[7] Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze

Der Konzernabschluss ist auf Basis des Anschaffungs- bzw. Herstellungskostenprinzips erstellt – mit Ausnahme derivativer Finanzinstrumente, zur Veräußerung verfügbarer finanzieller Vermögenswerte („available for sale“) sowie Planvermögen aus extern finanzierten leistungsorientierten Pensionsverpflichtungen, die zum beizulegenden Zeitwert bewertet sind.

Die Abschlüsse der in den Konzernabschluss der Linde Group einbezogenen Unternehmen sind entsprechend IFRS 10 Consolidated Financial Statements nach einheitlichen Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätzen aufgestellt.

Neu herausgegebene Rechnungslegungsvorschriften

Das IASB und das IFRIC haben im Rahmen ihrer Projekte zur Fortentwicklung der IFRS und zur Erzielung einer Konvergenz mit den US-GAAP zahlreiche Standards geändert bzw. neu verabschiedet. Hiervon sind folgende Standards verpflichtend im Konzernabschluss der Linde Group zum 31. Dezember 2014 anzuwenden:

  • Amendments to IAS 32: Offsetting Financial Assets and Financial Liabilities
  • Amendments to IAS 39: Novation of Derivatives and Continuation of Hedge Accounting
  • Amendments to IAS 36: Recoverable Amount Disclosures for Non-Financial Assets (wurde bereits vorzeitig im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2013 angewendet)
  • Amendments to IFRS 10, IFRS 12 and IAS 27 Investment Entities (wurde bereits vorzeitig im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2013 angewendet)

Neu herausgegebene Rechnungslegungsvorschriften, die noch nicht angewendet worden sind

Folgende Standards wurden vom IASB verabschiedet, jedoch noch nicht im Konzernabschluss der Linde Group zum 31. Dezember 2014 angewendet, da sie entweder noch nicht verpflichtend anzuwenden sind und/oder noch nicht durch die Europäische Union übernommen wurden:

  • IFRS 15 Revenue from Contracts with Customers (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2017 beginnen)
  • IFRS 9 Financial Instruments and Subsequent Amendments (Hedge Accounting and Amendments to IFRS 9, IFRS 7 and IAS 39 sowie Amendments to IFRS 9/IFRS 7: Mandatory Effective Date and Transition Disclosures); (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen)
  • Amendments to IAS 19 Employee Benefits: Defined Benefit Plans – Employee Contributions (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Juli 2014 beginnen)
  • Amendments to IFRS 11 Joint Arrangements: Accounting for Acquisitions of Interests in Joint Operations (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen)
  • Amendments to IFRS 10 and IAS 28: Sale or Contribution of Assets between an Investor and its Associate or Joint Venture (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen)
  • Amendments to IFRS 10, IFRS 12 and IAS 28: Investment Entities: Applying the Consolidation Exception (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen)
  • Amendments to IAS 16 Property, Plant and Equipment and IAS 38 Intangible Assets: Clarification of Acceptable Methods of Depreciation and Amortisation (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen)
  • Amendments to IAS 1: Disclosure Initiative (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen)
  • Improvements to IFRSs (2010–2012), (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Juli 2014 beginnen)
  • Improvements to IFRSs (2011–2013), (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Juli 2014 beginnen)
  • Improvements to IFRSs (2012–2014), (erstmalige Anwendung gemäß IASB auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen)

IFRS 15

Zielsetzung des neuen Standards zur Umsatzrealisierung ist es, die Vielzahl der bisher in diversen Standards und Interpretationen enthaltenen Regelungen zusammenzuführen. Gleichzeitig wurden einheitliche Grundprinzipien festgesetzt, die für alle Branchen und für alle Kategorien von Umsatztransaktionen anwendbar sind.

