Neue Energie

Shale gas

Im Energiemarkt ist die Bedeutung von Erdgas in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, insbesondere durch die Erschließung der Vorkommen aus Schiefergestein (Shale Gas). Mit seinem integrierten Geschäftsmodell partizipiert Linde an dieser Entwicklung in mehrfacher Weise. Das Unternehmen bedient die Nachfrage nach Anlagen, die das Shale Gas reinigen und aufbereiten. Zudem führt das vor allem in den USA günstig verfügbare Erdgas zum Aufbau oder zur Erweiterung von Chemie-Clustern. Diese Cluster wiederum haben einen hohen Bedarf an Sauerstoff und anderen Industriegasen. Ein Beispiel hierfür ist der Petrochemiestandort La Porte (Texas), an dem Linde die Gaseversorgung weiter ausbaut: Das Unternehmen errichtet dazu eine große Luftzerlegungsanlage und installiert einen neuen Vergaser-Strang für den bestehenden Synthesegas-Komplex.

Unabhängig von diesem Projekt kann sich der in den vergangenen Monaten deutlich gefallene Ölpreis vorübergehend bremsend auf Investitionen in Großvorhaben der petrochemischen und erdgasverarbeitenden Industrie auswirken.

Canale Grande

Der Houston Ship Channel ist nicht nur ein gewaltiger Warenumschlagplatz. Der Zufahrtskanal zum Hafen von Houston hat sich auch längst zu einem der weltweit bedeutendsten Komplexe für die petrochemische Industrie entwickelt. Linde unterstützt den weiteren Ausbau des Standorts mit seiner Engineering-Expertise und Investitionen in die Gaseversorgung.

Der Houston Ship Channel ist nicht nur ein gewaltiger Warenumschlagplatz. Der Zufahrtskanal zum Hafen von Houston hat sich auch längst zu einem der weltweit bedeutendsten Komplexe für die petrochemische Industrie entwickelt. Linde unterstützt den weiteren Ausbau des Standorts mit seiner Engineering-Expertise und Investitionen in die Gaseversorgung. (Foto)

Petrochemische Industrie La Porte (USA)

Linde ist der größte Synthesegas-Anbieter in der Region Houston (Texas, USA). Das Unternehmen vertraut dabei auf seine führende Verfahrenstechnik. (Foto)

Linde ist der größte Synthesegas-Anbieter in der Region Houston (Texas, USA). Das Unternehmen vertraut dabei auf seine führende Verfahrenstechnik.

Wer wissen will, welchen Schub die günstig verfügbare Energie der Wirtschaft in Nordamerika verleiht, sollte an den Houston Ship Channel reisen. Der über 80 Kilometer lange Zufahrtskanal zum Hafen von Houston (Texas, USA) verbindet den Golf von Mexiko mit den Lagerplätzen im Südwesten der US-amerikanischen Millionenstadt.

Das Hafengebiet erstreckt sich auf mehr als 40 Kilometern Länge und ist der größte Umschlagplatz für Importgüter in den USA. Jahr für Jahr werden hier mehr als 200 Millionen Tonnen Waren von tausenden Fracht- und Containerschiffen angelandet. Dies macht Houston zu einem Zentrum des internationalen Handels.

Am Houston Ship Channel befindet sich auch der landesweit größte Petrochemiekomplex – es ist einer der bedeutendsten der Welt. Zahlreiche international tätige Chemieunternehmen betreiben hier große Produktionsstandorte, beispielsweise in La Porte, Baytown oder Deer Park.

Linde ist seit Jahrzehnten in La Porte vertreten und hat seine dortigen Anlagen stetig modernisiert und der wachsenden Nachfrage entsprechend erweitert. Jüngster Schritt in dieser Entwicklung ist der Bau einer neuen großen Luftzerlegungsanlage sowie eines neuen Vergaserstrangs. Zusätzlich wird das Unternehmen begleitende Ausrüstungen und Infrastruktureinrichtungen bereitstellen. Insgesamt investiert Linde rund 250 Mio. USD in den Ausbau des Standorts La Porte. Die Inbetriebnahme der neuen Anlagen soll im Jahr 2015 erfolgen.

