Unternehmens­führungs­praktiken

Gute und verantwortungsbewusste, auf nachhaltige Wertschöpfung ausgerichtete Leitung und Kontrolle haben bei der Linde AG traditionell einen hohen Stellenwert. Erfolgsgrundlage sind von jeher eine enge und effiziente Zusammenarbeit von Vorstand und Aufsichtsrat, die Achtung der Aktionärsinteressen, eine offene Unternehmenskommunikation, die ordnungsgemäße Rechnungslegung und Abschlussprüfung sowie ein verantwortungsbewusster Umgang mit Risiken und gesetzlichen und konzerninternen Regelungen.

Linde hat einen hohen Standard ethischer Grundsätze. 2007 hat der Vorstand im Zuge der strategischen Weiterentwicklung des Konzerns Grundwerte (Linde Spirit) und Verhaltensregeln (Code of Ethics) neu entwickelt und konzernweit eingeführt. 2013 wurde die Linde Spirit-Broschüre neu aufgelegt, um die hohe Bedeutung der Grundwerte zu unterstreichen, denen der Konzern sich verpflichtet sieht. Der Linde Spirit beschreibt die Unternehmenskultur, die sich in der Linde Vision, den Werten und den Prinzipien des täglichen Handelns manifestiert. Die Neuauflage 2013 reflektiert, wie der Linde Spirit in unserem Unternehmen gelebt wird. Der Code of Ethics ist die Selbstverpflichtung aller Mitarbeiter des Linde Konzerns, rechtliche Vorschriften zu befolgen und die ethisch-moralischen Werte des Unternehmens zu wahren und zu schützen. Er fußt auf der Unternehmenskultur und folgt den globalen Werten und Grundprinzipien. Darüber hinaus hat der Vorstand für die Bereiche Wettbewerbs-/Kartellrecht, Korruptionsprävention, Einschaltung von Vertriebsmittlern, Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz, Qualität sowie Beschaffung eigene Leitlinien verabschiedet. Diese gelten ebenso wie der Code of Ethics für alle Mitarbeiter des Linde Konzerns. Des Weiteren erschien 2013 ein Verhaltenskodex für Lieferanten der Linde AG, um unsere Erwartungshaltung ihnen gegenüber noch transparenter zu gestalten. 2014 wurde der Healthcare Compliance Guide vom Vorstand verabschiedet und veröffentlicht. Der Leitfaden ergänzt die globale Richtlinie zur Korruptionsprävention und setzt vorbehaltlich strengerer lokaler Gesetze Mindeststandards für einen verantwortungsvollen und ethisch einwandfreien Umgang mit Angehörigen der medizinischen Fachkreise und medizinischen Einrichtungen, für Werbematerialien, die Zusammenarbeit und Interaktion mit Patientenorganisationen und den Schutz der Patientendaten sowie für das Festlegen von Regeln für klinische Studien.

Compliance

Um die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und freiwillig angewandter Grundsätze zusätzlich abzusichern, besteht eine weltweite Compliance-Organisation. Der Fokus der konzernweiten Compliance-Aktivitäten liegt in den Bereichen Kartellrecht, Korruptionsprävention, Exportkontrolle und Datenschutz. 2014 wurde ein Prozess zur verbindlichen Risikoanalyse (Compliance Risk Assessment) eingeführt, der die Themen allgemeine Compliance, Kartellrecht und Korruption abdeckt. Die hauptamtlich tätigen Mitarbeiter der Compliance-Organisation sind der zentralen Rechtsabteilung angegliedert. In den Divisionen, Bereichen und operativen Segmenten sind Compliance-Beauftragte ernannt, die die konzernweite Beachtung des Compliance-Programms unterstützen. Der Chief Compliance Officer koordiniert und betreibt die Umsetzung von ComplianceMaßnahmen. Vorstand und Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats werden regelmäßig über den aktuellen Stand der Weiterentwicklung der Compliance-Organisation informiert, einschließlich der begleitenden Maßnahmen zur Kommunikation, Schulung und Überarbeitung bestehender Verhaltensregeln. Weltweit werden die Mitarbeiter geschult. Präsenzschulungen werden durch ein konzernweites E-Learning-Programm ergänzt. Bis Ende 2015 hat Linde mehr als 138.000 Compliance-Schulungen, über 55.000 E-Learning-Schulungen zum Verhaltenskodex sowie ca. 10.000 E-Learning-Schulungen zum Kartellrecht durchgeführt. Außerdem wurden rund 22.000 Teilnehmer vor Ort durch qualifizierte Trainer geschult. Wir schaffen damit die Voraussetzungen, dass unsere Mitarbeiter Regeln und Richtlinien kennen.

