Anwendungen entwickeln

Die Entwicklung von maßgeschneiderten Anwendungen beginnt bei Linde mit einem tiefen Verständnis für die Anforderungen des Kunden. Ziel ist es, dessen Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern zu übertreffen. Im Dreiklang von Ingenieurswissen, Innovationskraft und Verlässlichkeit werden Projekte realisiert, bei denen wir höchste Anforderungen an uns selbst stellen.

Dadurch haben wir traditionell unsere Spitzenposition in der Entwicklung und Implementierung von komplexen Projekten gesichert und unsere langfristigen Kundenbeziehungen ausgebaut.

Präzision im Permafrost

Anlagenbau

Tobolsk

Zweitälteste Stadt Sibiriens, Raffineriestandort und wichtiges Petro­chemiezentrum.

Weltkartensymbol Tobolsk (Weltkarte)

58° 12I N, 68° 16I O

Tobolsk, Sibirien. Dichte Nebelschwaden ziehen über die weite Steppenlandschaft Westsibiriens, aus deren Tiefe riesige Mengen Erdöl und Erdgas gefördert werden. Nicht weit von der Stadt Tobolsk entfernt geht das führende Petrochemieunternehmen des Landes, SIBUR, einen großen Schritt in die Zukunft: Unter maßgeblicher Beteiligung von Linde entsteht eine der größten Ethylenanlagen Russlands.

Das ehrgeizige Projekt mit dem schlichten Namen Tobolsk2 beansprucht eine Fläche von 100 Fußballfeldern. Doch die Herausforderungen für die Realisierung sind weniger die Größe und Komplexität der Anlage, sondern vielmehr die klimatischen und geografischen Bedingungen vor Ort. Im Winter herrschen Temperaturen von bis zu -50 Grad, eisige Winde machen das Arbeiten für die Menschen zu einer extremen Belastung, auch Maschinen und die Logistik sind in besonderer Weise gefordert. Der steinhart gefrorene Permafrostboden taut im Sommer an der Oberfläche auf und verwandelt sich in einen Sumpf. Zudem ist die Versorgung der Baustelle mit Material und Betriebsmitteln eine logistische Meisterleistung.

Nur eine ausgeklügelte Planung kann sicherstellen, dass wichtige Komponenten aus aller Welt stets termingerecht vor Ort sind. Für schwere Anlagenteile sind die Wasserwege nach Tobolsk die einzig denkbaren Transportrouten – doch sie sind nur in den Sommermonaten nutzbar. So kann eine Verzögerung von wenigen Tagen im schlimmsten Fall eine Verschiebung bis zum nächsten Sommer bedeuten: Denn während die Flüsse im Frühjahr vom Oberlauf her auftauen, frieren sie im Herbst von der Mündung zum Oberlauf zu. Diese extremen Bedingungen hatten die Verantwortlichen von SIBUR bei der Suche nach einem verlässlichen Partner von Anfang an fest im Blick.

Polymeranlage Tobolsk (Photo)

Für Sibur ist Tobolsk ein wichtiger Standort. Unweit der bestehenden Polymeranlage wird nun eine der größten Ethylenanlagen Russlands errichtet.

Linde stand frühzeitig in der engeren Auswahl, nicht nur aufgrund der Erfahrung aus rund 4.000 realisierten Petrochemieanlagen weltweit. Einen Vertrauensvorschuss konnte sich Linde bereits dank der Errichtung einer Polypropylenanlage am Standort Tobolsk sichern. Ausschlaggebend für die erneute Beauftragung waren letztlich die herausragende Ingenieurskompetenz und die umfassende EPC-Erfahrung (Engineering, Procurement, Construction) bei der Realisierung komplexer Anlagen. Gerade bei Großprojekten, die eine milliardenschwere Investition bedeuten, hat sich Linde stets als extrem leistungsfähiger und außergewöhnlich zuverlässiger Partner bewiesen und damit die Erwartungen seiner Kunden übertroffen. Dafür stehen wegweisende Anlagen in Hammerfest (Norwegen), Borouge (Abu Dhabi) und Pearl (Katar), die als Referenz die Vergabe von weiteren Projekten beeinflusst haben.

Erfolgsgeschichte

Vertrag verlängert

Partnerschaft nachhaltig gestärkt

Seit dem Jahr 2000 unterstützt Linde als verlässlicher Partner PEMEX bei der effizienten Erdölförderung in Mexiko. Aufgrund des Anspruchs von Linde, die eigenen Anlagen kontinuierlich weiterzuentwickeln, hat PEMEX den bestehenden Vertrag vorzeitig bis 2027 verlängert.

