Engineering Division

Im internationalen Projektgeschäft Anlagenbau hat Linde ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2013 verzeichnen können. Der Umsatz in der Engineering Division ist um 12,4 Prozent auf 2,879 Mrd. EUR (Vj. 2,561 Mrd. EUR) gestiegen.

Beim operativen Ergebnis erzielte das Unternehmen eine Verbesserung um 2,2 Prozent auf 319 Mio. EUR (Vj. 312 Mio. EUR). Die operative Marge erreichte mit 11,1 Prozent zwar nicht den außergewöhnlich hohen Wert des Vorjahres (12,2 Prozent), aber erneut ein Niveau, das deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt.

Sehr positiv entwickelte sich der Auftragseingang: Er betrug zum Jahresende 3,911 Mrd. EUR und lag damit um 38,9 Prozent über dem Vorjahreswert (2,815 Mrd. EUR). Einen wesentlichen Beitrag zu dieser deutlichen Erhöhung haben auch die Aufträge aus der Gases Division des Konzerns geleistet.

Neben Großprojekten in den vier Produktlinien Olefin-, Erdgas-, Luftzerlegungs- sowie Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen war der Auftragseingang durch eine Reihe kleiner und mittelgroßer Neubestellungen geprägt.

Mehr als ein Drittel der Neuaufträge entfiel auf die Region Asien/Pazifik. Aus Nordamerika stammte rund 30 Prozent, aus Europa etwa ein Viertel der Neubestellungen. In Nordamerika war das Geschäft erneut von Projekten für die effiziente Erschließung von Schiefergasvorkommen gekennzeichnet.

Gut die Hälfte des Neugeschäfts generierte Linde im Berichtsjahr in den Produktbereichen Luftzerlegungs- sowie Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen, mehr als ein Drittel im Markt für Olefin- und Erdgas-Anlagen.

Per Ende Dezember 2013 betrug der Auftragsbestand der Engineering Division 4,504 Mrd. EUR. Er lag damit deutlich über dem bereits hohen Niveau zum Jahresende 2012 (3,700 Mrd. EUR).

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Engineering Division

 

 

 

 

 

in Mio. €

 

2013

 

2012

Umsatz

 

2.879

 

2.561

Auftragseingang

 

3.911

 

2.815

Auftragsbestand

 

4.504

 

3.700

Operatives Ergebnis

 

319

 

312

Operative Marge

 

11,1%

 

12,2%

Investitionen (ohne Finanzanlagen)

 

33

 

30

Zahl der Mitarbeiter (zum Bilanzstichtag)

 

6.997

 

6.564

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Engineering Division: Umsatz und Auftragseingang nach Regionen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umsatz

 

Auftragseingang

in Mio. €

 

2013

 

2012

 

2013

 

2012

Europa

 

621

 

647

 

947

 

685

Nordamerika

 

613

 

376

 

1.168

 

670

Südamerika

 

46

 

93

 

33

 

75

Asien/Pazifik

 

1.247

 

864

 

1.509

 

1.007

Mittlerer Osten

 

273

 

472

 

161

 

346

Afrika

 

79

 

109

 

93

 

32

Engineering Division

 

2.879

 

2.561

 

3.911

 

2.815

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Engineering Division: Umsatz und Auftragseingang nach Anlagentypen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umsatz

 

Auftragseingang

in Mio. €

 

2013

 

2012

 

2013

 

2012

Olefin-Anlagen

 

378

 

684

 

735

 

322

Erdgas-Anlagen

 

684

 

471

 

702

 

758

Luftzerlegungs-Anlagen

 

959

 

704

 

1.214

 

898

Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen

 

619

 

419

 

984

 

539

Übrige

 

239

 

283

 

276

 

298

Engineering Division

 

2.879

 

2.561

 

3.911

 

2.815

Olefin-Anlagen

Die zunehmende Erschließung großer Schiefergasvorkommen hat auch im Berichtszeitraum 2013 zu sinkenden Preisen für den Einsatzstoff Erdgas in der petrochemischen Industrie geführt. In der Folge hat sich die Investitionstätigkeit im Markt für Olefin-Anlagen weiter belebt. Linde ist in diesem Produktbereich gut positioniert und verfügt über alle erforderlichen Kompetenzen, um die entsprechenden Projekte weltweit umzusetzen.