Als ein wichtiger Bestandteil der Compliance-Richtlinien des Linde Konzerns ist ein Hinweisgebersystem (Integrity Line) installiert. Die Integrity Line bietet internen und externen Stakeholdern die Möglichkeit, Zweifel und Verdachtsfälle zu melden. Nach Hinweisen über die Integrity Line haben die Interne Revision, die Personalabteilung, die Rechtsabteilung und die Abteilung für Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz im Jahr 2015 weltweit rund 140 Untersuchungen durchgeführt. Stellt sich nach der internen Untersuchung ein Hinweis als begründet heraus, wird nach einem festgelegten Prozess bestimmt, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Linde prüft ferner, ob deren Umsetzung tatsächlich erfolgt ist.

Sämtliche Leitlinien zu den Grundwerten und zur Compliance sind unter www.linde.com/leitliniengrundwerte sowie www.linde.com/corporategovernance_de im Internet abrufbar.

Arbeitsweise von Vorstand und Aufsichtsrat

Die Linde AG mit Sitz in München unterliegt den Vorschriften des deutschen Aktien- und Mitbestimmungsrechts und den Kapitalmarktregelungen sowie den Bestimmungen der Satzung. Vorstand und Aufsichtsrat haben auf sie aufgeteilte Leitungs- und Überwachungsfunktionen. Sie arbeiten im Unternehmensinteresse eng zusammen, mit dem Ziel, für den Bestand des Unternehmens und seine nachhaltige Wertschöpfung zu sorgen. Sie sind den Interessen der Aktionäre und dem Wohle des Unternehmens verpflichtet.

Vorstand

Der Vorstand der Linde AG leitet die Gesellschaft in eigener Verantwortung und führt deren Geschäfte. Sein Handeln und seine Entscheidungen richtet er am Unternehmensinteresse aus, also unter Berücksichtigung der Belange der Aktionäre, seiner Arbeitnehmer, der Kunden und der sonstigen dem Unternehmen verbundenen Gruppen (Stakeholder), mit dem Ziel nachhaltiger Wertschöpfung. Der Vorstand entwickelt die strategische Ausrichtung des Unternehmens, stimmt sie mit dem Aufsichtsrat ab, sorgt für ihre Umsetzung und erörtert regelmäßig mit dem Aufsichtsrat den Stand der Umsetzung. Des Weiteren ist er verantwortlich für die Jahres- und Mehrjahresplanung der Gesellschaft und die Konzernfinanzierung sowie für die Aufstellung der Quartals- bzw. Halbjahres-, Jahres- und Konzernabschlüsse. Er trägt ferner Sorge für ein angemessenes Risikomanagement und Risikocontrolling sowie für eine regelmäßige, zeitnahe und umfassende Berichterstattung an den Aufsichtsrat über alle für den Konzern relevanten Fragen der Strategie, der mittelfristigen Unternehmensplanung, der Geschäftsentwicklung, der Risikolage, des Risikomanagements und die Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen sowie der unternehmensinternen Richtlinien und wirkt auf deren Einhaltung durch die Konzernunternehmen hin (Compliance). Entsprechend der internationalen Aufstellung und der breit gefächerten Branchenstruktur des Konzerns achtet der Vorstand bei der Besetzung von Führungsfunktionen auf Vielfalt (Diversity). Dabei ist es das Ziel, weltweit die besten Teams zusammenzustellen. Im Rahmen der Personalstrategie werden konzernübergreifende Entwicklungsprogramme definiert, umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Durch eine internationale Stellenpolitik und länderübergreifende Stellenbesetzungen wird die interkulturelle Vielfalt im Konzern unterstützt. Ein weiterer Schwerpunkt der Aktivitäten im Bereich Vielfalt zielt auf die Erhöhung des Anteils weiblicher Führungskräfte. 2015 hat Linde Informations- und Kommunikationsworkshops zum Thema Gender Diversity für die obersten Führungskräfte eingeführt. Darüber hinaus unterstützt der Vorstand zahlreiche durch Mitarbeiterinitiativen angestoßene Maßnahmen zur Förderung von Frauen. Dazu gehören Netzwerkveranstaltungen, Trainingsprogramme für Frauen mit Führungsverantwortung oder Führungspotenzial sowie der Pilot eines internen Mentoring-Programms. Für den Frauenanteil in den beiden Führungsebenen unterhalb des Vorstands hat der Vorstand im Sinne des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst Zielgrößen festgelegt. Bis zum 30. Juni 2017 soll der Anteil von Frauen in der ersten Führungsebene unterhalb des Vorstands auf 14 Prozent (11 Prozent in der Linde AG) steigen und bis zum 30. Juni 2022 auf 18 Prozent (18 Prozent in der Linde AG). Im Berichtsjahr lag der Anteil weiblicher Führungskräfte auf dieser Ebene bei 11 Prozent. In der zweiten Führungsebene unterhalb des Vorstands strebt Linde bis zum 30. Juni 2017 einen Frauenanteil von 17 Prozent (15 Prozent in der Linde AG) und bis zum 30. Juni 2022 von 22 Prozent (20 Prozent in der Linde AG) an. Im Geschäftsjahr lag dieser Wert bei 16 Prozent. Weitere Einzelheiten zu den Zielgrößen und zur Vielfalt im Unternehmen finden Sie im Bericht Mitarbeiter und Gesellschaft.