Seit 2012 realisiert nun Linde in Tobolsk eine der weltweit größten Ethylenanlagen zur Herstellung hochwertiger Ausgangsprodukte für die Kunststoffindustrie. Insgesamt werden für Tobolsk2 rund 100.000 Tonnen Beton und etwa 60.000 Tonnen Stahl verbaut sowie fast 5.000 Kilometer Kabel verlegt. Allein die Auswahl und Kombination der Materialien ist eine Herausforderung für sich. Denn sämtliche Einzelkomponenten der Anlage müssen den extremen Temperaturen vor Ort standhalten, sich jederzeit anfahren und abschalten lassen, aber eben auch wirtschaftlich wettbewerbsfähig sein. Hier kommt das technologische Know-how von Linde als weltweit führendem Anlagenbauer zum Tragen. Damit kann das Unternehmen seine globale Spitzenposition festigen.

Die Arbeiten kamen 2015 gut voran, das Projekt liegt im Zeitplan. Die Anlage soll 2020 in Betrieb gehen und dann etwa 1,5 Millionen Jahrestonnen (tonnes per annum, tpa) Ethylen, 500.000 tpa Propylen und 100.000 tpa Butadien produzieren. Aufgrund seiner Größenordnung gilt Tobolsk2 schon heute als Schlüsselprojekt für die gesamte Region. In Zukunft kann die russische Kunststoffindustrie ihren stark wachsenden Bedarf an Ausgangsprodukten ohne Importe decken. Damit erweitert SIBUR seine Wertschöpfungskette tief in die nachgelagerten Industriebranchen hinein.


Überblick

Erweitertes Produktportfolio

SIBUR verlängert seine Wertschöpfungskette mithilfe einer Linde Ethylenanlage
Erweitertes Produktportfolio (Illustration)

Spirale des Erfolgs

Lebensmitteltechnik


Fakten

Die Bilanz

Linde verbessert zahlreiche Faktoren

Strömungsgeschwindigkeit des Gases von 3 auf 6 Meter/Sekunde erhöht
Die Bilanz (Illustration)
Verbrauch von Flüssigstickstoff um rund 20 Prozent reduziert

Produktionskapazität um rund 30 Prozent gesteigert

Tiefkühlkost ist eine Erfolgsgeschichte der Lebensmittelindustrie. Seit dem Jahr 1984 ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Tiefkühlkost allein in Deutschland von rund 17 auf 42 Kilogramm im Jahr 2014 gestiegen.

Die Zahlen illustrieren, welche Dynamik in der Branche steckt. Sie lassen aber auch erahnen, wie hart der Wettbewerb ist. Tiefkühlkost ist ein Milliardengeschäft. Nur wer sich ständig neu erfindet, neue Produktlinien erschafft und an der Technologie feilt, sichert seinen Platz an der Spitze.

Der malaysische Tiefkühlkost-Hersteller MacFood vertraut seit Jahren der Ingenieurskunst von Linde. Diese musste das Unternehmen erneut unter Beweis stellen, als MacFood Flüssigstickstoff einsparen und so die Kosten für den Gefrierprozess senken wollte. Das Besondere an dieser Herausforderung: Die alten Spiralfroster sollten erhalten bleiben, die gesamte Umrüstung ohne Produktionsunterbrechung vonstattengehen. Eine Weltpremiere. Nie zuvor wurde ein Frostersystem auf diese Weise aufgewertet.

Nach eingehender Analyse eines Spiralfrosters präsentierte Linde Malaysia im Februar 2015 eine Lösung, die MacFood nicht nur eine Effizienzsteigerung um bis zu 20 Prozent bescherte, sondern auch noch die Produktionskapazität um mehr als 30 Prozent erhöhte. Das bedeutet: die modifizierte Anlage frostet statt 2.000 Kilo pro Stunde nun 2.900 Kilo Lebensmittel. In Summe spart MacFood dank der Umrüstung Investitionskosten in Höhe von rund 4 Millionen Euro. Wohlgemerkt, diese Leistungssteigerung bezieht sich zunächst auf einen von insgesamt drei Frostern. Das Potenzial ist also enorm.

Für Linde hat dieser Erfolg weitreichende Auswirkungen. MacFood sicherte sich die Dienste von Linde Malaysia für weitere sieben Jahre. Der Vertrag umfasst ein Gesamtvolumen von 50 Millionen Euro.

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