Forschung und Entwicklung

Linde Konzern

Für ein weltweit tätiges Technologieunternehmen wie Linde sind stetige und zielgerichtete Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten eine wichtige Voraussetzung für den nachhaltigen Geschäftserfolg.

Insgesamt hat Linde im vergangenen Geschäftsjahr 92 Mio. EUR für Forschung und Entwicklung aufgewendet (Vj. 101 Mio. EUR). Die im Berichtsjahr aktivierten Entwicklungskosten betragen insgesamt 11 Mio. EUR (Vj. 17 Mio. EUR). Weitere Informationen hierzu finden sich im Anhang zum Konzernabschluss unter Ziffer [14]. Zum Stichtag 31. Dezember 2013 waren in diesem Bereich insgesamt 367 Mitarbeiter beschäftigt (Vj. 385), 241 davon in der Gases Division und 126 in der Engineering Division. Um seine Innovationen gegenüber dem Wettbewerb abzusichern, hat Linde im abgelaufenen Geschäftsjahr konzernweit 263 Erfindungen erstmals zum Patent angemeldet. Am 31. Dezember 2013 waren Technologien von Linde durch insgesamt 2.605 Patente geschützt.

Auf Basis der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung entwickelt Linde kontinuierlich neue Anwendungsgebiete für seine Gase und ist beständig bestrebt, Verfahren und Anlagentechnologien noch weiter zu verbessern. Diese Anwendungsentwicklung erfolgt stets im Umfeld von Aufträgen und damit in sehr enger Abstimmung mit den Kunden und deren individuellen Anforderungen. Ein besonderes Augenmerk legt das Unternehmen auf die Umweltverträglichkeit der jeweiligen Produktionsprozesse. Siehe Annual Kapitel Innovationskraft.

Als Technologieführer auf diesem Gebiet hat Linde die Kompetenz seiner Ingenieure gebündelt und die Aktivitäten in einer zentralen Clean Energy Group zusammengeführt. Dieses geschäftsübergreifend tätige Team arbeitet an der Entwicklung innovativer Produkte und Prozesse, die dazu beitragen, erneuerbare Energien wirtschaftlich nutzbar zu machen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen zu senken und klimaschädigende Emissionen zu reduzieren.

Dabei verknüpft Linde die Kompetenzen seiner Gases Division mit denen der Engineering Division und bindet zudem führende Institutionen und Unternehmen in Kooperationen mit ein. Linde konzentriert sich in diesem Bereich insbesondere auf die zukunftsträchtigen Felder Carbon Capture & Storage bzw. Usage (CCS/CCU), die Enhanced Oil and Gas Recovery (EOR/EGR) sowie die Erzeugung, die Lagerung, den Vertrieb und die Betankung von verflüssigtem Erdgas (Merchant Liquefied Natural Gas = MLNG). Weitere Schwerpunkte sind der Einsatz von Wasserstoff als Kraftstoff, die großtechnische Speicherung von Energie sowie die Konvertierung von Biomasse zu Energieträgern oder zu Grundstoffen für die Chemieindustrie.

Im Berichtsjahr konnte Linde seine Vorreiterrolle bei der umweltfreundlichen Wasserstofftechnologie erneut unter Beweis stellen. Gemeinsam mit fünf Partnern aus der Energie- und Automobilindustrie unterzeichnete das Unternehmen im September 2013 einen Aktionsplan für den Aufbau von ca. 400 Wasserstofftankstellen in Deutschland bis zum Jahr 2023.

Darüber hinaus hat Linde im vergangenen Jahr einen 500-bar-Druckgas-Wasserstofftrailer entwickelt, der bereits im öffentlichen Straßenverkehr eingesetzt wird. Diese Innovation ermöglicht es, den Transport größerer Mengen von Wasserstoff deutlich effizienter zu gestalten.