Maßnahmen und Geschäfte des Vorstands von grundlegender Bedeutung bedürfen der Zustimmung des Aufsichtsrats. Dazu zählen insbesondere das Jahresinvestitionsprogramm, größere Akquisitionen, Desinvestitionen sowie definierte Kapital- und Finanzmaßnahmen. Der Aufsichtsrat kann auch im Einzelfall Zustimmungsvorbehalte festlegen. Vorstandsmitglieder unterliegen während ihrer Zugehörigkeit zum Vorstand einem umfassenden Wettbewerbsverbot. Sie legen auftretende Interessenkonflikte unverzüglich dem Aufsichtsrat gegenüber offen und informieren ihre Vorstandskollegen darüber. Dem Aufsichtsrat offenzulegende Interessenkonflikte von Vorstandsmitgliedern traten im Berichtszeitraum nicht auf.

Die Geschäftsordnung des Vorstands regelt die Arbeit des Vorstands, die Ressortzuständigkeiten der einzelnen Vorstandsmitglieder, die dem Gesamtvorstand vorbehaltenen Angelegenheiten sowie die erforderliche Beschlussmehrheit bei Vorstandsbeschlüssen. Der Vorstand fasst Beschlüsse grundsätzlich in regelmäßig stattfindenden Sitzungen. Er beschließt mit der einfachen Mehrheit der abgegebenen Stimmen, soweit nicht das Gesetz eine größere Stimmenmehrheit vorschreibt. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag. Unbeschadet der Gesamtverantwortung aller Vorstandsmitglieder führen die einzelnen Mitglieder des Vorstands die ihnen zugeordneten Aufgabenbereiche im Rahmen der Vorstandsbeschlüsse in eigener Verantwortung. Dem Vorsitzenden des Vorstands obliegt neben seinem Aufgabenbereich die sachliche Koordination aller Aufgabenbereiche des Vorstands. Er hat die Federführung für den Vorstand in der Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat und in der Repräsentation der Gesellschaft in der Öffentlichkeit. Seit dem 1. Januar 2015 besteht der Vorstand aus sechs Mitgliedern. Derzeit gehören dem Vorstand nur Männer an, davon einer in der Altersgruppe über 40 Jahre und fünf in der Altersgruppe 50 bis 60 Jahre. Die Besetzung des Vorstands berücksichtigt auch die internationale Tätigkeit des Linde Konzerns. Sanjiv Lamba ist indischer und Thomas Blades britischer Staatsbürger. Außerdem werden die im Unternehmen benötigten Kompetenzen abgedeckt.

