Integriertes Geschäftsmodell

On-site

Das On-site-Geschäft, die Vor-Ort-Versorgung von Großkunden aus Gaseproduktionsanlagen, bildet das Kernstück des integrierten Geschäftsmodells von Linde. Das Unternehmen verfügt nicht nur über die erforderliche Engineering-Expertise, um eine Anlage kosteneffizient und auf die individuellen Kundenanforderungen abgestimmt zu errichten. Linde besitzt darüber hinaus alle Kompetenzen, um die entsprechende Anlage langfristig verlässlich zu betreiben. Dazu zählt auch die präzise Steuerung der Produktion.

Der Produktbereich On-site ist ein Wachstumsmarkt, weil die Kunden aus der Chemie-, Stahl- oder Mineralölindustrie ihre Gaseversorgung zunehmend outsourcen.

Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist ein Projekt in Finnland: Im Auftrag von Neste Oil baut Linde am Standort Porvoo eine neue Wasserstoffanlage für die dortige Raffinerie. Linde verknüpft dabei die Wasserstoff-Technologieführerschaft seiner Engineering Division mit der Erfahrung der Gases Division als Anlagenbetreiber.

Perfektes Zusammenspiel

Je nach geografischer Lage und spezifischen Standortbedingungen sind On-site-Projekte mit besonderen Herausforderungen für die beteiligten Unternehmen verknüpft. Wer – wie Linde – den Bau und den Betrieb einer Anlage aus einer Hand bieten kann und darüber hinaus über einschlägige Vor-Ort-Erfahrung verfügt, hat deutliche Wettbewerbsvorteile.

Jukka Keyrilainen, Development Manager von Neste Oil (rechts), und Jan Heinrich, Business Development Manager im Bereich On-site bei Linde (links), in Porvoo (Finnland). (Foto)

Jukka Keyrilainen, Development Manager von Neste Oil (rechts), und Jan Heinrich, Business Development Manager im Bereich On-site bei Linde (links), in Porvoo (Finnland).

Die neue Wasserstoffanlage basiert auf einem besonders energieeffizienten Konzept, das die CO2-Emissionen nochmals deutlich reduziert. (Foto)

Die neue Wasserstoffanlage basiert auf einem besonders energieeffizienten Konzept, das die CO2-Emissionen nochmals deutlich reduziert.

„Wir haben unsere umfassenden Erfahrungen beim Betrieb von Wasserstoffanlagen in das Design der Anlage in Porvoo einfließen lassen.“

Jan Heinrich, Business Development Manager im Bereich On-site bei Linde

Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der neuen Wasserstoffanlage, die Linde am Raffineriestandort Porvoo (Finnland) im Auftrag von Neste Oil errichtet, waren von Anfang an hoch. „Erdgas, der Ausgangsstoff für die Erzeugung von Wasserstoff, ist in dieser Region relativ teuer“, erklärt Jan Heinrich, Business Development Manager im Bereich On-site bei Linde. „Deshalb mussten wir ein besonders energieeffizientes Anlagenkonzept entwickeln, um wettbewerbsfähige Produktionskosten gewährleisten zu können.“ Die Linde Ingenieure lösten die Aufgabe, indem sie das Verfahren der Wärmerückgewinnung weiter optimiert haben. „Durch die integrierte Nutzung der Prozesswärme konnten wir die Wärmerückgewinnung hier so weit maximieren wie in keiner anderen Anlage bisher“, sagt Heinrich. Positiver Nebeneffekt für die Umwelt: Die neue Anlage verursacht deutlich geringere CO2-Emissionen als herkömmliche Wasserstoffanlagen.

Das On-site-Projekt in Porvoo ist auch ein Paradebeispiel für die Bedeutung einer engen Abstimmung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. „Da die Anlage innerhalb des Raffineriegeländes gebaut und betrieben wird, hat Sicherheit höchste Priorität“, erläutert Linde Manager Heinrich. „Um diese zu gewährleisten, müssen alle Schnittstellen reibungslos funktionieren. In der Zusammenarbeit mit Neste Oil ist dies ausnahmslos der Fall.“ Im Rahmen der Kooperation kann Linde auch auf die Einrichtungen am Standort zurückgreifen, wie beispielsweise die Werksfeuerwehr oder den Sicherheitsdienst. Zudem bezieht Linde Betriebsstoffe wie Strom, Wasser, Stickstoff und Kühlwasser von der Raffinerie.

Darüber hinaus profitiert das Unternehmen in Porvoo auch von eigenen Synergien: Linde betreibt nur zwei Kilometer entfernt bereits eine Luftzerlegungsanlage und am Standort selbst eine CO2-Anlage. Linde kann also zur Steuerung der neuen Wasserstoffanlage auf die fachliche Expertise der bestehenden Betriebsteams bauen und den Kontrollraum vor Ort nutzen.

Dass Porvoo für Linde kein Neuland ist, bietet viele Vorteile. So sind die Experten des Unternehmens etwa mit den klimatischen Bedingungen an der Südküste Finnlands bestens vertraut. „Wir haben die neue Anlage so ausgerichtet, dass sie auch bei Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius zuverlässig produzieren kann“, sagt Jan Heinrich. Linde kommt damit einer weiteren wichtigen Kundenanforderung nach: der Verfügbarkeit der Anlage. „Langfristig verlässlich und stets mit der richtigen Menge an Wasserstoff versorgt zu werden, ist essentiell für die Raffinerie.“ Neste Oil nutzt den Wasserstoff vor allem zur Entschwefelung von Kraftstoffen.

