwicklung ist der unveränderte Trend zu einer gesünderen Ernährung, zu einem höheren Verbrauch von fleischlichen Eiweißen und zu mehr verarbeiteten Lebensmitteln. Zudem steigt die Nachfrage bei sogenannten Convenience-Produkten unverändert an.

Auch im Jahr 2015 war der globale Healthcare-Markt sehr stabil. Die langfristigen Wachstumstreiber sind weiterhin eine weltweit wachsende und alternde Bevölkerung, der Anstieg chronischer Erkrankungen wie Asthma oder COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung), sowie der allgemeine Trend hin zu stärkerer Prävention und einer intensiveren Patientenbetreuung auch außerhalb von Krankenhäusern. Verbunden ist dies allerdings mit verstärkten Sparanstrengungen in den Gesundheitssystemen und einer zunehmenden Regulierungsdichte, die den Kostendruck erhöht.

Anlagenbau

Das internationale Großanlagenbaugeschäft war im Jahr 2015 nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Öl- und Erdgaspreise von hoher Volatilität und steigendem Wettbewerb geprägt. Investitionen und damit das Marktvolumen gingen im Vergleich zum Vorjahr merklich zurück. Die politische Instabilität im Mittleren Osten und Nordafrika sowie schwache Wachstumsraten in aufstrebenden Märkten wie Indien und China verstärkten diesen Trend zusätzlich.

Luftzerlegungsanlagen

Überkapazitäten in der weltweiten Stahlindustrie und der grundsätzlich für die Industrie herausfordernd niedrige Ölpreis führten zu einer sinkenden Nachfrage an neuen Luftzerlegungsanlagen. Dies verstärkte den Wettbewerbs- und Preisdruck in 2015 deutlich. Dementgegen konnte Linde sich einen signifikanten Anteil der noch am Markt verfügbaren Luftzerlegungsprojekte sichern, z.B. in den USA und Indien.

Olefinanlagen

Auch der Markt für Olefinanlagen war 2015 von Investitionszurückhaltung geprägt. Aufgrund der Kombination aus niedrigem Ölpreis, sinkendem Wachstum der Verbrauchermärkte und schon im Bau befindliche hohe Neukapazitäten für Polyolefine haben Investoren weltweit ihre Projekte verschoben, aufgegeben oder neu bewertet. Laufende Projekte waren hiervon in 2015 nicht betroffen.

Erdgasanlagen

Aufgrund des niedrigen Preisniveaus von Öl, Erdgas und LNG hat die Öl- und Gaseindustrie in 2015 ihre Investitionen drastisch reduziert sowie eine Vielzahl an Investitionsentscheidungen vertagt. Nichtsdestotrotz konnte sich Linde mit dem Auftrag für eine Gasaufbereitungsanlage im Osten Russlands ein großes Meilensteinprojekt in 2015 sichern.

Wasserstoff- und Synthesegasanlagen

Die schwächelnde Wirtschaft Chinas in Kombination mit niedrigen Energiekosten sorgten in 2015 für eine sinkende Investitionsbereitschaft in der petrochemischen Industrie. Eine Vielzahl an Vergasungsprojekten wurde vertagt. Dies hatte Einfluss auf die Sauergaswäsche-Aktivitäten (Rectisol-Technologie) und Propandehydrierungs-Projekte (PDH) von Linde. Auch in Russland wurde aufgrund des niedrigen Ölpreises nur bedingt in Raffinerien investiert.