Am Bilanzstichtag hielt kein Vorstandsmitglied mehr als drei Aufsichtsratsmandate bei konzernexternen börsennotierten Gesellschaften oder in Aufsichtsgremien von konzernexternen Gesellschaften, die vergleichbare Anforderungen stellen. Mitgliedschaften der Mitglieder des Vorstands in gesetzlich zu bildenden Aufsichtsräten bzw. vergleichbaren in- und ausländischen Kontrollgremien von Wirtschaftsunternehmen finden Sie im Anhang zum Konzernabschluss. Siehe Ziffer [37].

Ausschüsse des Vorstands sind nicht eingerichtet worden.

Die Zusammensetzung des Vorstands, Angaben zu den Mitgliedern des Vorstands sowie die Verantwortungs- und Aufgabenbereiche der Vorstandsmitglieder sind der Übersicht im Kapitel Vorstand oder der Website der Gesellschaft zu entnehmen. Lebensläufe der Vorstandsmitglieder sind auf der Website der Gesellschaft verfügbar.

Aufsichtsrat

Der paritätisch mit Vertretern der Anteilseigner und der Arbeitnehmer besetzte Aufsichtsrat der Linde AG besteht satzungsgemäß aus derjenigen Anzahl von Mitgliedern, die in den jeweils anwendbaren gesetzlichen Vorschriften als Mindestzahl vorgesehen ist. Dies sind gegenwärtig zwölf Mitglieder. Auch die Bestellung der Mitglieder richtet sich nach den jeweils anwendbaren gesetzlichen Vorschriften. Entsprechend den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex wurden die Vertreter der Anteilseigner bei der letzten Wahl zum Aufsichtsrat in der Hauptversammlung am 29. Mai 2013 einzeln gewählt. Die laufende Amtszeit des Aufsichtsrats endet mit Ablauf der ordentlichen Hauptversammlung 2018. Der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats bereitet die Wahl der Anteilseignervertreter durch die Hauptversammlung vor. Bei seinen Kandidatenvorschlägen an den Aufsichtsrat berücksichtigt er neben den Anforderungen des Aktiengesetzes, des Deutschen Corporate Governance Kodex und der Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat auch die vom Aufsichtsrat für seine Zusammensetzung beschlossenen Ziele. Der Aufsichtsrat ist so zusammengesetzt, dass seine Mitglieder insgesamt über die Kenntnisse, Fähigkeiten und fachlichen Erfahrungen verfügen, die zur ordnungsgemäßen Wahrnehmung der Aufgaben in einem international tätigen Konzern erforderlich sind. Die Aufsichtsratsmitglieder achten darauf, dass ihnen für die Wahrnehmung ihrer Mandate genügend Zeit zur Verfügung steht. Der Aufsichtsrat vergewissert sich für seine Vorschläge zur Wahl neuer Aufsichtsratsmitglieder an die Hauptversammlung bei den jeweiligen Kandidaten, dass sie den zu erwartenden Zeitaufwand erbringen können. Derzeit gehört kein Aufsichtsratsmitglied dem Vorstand einer börsennotierten Gesellschaft an. Die Mitglieder des Aufsichtsrats werden bei der Wahrnehmung der für ihre Aufgaben erforderlichen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen angemessen durch die Linde AG unterstützt. Neu in den Aufsichtsrat eintretende Mitglieder erhalten umfangreiche Einführungsunterlagen und Informationen. Darüber hinaus werden fachorientierte Vorträge durch in- und externe Sachverständige speziell für die Aufsichtsratsmitglieder organisiert.