Im Geschäftsjahr 2013 erhielt das Unternehmen in einem Konsortium mit Petrofac und GS Engineering & Construction Corporation einen Engineering-Auftrag für ein Großprojekt in der Region Tengiz und Karabatan (Kasachstan); Auftraggeber ist das Petrochemieunternehmen KLPE LLP. Der Auftrag umfasst unter anderem die Planungen für den Bau einer Gaseproduktions-Anlage, einer Ethylen-Anlage, eines Rohrleitungsnetzwerks und einer Polyethylen-Anlage.

Gemeinsam mit seinem Partner Samsung Engineering Co., Südkorea, konnte Linde eine Acrylsäure-Anlage für Tasnee Sahara Olefins Co. und Dow Chemical erfolgreich in Betrieb nehmen. Standort der neuen Anlage ist Al Jubail (Saudi-Arabien).

Für Borouge, ein Joint Venture der Abu Dhabi National Oil Company und Borealis, hat Linde eine Ethylen-Anlage in Ruwais (Vereinigte Arabische Emirate) nahezu fertig gestellt. Die Anlage verfügt über eine jährliche Produktionskapazität von 1,5 Mio. Tonnen Ethylen; es ist die dritte Ethylen-Anlage, die Linde in den vergangenen Jahren im Auftrag von Borouge am Standort Ruwais errichtet hat. Ethylen ist ein Vorprodukt der chemischen Industrie.

In Tobolsk (Westsibirien) nahm eine von Linde errichtete Polypropylen-Anlage erfolgreich ihre Produktion auf. Auftraggeber war hier Tobolsk Polymer LLC, ein Tochterunternehmen der SIBUR Holding. Die Anlage verfügt über eine jährliche Kapazität von 500 Kilotonnen Polypropylen. Das Projekt zählt zu den Schlüsselinvestitionen in der petrochemischen Industrie Russlands.

Erdgas-Anlagen

Auftragseingang nach Regionen in %
Auftragseingang nach Regionen (Tortendiagramm)

Der Markt für Anlagen zur Behandlung und Aufbereitung von Erdgas profitiert – ebenso wie der Bereich Olefin-Anlagen – von der steigenden Förderung von Schiefergasvorkommen. Linde verzeichnete in diesem Produktsegment im Geschäftsjahr 2013 einen ähnlich hohen Auftragseingang wie im Vorjahr und konnte insbesondere in Nordamerika weitere Projekte gewinnen.

So wird das Unternehmen am Standort Cameron Parish (Louisiana, USA) zwei zusätzliche Cold Boxen für die Erdgasverflüssigungs-Anlage von Sabine Liquefaction, einer Tochtergesellschaft von Cheniere Energy, bauen. Insgesamt wird Linde damit vier Cold Boxen für dieses Vorhaben errichten, die ersten beiden sind bereits in der Fertigstellung. Die LNG-Anlage (LNG = Liquefied Natural Gas, verflüssigtes Erdgas) ist Teil des ersten LNG-Export-Terminals der USA. Von Cameron Parish aus sollen von 2015 an LNG-Kunden in Asien und Europa beliefert werden.

Im Wachstumsmarkt LNG konnte das Unternehmen im Berichtsjahr darüber hinaus auch in Asien und Europa bedeutende Projekte gewinnen.

Im Auftrag des norwegischen Unternehmens Gassco AS baut Linde derzeit ein Erdgasterminal in Emden (Norddeutschland). Das Auftragsvolumen beträgt rund 260 Mio. EUR; ein entsprechender Vertrag wurde im ersten Quartal 2013 unterzeichnet. Die Fertigstellung des neuen Terminals ist für Ende 2015 vorgesehen.

Ebenfalls im ersten Quartal 2013 erhielt Linde aus China einen Auftrag zur Lieferung einer mittelgroßen LNG-Anlage. Auftraggeber ist die Sichuan Tongkai Energy and Technology Development Company, die am Standort Bazhong in Sichuan ihr Geschäft mit umweltfreundlichen Technologien kontinuierlich ausbaut.

Für PetroChina wird Linde zwei Erdgasverflüssigungs-Anlagen in Jincheng und Xinghe (China) errichten. Der Auftrag umfasst das Engineering, die Lieferung der Anlagenteile sowie die Inbetriebnahme. Die Anlagen, die jeweils über eine Kapazität von 550.000 Tonnen LNG pro Jahr verfügen, werden voraussichtlich im Mai 2015 in Betrieb gehen. Der Auftragswert beläuft sich auf 55 Mio. EUR.