„Linde ist der größte Synthesegas-Anbieter in dieser Region“, erklärt Tom Blades, Mitglied des Vorstands der Linde AG und verantwortlich für das Amerika-Geschäft des Unternehmens. „Mit diesem Erweiterungsprojekt können wir unsere Kunden an dem wichtigen Petrochemiestandort La Porte künftig noch besser versorgen. Dieser Industriezweig ist insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Erschließung unkonventioneller Erdgasreserven in den USA wieder ein echter Wachstumsmarkt.“

Die neue Luftzerlegungsanlage wird die größte von Linde in den USA betriebene ihrer Art sein. Darüber hinaus entsteht mit der neuen Vergasereinheit der weltweit größte erdgasbasierte Komplex zur Erzeugung und Weiterverarbeitung von Synthesegas. Linde wird damit im Raum Houston über einen vollintegrierten Standort zur Produktion von Luftgasen und Syngas-Produkten verfügen.

Die von der neuen Luftzerlegungsanlage erzeugten Luftgase Sauerstoff und Stickstoff werden für die Vergasungsprozesse in den Syngas-Einheiten benötigt. Darin wird Erdgas in Synthesegas – das vor allem Kohlenmonoxid, Wasserstoff und Kohlendioxid enthält – umgewandelt. Daraus können dann beispielsweise Methanol, nachgelagerte Chemieprodukte sowie Treibstoffe gewonnen werden. So versorgt Linde unter anderem einen Großkunden per Rohrleitung mit Syngas-Produkten. Neben der neuen Anlage betreibt Linde in La Porte drei weitere Einrichtungen zur Synthesegas-Erzeugung, die alle mit der führenden Syngas-Verfahrenstechnik aus eigener Entwicklung arbeiten.

Die Ingenieurinnen Chelsey Cabb (links) und Robin Callaghan (rechts) überwachen den Baufortschritt der neuen Infrastruktureinrichtungen auf dem Betriebsgelände von Linde. (Foto)

Die Ingenieurinnen Chelsey Cabb (links) und Robin Callaghan (rechts) überwachen den Baufortschritt der neuen Infrastruktureinrichtungen auf dem Betriebsgelände von Linde.

Linde investiert am Standort La Porte (Texas, USA), rund 250 Mio. USD in den Ausbau seiner Kapazitäten für Luftgase und Synthesegas-Produkte. (Foto)

Linde investiert am Standort La Porte (Texas, USA), rund 250 Mio. USD in den Ausbau seiner Kapazitäten für Luftgase und Synthesegas-Produkte.

„Made in America, again“

Mitte 2008

13 $

kostet eine Million BTU amerikanisches Erdgas

USA (Grafik)

Anfang 2014

4 $

kostet eine Million BTU amerikanisches Erdgas

Der Titel des aktuellen World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur ist Programm. Der Report zeigt, wie sehr die US-Industrieunternehmen von den im Zuge des Schiefergas-Booms extrem gefallenen Energiepreisen profitieren: Mitte 2008 kostete eine Million BTU (British Thermal Unit) amerikanisches Erdgas – dies entspricht gut 26 Kubikmetern – noch 13 USD. Anfang 2014 waren es gerade mal 4 USD Zum Vergleich: In Europa beträgt der Erdgaspreis etwa dreimal so viel.

Die niedrigen Energiepreise fördern die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in den USA – dies gilt auch für deutsche Firmen. So haben sich etwa die Anlageninvestitionen der deutschen Chemieindustrie in den USA innerhalb von drei Jahren auf mehr als 3 Mrd. EUR verdoppelt.

Der Trend zu einer erhöhten Investitionsbereitschaft dürfte die gesamte US-Wirtschaft weiter beleben: So erwartet die Unternehmensberatung McKinsey, dass bis zum Jahr 2020 rund 1,7 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen, die direkt mit der Öl- und Gasbranche zusammenhängen. Längst wirkt sich die Erschließung von Erdgas und Erdöl aus Schiefergestein auch auf das produzierende Gewerbe aus und beschert den USA einen großen Anstieg der Beschäftigtenzahlen: Zwischen 2010 und 2013 wurden insgesamt über eine halbe Million neue Arbeitsplätze geschaffen – so viel wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Shale Gas

Shale Gas (Tortendiagramm)

Seit 2010, als die Erschließung von Erdgas aus Schiefergestein (Shale Gas) begann, hat Linde allein aus Nordamerika Aufträge in einem Volumen von rund 3 Mrd. USD für die Errichtung von Anlagen zur Aufbereitung, Reinigung oder Weiterverarbeitung von Shale Gas erhalten.