Der Aufsichtsrat bestellt den Vorstand, berät ihn bei der Leitung des Unternehmens und überwacht dessen Geschäftsführung. Entscheidungen von grundlegender Bedeutung für das Unternehmen bedürfen der Zustimmung des Aufsichtsrats. Bei der Zusammensetzung des Vorstands achtet der Aufsichtsrat zusätzlich zur maßgeblichen fachlichen Qualifikation auf Vielfalt (Diversity). Das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ verpflichtet die Linde AG dazu, Zielgrößen für den Frauenanteil im Vorstand und in den beiden Ebenen unterhalb des Vorstands festzulegen, die erstmals bis zum 30. Juni 2017 erfüllt werden sollen. Für den Aufsichtsrat gilt eine verpflichtende Quote für das unterrepräsentierte Geschlecht von mindestens 30 Prozent für Neubesetzungen ab 2016. Mittel- und langfristig strebt der Aufsichtsrat eine Beteiligung von mindestens einer Frau im Vorstand der Gesellschaft an. Allerdings sieht er nicht, dass dies innerhalb der kurzen vom Gesetzgeber für die Erreichung eines solchen Ziels gesetzten Maximalfrist bis zum 30. Juni 2017 erreichbar ist. Die Bestelldauer und die Laufzeit der Anstellungsverträge aller Vorstandsmitglieder laufen mit einer Ausnahme über den 30. Juni 2017 hinaus. Zur Vermeidung der Festlegung eines Ziels, dessen Erreichung der Aufsichtsrat mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln nicht für realistisch und für nicht im Unternehmensinteresse liegend sieht, hat sich der Aufsichtsrat für den Zeitraum bis zum 30. Juni 2017 auf eine Zielgröße von 0 Prozent beschränkt, die dem derzeitigen Status Quo entspricht. Dies schließt selbstverständlich nicht aus, dass der Aufsichtsrat bei einer vor diesem Zeitpunkt unerwartet eintretenden Vakanz einer Vorstandsposition bei der Neubesetzung das Ziel einer Erhöhung des Frauenanteils im Vorstand mitberücksichtigen würde.

Der Aufsichtsratsvorsitzende, Dr. Manfred Schneider, koordiniert die Arbeit des Plenums und leitet die Sitzungen. Ihm obliegt der Vollzug der Beschlüsse des Aufsichtsrats und seiner Ausschüsse; er ist ermächtigt, im Namen des Aufsichtsrats die zur Durchführung der Beschlüsse des Aufsichtsrats und seiner Ausschüsse erforderlichen Erklärungen abzugeben. Der Aufsichtsratsvorsitzende steht in engem Informations- und Gedankenaustausch mit dem Vorstand und insbesondere dem Vorsitzenden des Vorstands.

Ziele des Aufsichtsrats für seine Zusammensetzung

Der Aufsichtsrat hat in Übereinstimmung mit Ziffer 5.4.1 des Deutschen Corporate Governance Kodex nachfolgende konkrete Ziele für seine Zusammensetzung beschlossen, die unter Beachtung der unternehmensspezifischen Situation die internationale Tätigkeit des Unternehmens, potenzielle Interessenkonflikte, die Anzahl der unabhängigen Aufsichtsratsmitglieder, eine Altersgrenze für Aufsichtsratsmitglieder und eine Regelgrenze für die Zugehörigkeitsdauer zum Aufsichtsrat sowie Vielfalt (Diversity) berücksichtigen:

  • Internationale Expertise
    Im Hinblick auf die internationale Tätigkeit des Linde Konzerns mit Präsenz in mehr als 100 Ländern sollen dem Aufsichtsrat mindestens fünf Mitglieder angehören, die über eine besondere internationale Expertise verfügen.
  • Potenzielle Interessenkonflikte und Unabhängigkeit
    Mindestens 75 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder sollen in keiner unmittelbaren oder mittelbaren geschäftlichen, finanziellen oder persönlichen Beziehung zu der Gesellschaft oder deren Organen, einem kontrollierenden Aktionär oder einem mit diesem verbundenen Unternehmen stehen, die einen wesentlichen und nicht nur vorübergehenden Interessenkonflikt oder die Besorgnis der Befangenheit begründen kann; das bloße Bestehen eines Arbeitsverhältnisses von Arbeitnehmervertretern mit der Gesellschaft oder mit ihr verbundenen Unternehmen schließt die Unabhängigkeit im vorstehenden Sinne nicht aus. Aufsichtsratsmitglieder sollen keine Organfunktion oder Beratungsaufgaben bei wesentlichen Wettbewerbern des Linde Konzerns ausüben. Dem Aufsichtsrat sollen nicht mehr als zwei ehemalige Mitglieder des Vorstands angehören.
  • Altersgrenze für Aufsichtsratsmitglieder
    Aufsichtsratsmitglieder sollen nicht älter als 72 Jahre sein.
  • Regelgrenze für die Zugehörigkeit zum Aufsichtsrat
    Der Aufsichtsrat legt für die Dauer der Gremienzugehörigkeit eine Höchstdauer von längstens drei Amtszeiten fest. Von dieser Höchstgrenze soll im Regelfall nicht abgewichen werden.
  • Vielfalt (Diversity)
    Der Aufsichtsrat strebt für seine Zusammensetzung Vielfalt (Diversity) und insbesondere eine angemessene Beteiligung von Frauen an. Da es sich bei der Linde Aktiengesellschaft um eine börsennotierte, dem Mitbestimmungsgesetz unterfallende Aktiengesellschaft handelt, setzt sich der Aufsichtsrat gemäß den in § 96 Abs. 2 AktG niedergelegten Grundsätzen zu mindestens 30 Prozent aus Frauen und zu mindestens 30 Prozent aus Männern zusammen.