Luftzerlegungs-Anlagen

Auftragseingang nach Anlagentypen in %
Auftragseingang nach Anlagentypen (Tortendiagramm)

Der Gesamtmarkt für Luftzerlegungs-Anlagen ist im Berichtsjahr 2013 stärker gewachsen als im Vorjahr. Linde konnte an dieser positiven Entwicklung partizipieren und hat vor allem in Asien bedeutende Auftragsvergaben für die Sauerstoffversorgung bei Projekten zur Kohlevergasung für sich entschieden.

So wird das Unternehmen für die Shenhua Ningxia Coal Industry Group Co. Ltd. und die Shenhua Logistics Group Co. Ltd. in Yinchuan im Nordwesten Chinas sechs Luftzerlegungs-Anlagen zur Sauerstofferzeugung errichten. Einen entsprechenden Vertrag mit einem Auftragsvolumen von rund 200 Mio. EUR unterzeichneten die Unternehmen im ersten Quartal 2013. Der Sauerstoff wird benötigt, um aus Kohle flüssige Kraftstoffe zu gewinnen (Coal-to-Liquid = CTL). Bei diesem Projekt handelt es sich um eines der derzeit größten CTL-Vorhaben weltweit. Die Fertigstellung der Anlagen ist im Jahr 2016 vorgesehen.

Für einen anderen chinesischen Kunden wird Linde – ebenfalls im Nordwesten des Landes – drei Luftzerlegungs-Anlagen bauen. Dieser Auftrag hat ein Volumen von etwa 100 Mio. EUR. Auch diese Anlagen werden Sauerstoff für die Umwandlung von Kohle in flüssige Kraftstoffe produzieren. Die Inbetriebnahme ist hier ebenfalls für 2016 geplant.

Aus Indien erhielt Linde im Geschäftsjahr 2013 von Reliance Industries Ltd. (RIL) einen Großauftrag zum Bau von sieben Luftzerlegungs-Anlagen für die Produktion von gasförmigem Sauerstoff am Raffinerie- und Petrochemiestandort Jamnagar. Der Auftrag, der ein Volumen von rund 500 Mio. EUR hat, umfasst darüber hinaus die Lieferung von zwei Einheiten zur Synthesegasreinigung auf Rectisol®-Basis. RIL benötigt große Sauerstoffmengen für seine in Jamnagar geplanten Anlagen zur Vergasung von Petrolkoks und Kohle. Siehe Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen.

Am Chemiestandort Seosan (Südkorea) hat Linde 45 Mio. EUR in den Bau einer neuen Luftzerlegungs-Anlage investiert, um die Industriebetriebe vor Ort mit Sauerstoff und Stickstoff zu versorgen.

Eine hohe Nachfrage nach Luftzerlegungs-Anlagen war im vergangenen Geschäftsjahr auch aus Russland und den GUS-Staaten zu verzeichnen.

In Dscherschinsk (Region Nischni Nowgorod) wird Linde im Rahmen eines langfristigen On-site-Vertrags, der im zweiten Quartal 2013 unterzeichnet wurde, die Gaseversorgung für das Petrochemieunternehmen SIBUR übernehmen und zu diesem Zweck zwei neue Luftzerlegungs-Anlagen errichten und betreiben. Zudem modernisiert Linde die am Standort bestehenden vier Luftzerlegungs-Anlagen. Die Investitionen für dieses Projekt betragen rund 70 Mio. EUR. Die neuen Anlagen werden mit einer Produktionskapazität von insgesamt rund 30.000 Normkubikmeter gasförmigem Sauerstoff pro Stunde ausgestattet sein.

Darüber hinaus hat die Engineering Division von Linde im vergangenen Geschäftsjahr auch zahlreiche Aufträge von der Gases Division des Konzerns zum Bau von Luftzerlegungs-Anlagen erhalten – beispielsweise in Tschechien und in den USA: Linde wird die Gaseversorgung an dem bedeutenden Petrochemiestandort La Porte (Texas) weiter ausbauen und dort unter anderem eine große Luftzerlegungs-Anlage errichten und betreiben. Siehe Gases Division.

Neue Projekte in Südafrika und im Mittleren Osten sind eine weitere Bestätigung für das integrierte Geschäftsmodell von Linde und Beispiele dafür, wie die Engineering Division des Konzerns den gezielten Ausbau des On-site-Geschäfts in der Gases Division unterstützt.

Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen

Umsatz nach Regionen in %
Umsatz nach Regionen (Tortendiagramm)

Das Umfeld für Wasserstoff- und Synthesegas-Anlagen hat sich im Geschäftsjahr 2013 vor allem in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens und des Mittleren Ostens deutlich verbessert. In Russland und den GUS-Staaten sorgte der verstärkte Trend zur Modernisierung von Anlagen für Impulse.

Im Jahresverlauf 2013 hat sich der Leistungsumfang für das Großprojekt, das Linde im Auftrag von Reliance Industries Ltd. (RIL) am Standort Jamnagar (Indien) umsetzt (Siehe Kapitel Luftzerlegungs-Anlagen), noch erweitert: Linde wird nun zusätzlich zu den sieben Luftzerlegungs-Anlagen und zu den Anlagen zur Synthesegasreinigung unter anderem vier Schwefelrückgewinnungs-Anlagen und eine Druckwechsel-Adsorptions-Anlage zur Erzeugung von reinem Wasserstoff bereitstellen. Damit erhöht sich das Gesamtauftragsvolumen für Linde bei diesem Projekt auf insgesamt über 700 Mio. EUR.

Für das Chemieunternehmen JSC KuibyshevAzot wird Linde in einem Joint Venture eine große Ammoniak-Anlage am Standort Togliatti in der Region Samara (Russland) bauen und betreiben. Dieser Auftrag, der im zweiten Quartal 2013 unterzeichnet wurde, ist mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 275 Mio. EUR verbunden. Die hochmoderne und besonders energieeffiziente On-site-Anlage wird über eine Produktionskapazität von 1.340 Tonnen Ammoniak pro Tag verfügen. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2016 vorgesehen.

Übrige Anlagentypen

Umsatz nach Anlagentypen in %
Umsatz nach Anlagentypen (Tortendiagramm)

Von der Jubail United Petrochemical Company, einer Tochtergesellschaft der Saudi Basic Industries Corporation, hat Linde im Berichtszeitraum den Auftrag erhalten, im Industriepark Jubail (Saudi-Arabien) die weltweit größte Anlage zur Reinigung und Verflüssigung von Kohlendioxid (CO2) zu errichten. Die Anlage wird über eine Kapazität von 1.500 Tonnen CO2 pro Tag verfügen und das CO2 aus zwei nahe gelegenen Ethylen-Glycol-Anlagen beziehen. Über Rohrleitungen wird das CO2 nach der Aufbereitung direkt mit einer Methanol- sowie einer Harnstoffproduktion verbunden. Methanol ist ein Basisprodukt der chemischen Industrie, während Harnstoff beispielsweise zur Herstellung von Düngemitteln eingesetzt wird. Durch die Wiederverwertung des Kohlendioxids können bei diesem Projekt pro Jahr rund 500.000 Tonnen an CO2-Emissionen eingespart werden.

Linde und Sapphire Energy haben im vergangenen Geschäftsjahr beschlossen, ihre Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kommerzialisierung einer neuen Algenumwandlungstechnologie weiter auszubauen. Ziel der Kooperation ist es, Algenbiomasse im Großmaßstab zu grünem Rohöl zu verarbeiten. Über die bisherige Partnerschaft hinaus, die der Versorgung der Algenproduktionsanlagen mit CO2 dient, entwickelt Linde nun gemeinsam mit Sapphire Energy eine Technologie, die Algenbiomasse in ein rohölähnliches Produkt umwandelt. Dieses soll dann in bestehenden Raffinerien zu konventionellen Biotreibstoffen weiterverarbeitet werden. Zu diesem Zweck errichtet Linde unter anderem die erste kommerzielle Demonstrationsanlage bei Sapphire in New Mexico (USA).

Zudem hat Linde im Geschäftsjahr 2013 zukunftsträchtige Technologien im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe gezielt weiterentwickelt.

Ein Beispiel für diese Aktivitäten ist das neue Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) in Leuna (Deutschland), das im Berichtszeitraum an den Kunden übergeben wurde. Im Anschluss erhielt Linde einen Folgeauftrag zur Erweiterung des CBP. Ziel des CBP ist es, innovative biotechnologische und chemische Verfahren in den industriellen Maßstab zu übertragen, um chemische Grundstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen zu können.

Auf dem Gebiet der thermischen Energiespeicherung konnte Linde ebenfalls weitere Fortschritte erzielen: Für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird das Unternehmen in Köln (Deutschland) eine Testanlage für Hochtemperaturanwendungen von geschmolzenen Salzen für thermische Solarkraftwerke errichten.