Im Berichtszeitraum hat Linde die sogenannte Carbo-V®Technologie so weit verbessert, dass dieses Verfahren gemeinsam mit einem Partner den Demonstrationsbetrieb aufnehmen kann. Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine Route zur Produktion von Synthesegasen bzw. auch grünem Wasserstoff durch die thermochemische Umsetzung von festen Biomassen und biogenen Reststoffen. Dabei werden Holz und holzartige Biomassen, die bereits heute ressourcenschonend gewonnen werden und nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen, zu Biokraftstoffen, wie etwa Biodiesel, verarbeitet.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt arbeiten Linde, BASF und weitere Partner derzeit an einem neuen Produktionsverfahren für alternative Kraftstoffe. Ziel des Projekts, das durch das deutsche Bundesforschungsministerium unterstützt wird, ist es, aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff das Flüssiggas Dimethylether (DME) herzustellen. DME gilt als umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Dieselkraftstoff und kann auch in der Petrochemie genutzt werden.

Die stetig steigende Stromerzeugung durch regenerative Energien erfordert neue Lösungen für deren großtechnische Speicherung. Linde ist in diesem Bereich an vielen Projekten beteiligt, beispielsweise im Energiepark Mainz (Deutschland). Hier erprobt das Unternehmen zusammen mit Partnern aus der Energieindustrie und verschiedenen Forschungseinrichtungen die Erzeugung, Speicherung, Nutzung sowie die Erdgasnetzeinspeisung von Wasserstoff aus erneuerbarem Strom. Siehe Annual Kapitel Energie und Umwelt.

Eine weitere Technologieoption ist die Energiespeicherung mit flüssiger Luft. Linde entwickelt in diesem Bereich gemeinsam mit Partnern aus der Kraftwerks- und Energiebranche flexible Stromspeichersysteme, die sich zügig realisieren lassen.

Auf dem Feld der thermischen Energiespeicher arbeitet Linde mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einem vom deutschen Bundesumweltministerium geförderten Projekt an einem kombinierten, sogenannten latent-sensiblen Hochtemperaturwärmespeicher auf Salzbasis. Diese Art von Wärmespeichern ist sowohl für solarthermische als auch für konventionelle Kraftwerke geeignet und kann auch in Industrieprozesse integriert werden. Diese Innovation trägt dazu bei, die steigenden Anforderungen bezüglich Anlagenflexibilität und Energieeffizienz zu erfüllen.

Gases Division

In der Gases Division hat Linde im Berichtsjahr 68 Mio. EUR (Vj. 74 Mio. EUR) in den Bereich Forschung und Entwicklung investiert und seine Aktivitäten dabei auf sechs strategisch besonders wichtige Felder ausgerichtet: Umweltschonende Verfahren, effiziente Industrieprozesse und saubere Energiegewinnung, gesunde Ernährung, Convenient Food, geografische und demografische Verlagerung sowie Hochleistungswerkstoffe.

Auf dieser Grundlage hat das Unternehmen das Projektportfolio in vier F & E-Bereiche zusammengefasst: Chemie & Energie, Metall & Glas, Nahrungsmittel- & Getränkeindustrie, verarbeitende Industrie. In allen Bereichen berücksichtigt Linde verstärkt die Umweltverträglichkeit der Materialien sowie Gesundheits- und Sicherheitsaspekte in der Produktion.

Die Förderung von Forschung und Entwicklung hat auch für das Healthcare-Geschäft (medizinische Gase, medizinische Geräte und gasebasierte Therapien zur Behandlung von Atemwegserkrankungen) einen unverändert hohen Stellenwert. Mit kontinuierlichen Verbesserungen bei bereits lizenzierten Produkten sowie neuen Angeboten und Dienstleistungen erschließt Linde neue Märkte in diesem zukunftsträchtigen Bereich. Dabei unterstützt das Unternehmen vor allem solche Forschungsarbeiten, die sich auf medizinische Anwendungen von Gasen sowie auf die Entwicklung medizinischer Geräte und Services zur Behandlung von Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen konzentrieren.

Engineering Division

In der Engineering Division hat Linde im Berichtszeitraum 2013 insgesamt 24 Mio. EUR für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aufgewendet (Vj. 27 Mio. EUR). Die Mittel wurden – wie in den Vorjahren – hauptsächlich für die Weiter- und Neuentwicklung von Technologien in den Produktlinien Erdgas-, Luftzerlegungs-, Olefin- sowie Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen eingesetzt. Dabei ist es stets das Ziel, die Energieeffizienz und die Umweltverträglichkeit der Anlagen noch weiter zu erhöhen.