Die gegenwärtige Besetzung des Aufsichtsrats entspricht den vorgenannten Zielsetzungen und deckt unter anderem die Kompetenzfelder Ingenieur-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie Finanzen, Rechnungswesen und Controlling ab.

Alle derzeitigen Aufsichtsratsmitglieder verfügen aufgrund ihrer bisherigen beruflichen Tätigkeit über eine besondere internationale Expertise. Interessenkonflikte von Aufsichtsratsmitgliedern, die dem Aufsichtsrat gegenüber unverzüglich offenzulegen sind, traten im Geschäftsjahr 2015 nicht auf. Kein Aufsichtsratsmitglied nimmt gegenwärtig eine Organfunktion oder Beratungsaufgaben bei einem wesentlichen Wettbewerber wahr. Vier Aufsichtsratsmitglieder, Anke Couturier, Gernot Hahl, Hans-Dieter Katte und Frank Sonntag, sind Mitarbeiter der Gesellschaft; im Übrigen bestehen keine Berater- oder sonstigen Dienstleistungs- oder Werkverträge zwischen Aufsichtsratsmitgliedern und der Gesellschaft. Dem Aufsichtsrat gehören derzeit keine früheren Vorstandsmitglieder der Gesellschaft an. Im Geschäftsjahr 2010 hat ein Aufsichtsratsmitglied, Dr. Manfred Schneider, die Altersgrenze erreicht. Auch dieses Mitglied wurde in der ordentlichen Hauptversammlung 2013 für eine Amtszeit von fünf Jahren wiedergewählt. Der Aufsichtsrat hatte anlässlich der Wahl 2013 die nach der Geschäftsordnung geltende Altersgrenze bei den Überlegungen zu den Wahlvorschlägen berücksichtigt, sich aber aus besonderen Gründen dafür entschieden, auch Kandidaten vorzuschlagen, die bereits ihr 72. Lebensjahr vollendet haben oder während der Amtszeit vollenden werden. Dem ist die Hauptversammlung gefolgt. Dr. Manfred Schneider wird mit Wirkung zum 20. Mai 2016 auf eigenen Wunsch aus dem Aufsichtsrat ausscheiden. Dem Aufsichtsrat gehören derzeit drei Mitglieder in der Altersgruppe über 40 Jahre, fünf Mitglieder in der Altersgruppe über 50 Jahre, drei Mitglieder in der Altersgruppe über 60 Jahre und ein Mitglied in der Altersgruppe über 70 Jahre an. Die „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ legte am 5. Mai 2015 eine neue Kodexfassung vor, die am 12. Juni 2015 veröffentlicht wurde, wonach bei der Zusammensetzung des Aufsichtsrats nunmehr zusätzlich eine festzulegende Regelgrenze für die Zugehörigkeitsdauer zum Aufsichtsrat berücksichtigt werden soll. Der Aufsichtsrat hat danach eine Regelgrenze für die Zugehörigkeitsdauer zum Aufsichtsrat festgelegt. Zwei 2013 von den Arbeitnehmern gewählte Aufsichtsratsmitglieder, Gernot Hahl und Hans-Dieter Katte, gehören dem Aufsichtsrat seit 1998 an. Im Rahmen der Amtsniederlegung des Aufsichtsratsmitglieds der Anteilseigner, Klaus-Peter Müller, zum 31. Dezember 2015 konnte der Frauenanteil im Aufsichtsrat auf 25 Prozent erhöht werden. Dem Aufsichtsrat gehören mit Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner, Anke Couturier und der gerichtlich bestellten Dr. Victoria Ossadnik nunmehr drei Frauen an. Der ordentlichen Hauptversammlung am 3. Mai 2016 sollen Dr. Victoria Ossadnik und Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle zur Wahl in den Aufsichtsrat vorgeschlagen werden. Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle war bis zum 20. Mai 2014 Mitglied und Vorsitzender des Vorstands der Gesellschaft. Er soll nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Abkühlphase von zwei Jahren auf Dr. Manfred Schneider folgen. Bei der Wahl der vorgeschlagenen Kandidaten würde allen Vorgaben und Zielen zur Zusammensetzung des Aufsichtsrats nach Gesetz, Deutschem Corporate Governance Kodex und der Geschäftsordnung und den Beschlüssen des Aufsichtsrats Rechnung getragen. Dies gilt insbesondere auch für die Ziele und Vorgaben zur Diversity und insbesondere der Beteiligung von Frauen im Aufsichtsrat. Der Gesamterfüllung hinsichtlich der Geschlechterverteilung im Aufsichtsrat der Gesellschaft ist widersprochen worden; das Mindestanteilsgebot der Geschlechterquote nach § 96 Abs. 2 Satz 1 AktG wäre erfüllt. Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle wäre das einzige frühere Vorstandsmitglied im Aufsichtsrat der Gesellschaft. Der Aufsichtsrat hat sich bei den Kandidaten vergewissert, dass sie den für das Aufsichtsratsamt zu erwartenden Zeitaufwand aufbringen können. Auch bei einer Wahl der beiden Kandidaten durch die Hauptversammlung am 3. Mai 2016 werden die vom Aufsichtsrat formulierten Ziele für seine Zusammensetzung einschließlich der Ziele für die internationale Expertise und die Unabhängigkeit erfüllt.