Die neue Anlage in Porvoo ist in jeder Hinsicht ein Gemeinschaftsprojekt der Gases Division und der Engineering Division von Linde. Während der Engineering-Bereich für die schlüsselfertige Errichtung zuständig ist, wird die skandinavische Gasegesellschaft des Unternehmens den Betrieb übernehmen. Die Rohrleitungsverbindung zur Raffinerie wird durch Neste Oil gebaut.

Die enge Zusammenarbeit und der gemeinsame Kundenauftritt der beiden großen Unternehmensbereiche von Linde ist ein Schlüssel zum Erfolg. „Wir haben die Erfahrungen, die wir im Gasegeschäft beim Betrieb von Wasserstoffanlagen über Jahrzehnte weltweit gesammelt haben, in das Design der Anlage in Porvoo einfließen lassen“, erklärt Heinrich.

Diese Kompetenzen überzeugen auch Kunden wie Neste Oil. „Die Kooperation mit Linde erhöht die Effizienz unserer Wasserstoffproduktion erheblich“, sagt Matti Lievonen, der Vorstandsvorsitzende des finnischen Mineralöl- und Vertriebsunternehmens. „Mit der neuen Anlage werden wir sowohl unsere Wasserstoffkapazität als auch die Zuverlässigkeit und Flexibilität der Raffinerie steigern. Gleichzeitig können wir uns stärker auf unser Kerngeschäft und das Ziel einer sauberen Mobilität konzentrieren.“ Dieses Ziel ist den beiden Partnern viel wert: Die beiderseitigen Investitionen in das neue On-site-Projekt belaufen sich auf insgesamt rund 100 Mio. EUR.

Mit der neuen Anlage steigert Neste Oil die Wasserstoffkapazität am Raffineriestandort Porvoo deutlich. (Foto)

Mit der neuen Anlage steigert Neste Oil die Wasserstoffkapazität am Raffineriestandort Porvoo deutlich.

Der Erfolg des On-site-Projekts in Porvoo beruht insbesondere auf der engen Abstimmung zwischen Neste Oil und Linde. (Foto)

Der Erfolg des On-site-Projekts in Porvoo beruht insbesondere auf der engen Abstimmung zwischen Neste Oil und Linde.

Jukka Keyrilainen und Jan Heinrich begutachten das komplexe Rohrleitungssystem auf dem weitläufigen Gelände der Raffinerie. (Foto)

Jukka Keyrilainen und Jan Heinrich begutachten das komplexe Rohrleitungssystem auf dem weitläufigen Gelände der Raffinerie.

Weitere On-site-Projekte

Neben der Wasserstoffanlage in Porvoo hat Linde im Geschäftsjahr 2014 weitere On-site-Projekte für sich entscheiden können.

Im Februar hatte Linde mit Nynas AB, einem der Weltmarktführer für naphthenische Spezialöle (NSPs) und Bitumen, einen langfristigen Vertrag zur On-site-Versorgung mit Wasserstoff am Nynas-Raffineriestandort Hamburg unterzeichnet. Zu diesem Zweck wird die Engineering Division des Linde Konzerns eine neue Dampfreformeranlage errichten; die damit verbundenen Investitionen der Gases Division belaufen sich auf rund 30 Mio. EUR.

Im dritten Quartal schloss Linde mit dem Stahlkonzern ArcelorMittal einen langfristigen Vertrag zur Sauerstoff- und Stickstoffversorgung des ArcelorMittal-Werks am Standort Eisenhüttenstadt (Deutschland). Die Vereinbarung umfasst neben der Verlängerung eines bestehenden Versorgungsvertrages auch den Bau einer neuen Luftzerlegungsanlage. Das Investitionsvolumen beträgt rund 85 Mio. EUR. Die Engineering Division von Linde verantwortet die Errichtung der Anlage, die auch Flüssigprodukte für den regionalen Markt bereitstellen wird. Mit diesem Projekt stärkt Linde seine Marktposition im Bereich der Sauerstoffversorgung für den Stahlsektor weiter.

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On-Site-Anlagen,
die im Jahr 2014 fertiggestellt
und in Betrieb
genommen wurden.

Singapur (Grafik)

Wasserstoff- und Synthesegasanlage

Singapur

China (Grafik)

Wasserstoffanlage

Jilin (China)

Wasserstoff- und Synthesegasanlage

Caojing (China)

Luftzerlegungsanlage

Suzhou (China)

Rumänien (Grafik)

Synthesegasanlage

Ploiesti (Rumänien)

Russland (Grafik)

Luftzerlegungsanlage

Kaluga (Russland)

Luftzerlegungsanlage

Dscherschinsk (Russland)

Kasachstan (Grafik)

Luftzerlegungsanlage

Temirtau (Kasachstan)

Ecuador (Grafik)

Luftzerlegungs- und Druckadsorptionsanlage

Guayaquil (Ecuador)

Norwegen (Grafik)

Luftzerlegungsanlage

Mo i Rana (Norwegen)

Neuseeland (Grafik)

Luftzerlegungsanlage

Glenbrook (Neuseeland)

England (Grafik)

Luftzerlegungsanlage

Teesside (England)

Indien (Grafik)

Luftzerlegungsanlage

Rourkela (Indien)