Im Produktbereich Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen etwa steht insbesondere die Entwicklung von Kleinreformern, wie HYDROPRIME®, zur dezentralen Erzeugung von Wasserstoff im Blickpunkt.

Im Berichtsjahr konnte Linde eine neue Anlagentechnologie zur Erzeugung kleiner Mengen von Wasserstoff in den Pilotstatus überführen. Bei dem Verfahren werden im Reformer Palladium-Membranen eingesetzt, die dazu beitragen, die Energie- und Kosteneffizienz derartiger Anlagen deutlich zu verbessern.

Gemeinsam mit den Industriepartnern BASF und ThyssenKrupp sowie Forschern entwickelt Linde einen Prozess zur thermischen Methanspaltung. Dabei werden im ersten Schritt mit einer neuartigen Hochtemperaturtechnologie aus Erdgas Wasserstoff und Kohlenstoff erzeugt. Auf diese Weise entsteht ein im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren deutlich geringerer CO2-Ausstoß. Anschließend werden große Mengen CO2 – das auch aus anderen industriellen Prozessen stammt – genutzt, um den Wasserstoff zu Synthesegas umzusetzen. Das Projekt wird durch das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Im Produktbereich Erdgas-Anlagen hat Linde im Berichtsjahr seine CRYOPLUS®-Technologie zur Separierung von Erdgas aus Schiefergestein verfeinert und neuartige Lösungen für die Verflüssigung, die Lagerung und die Rückvergasung von Erdgas entwickelt.

Zudem hat Linde im Berichtsjahr seine Cracker-Technologie verbessert, um die Ausbeute von C4-Produkten (Kohlenwasserstoffverbindungen mit vier C-Atomen) bei der Spaltung von Naphtha deutlich zu erhöhen. Die im Zuge der verstärkten Erschließung von Erdgas aus Schiefergestein vor allem in den USA neu errichteten Ethan-Cracker erzeugen meist nur eine geringe Menge an C4-Produkten.

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Forschung und Entwicklung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufwendungen (in Mio. €)

 

Mitarbeiter (Anzahl)

 

 

2013

 

2012

 

2011

 

2010

 

2009

 

2013

 

2012

 

2011

 

2010

 

2009

Gases Division

 

68

 

74

 

72

 

68

 

66

 

241

 

246

 

220

 

199

 

206

Engineering Division

 

24

 

27

 

26

 

26

 

23

 

126

 

139

 

122

 

125

 

140

Konzern

 

92

 

101

 

98

 

94

 

89

 

367

 

385

 

342

 

324

 

346

Linde AG

Im Berichtsjahr 2013 hat die Linde AG insgesamt 126 Mio. EUR (Vj. 140 Mio. EUR) für Forschung und Entwicklung (F & E) aufgewendet – und damit mehr als der Linde Konzern (92 Mio. EUR). Soweit Tochtergesellschaften Forschung und Entwicklung betreiben, verrechnen diese ihre Kosten nach der Kostenaufschlagsmethode an die Linde AG. Der Gewinnaufschlag wird auf Konzernebene eliminiert. Ebenso werden auf Konzernebene an Tochtergesellschaften gezahlte Lizenzgebühren eliminiert.

Im Geschäftsbereich Linde Gas sind F&E-Aufwendungen in Höhe von 108 Mio. EUR (Vj. 123 Mio. EUR) angefallen. Im Geschäftsbereich Linde Engineering hat die Linde AG 18 Mio. EUR (Vj. 17 EUR) zur Neu- und Weiterentwicklung von Technologien für wichtige Anlagentypen bereitgestellt.

Zum Stichtag 31. Dezember 2013 waren in der Linde AG insgesamt 208 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung beschäftigt (Vj. 210 Mitarbeiter). Davon waren 121 Mitarbeiter (Vj. 124 Mitarbeiter) im Geschäftsbereich Linde Gas und 87 Mitarbeiter (Vj. 86 Mitarbeiter) im Geschäftsbereich Linde Engineering tätig.