In seiner Geschäftsordnung hat der Aufsichtsrat unter anderem Regelungen zur Unabhängigkeit seiner Mitglieder verankert. Kein Mitglied des Aufsichtsrats steht in einer persönlichen oder geschäftlichen Beziehung zu der Gesellschaft oder ihren Organen, die einen Interessenkonflikt begründen könnte. Ein Mitglied des Aufsichtsrats, Dr. Victoria Ossadnik, ist derzeit Mitglied der Geschäftsleitung einer Gesellschaft, mit der Linde Geschäftsbeziehungen unterhält. Geschäfte mit dieser Gesellschaft erfolgen zu Bedingungen wie unter fremden Dritten. Die Unabhängigkeit von Dr. Victoria Ossadnik wird durch diese Geschäfte nicht berührt. Die Linde AG hat keinen kontrollierenden Aktionär, dessen Beziehungen zu einem Aufsichtsratsmitglied dessen Unabhängigkeit gefährden könnten. Dem Aufsichtsrat gehören somit ausschließlich Personen an, die über eine hinreichende Unabhängigkeit verfügen.

Angaben zu den Mitgliedern des Aufsichtsrats sowie zu deren Mitgliedschaften in gesetzlich zu bildenden Aufsichtsräten bzw. vergleichbaren in- und ausländischen Kontrollgremien von Wirtschaftsunternehmen finden Sie im Anhang zum Konzernabschluss. Siehe Ziffer [37]. Lebensläufe der Aufsichtsratsmitglieder sind auf der Website der Gesellschaft verfügbar.

Ausschüsse des Aufsichtsrats

Der Aufsichtsrat hat aus seiner Mitte vier Ausschüsse gebildet. Die Ausschüsse bereiten die Arbeit des Aufsichtsratsplenums vor. Soweit gesetzlich zulässig und in der Geschäftsordnung des Aufsichtsrats vorgesehen, wurden in Einzelfällen Entscheidungsbefugnisse des Aufsichtsrats auf Ausschüsse übertragen. Der Aufsichtsratsvorsitzende führt mit Ausnahme des Prüfungsausschusses in allen Ausschüssen den Vorsitz. Über die Arbeit der Ausschüsse berichten die jeweiligen Ausschussvorsitzenden dem Aufsichtsratsplenum spätestens in der nächsten Aufsichtsratssitzung, die auf die Ausschusssitzung folgt.

Der Ständige Ausschuss, der aus drei Vertretern der Anteilseigner und zwei Vertretern der Arbeitnehmer besteht, unterbreitet dem Aufsichtsrat insbesondere Vorschläge für die Bestellung und Abberufung von Vorstandsmitgliedern sowie für die Beschlussfassung über das Vergütungssystem für den Vorstand einschließlich der Bedingungen der Anstellungs-, Pensions- und sonstigen vergütungsrelevanten Verträge mit Vorstandsmitgliedern und die Gesamtvergütung der einzelnen Vorstandsmitglieder. Zudem obliegen dem Ständigen Ausschuss insbesondere die Zustimmung zu Geschäften mit den Vorstandsmitgliedern und ihnen nahe stehenden Personen oder Unternehmen sowie die Einwilligung in anderweitige Tätigkeiten der Vorstandsmitglieder, insbesondere zur Wahrnehmung von Aufsichtsratsmandaten und Mandaten in vergleichbaren Kontrollgremien von Wirtschaftsunternehmen außerhalb des Konzerns. Außerdem berät er über die langfristige Nachfolgeplanung für den Vorstand und überprüft regelmäßig die Effizienz der Tätigkeit des Aufsichtsrats. Nach Vorbereitung durch den Ständigen Ausschuss erörtert das Plenum die Ergebnisse der Effizienzprüfung, identifiziert Verbesserungsmöglichkeiten und legt hierzu geeignete Maßnahmen fest.

Der Prüfungsausschuss umfasst ebenfalls drei Vertreter der Anteilseigner und zwei Vertreter der Arbeitnehmer. Er bereitet die Entscheidungen des Aufsichtsrats über die Feststellung des Jahresabschlusses und die Billigung des Konzernabschlusses unter Berücksichtigung der Berichte des Abschlussprüfers vor und trifft die Vereinbarungen mit dem Abschlussprüfer. Er unterstützt den Aufsichtsrat bei der Wahrnehmung seiner Überwachungsfunktion und überwacht in diesem Zusammenhang insbesondere den Rechnungslegungsprozess und die Wirksamkeit des Internen Kontrollsystems, des Risikomanagementsystems und des internen Revisionssystems sowie der Abschlussprüfung. Er befasst sich darüber hinaus mit Fragen der Compliance. Außerdem erörtert der Vorstand mit dem Prüfungsausschuss Zwischen- und Halbjahresfinanzberichte vor deren Veröffentlichung. Ferner gibt der Prüfungsausschuss dem Plenum eine Empfehlung bezüglich des Vorschlags zur Wahl des Abschlussprüfers der Gesellschaft. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Dr. Clemens Börsig, ist unabhängiger Finanzexperte und verfügt – ebenso wie Prof. Dr. Dr. Ann-Kristin Achleitner und Dr. Manfred Schneider – über besondere Kenntnisse und langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet der Rechnungslegung und in der Anwendung von Rechnungslegungsgrundsätzen und Internen Kontrollsystemen.

Dem Nominierungsausschuss gehören der Aufsichtsratsvorsitzende, der weitere stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und ein weiterer Vertreter der Anteilseigner an. Er gibt dem Aufsichtsrat Empfehlungen für die Vorschläge zur Wahl der Anteilseignervertreter durch die Hauptversammlung.

Der nach den Vorschriften des Mitbestimmungsgesetzes gebildete Vermittlungsausschuss, dem der Aufsichtsratsvorsitzende, sein von den Aufsichtsratsmitgliedern der Arbeitnehmer gewählter Stellvertreter sowie je ein Vertreter der Anteilseigner und der Arbeitnehmer angehören, unterbreitet dem Aufsichtsrat Vorschläge zur Bestellung von Vorstandsmitgliedern, wenn im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen der Aufsichtsratsmitglieder nicht erreicht wird.

Der Aufsichtsrat und seine Ausschüsse fassen Beschlüsse grundsätzlich in regelmäßig stattfindenden Sitzungen.

Die Namen der im Zeitpunkt der Aufstellung des Jahresabschlusses amtierenden Aufsichtsrats- und Ausschussmitglieder finden Sie im Kapitel Aufsichtsrat oder jeweils aktuell im Internet unter www.linde.com/aufsichtsrat. Details zur Tätigkeit des Aufsichtsrats und seiner Ausschüsse sowie zur Zusammenarbeit mit dem Vorstand im Geschäftsjahr 2015 können Sie im Bericht des Aufsichtsrats nachlesen.