Die Fragen, in welcher Höhe und zu welchem Zeitpunkt bzw. über welchen Zeitraum Umsatz zu realisieren ist, sollen IFRS-Bilanzierer künftig in fünf Schritten beantworten. Neben dem 5-Stufen-Modell enthält der Standard zudem eine Reihe von weiteren Regelungen zu Detailfragestellungen wie zum Beispiel der Abbildung von Vertragskosten und Vertragsänderungen.

Änderungen gegenüber der aktuellen Bilanzierungspraxis können sich insbesondere aufgrund folgender Neuregelungen ergeben:

  • Umsatzrealisierung bei Kontrollübergang: Maßgeblich für den Zeitpunkt bzw. den Zeitraum der Umsatzrealisierung ist der Übergang der Kontrolle an den Gütern oder Dienstleistungen auf den Kunden (control approach). Die Übertragung von Risiken und Chancen (risk and reward approach) stellt nur noch einen Indikator für den Übergang der Kontrolle dar.
  • Explizite Regelungen zu Mehrkomponentengeschäften
  • Neue Kriterien zur Umsatzrealisierung über den Zeitraum der Leistungserbringung
  • Ausweitung der erforderlichen Anhangangaben

Die neuen Regelungen sind verpflichtend für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2017 beginnen, anzuwenden. Eine frühere Anwendung ist zulässig und wird empfohlen. Das EU-Endorsement steht noch aus.

IFRS 15 wird IAS 11 Construction Contracts und IAS 18 Revenue sowie die Interpretationen IFRIC 13 Customer Loyalty Programmes, IFRIC 15 Agreements for the Construction of Real Estate, IFRIC 18 Transfer of Assets from Customers und SIC 31 Revenue – Barter Transactions Involving Advertising Services ersetzen.

Die Auswirkungen von IFRS 15 werden derzeit im Einzelnen noch analysiert.

IFRS 9

Die Bilanzierung und Bewertung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9 wird IAS 39 ersetzen. Finanzielle Vermögenswerte werden zukünftig nur noch in zwei Gruppen klassifiziert und bewertet: zu fortgeführten Anschaffungskosten und zum Fair Value. Die Gruppe der finanziellen Vermögenswerte zu fortgeführten Anschaffungskosten besteht aus solchen finanziellen Vermögenswerten, die nur den Anspruch auf Zins- und Tilgungszahlungen zu vorgegebenen Zeitpunkten vorsehen und die zudem im Rahmen eines Geschäftsmodells gehalten werden, dessen Zielsetzung das Halten von Vermögenswerten ist. Alle anderen finanziellen Vermögenswerte bilden die Gruppe zum Fair Value. Unter bestimmten Voraussetzungen kann für finanzielle Vermögenswerte der ersten Kategorie – wie bisher – eine Designation zur Kategorie zum Fair Value („Fair Value Option“) vorgenommen werden.

Wertänderungen der finanziellen Vermögenswerte der Kategorie zum Fair Value sind grundsätzlich im Gewinn oder Verlust zu erfassen. Für bestimmte Eigenkapitalinstrumente jedoch kann vom Wahlrecht Gebrauch gemacht werden, Wertänderungen im sonstigen Ergebnis zu erfassen; Dividendenansprüche aus diesen Vermögenswerten sind jedoch im Gewinn oder Verlust zu erfassen.

Die Vorschriften für finanzielle Verbindlichkeiten werden grundsätzlich aus IAS 39 übernommen. Der wesentlichste Unterschied betrifft die Erfassung von Wertänderungen von zum Fair Value bewerteten finanziellen Verbindlichkeiten. Zukünftig sind diese aufzuteilen: Der auf das eigene Kreditrisiko entfallende Teil ist im sonstigen Ergebnis zu erfassen, der verbleibende Teil der Wertänderung ist in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen.

Gemäß den Bestimmungen des IASB sind IFRS 9 und die Subsequent Amendments erstmalig auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen, anzuwenden. Eine frühere Anwendung ist zulässig. Das EU-Endorsement steht noch aus.

IFRS 9 kann zu einer Veränderung in der Klassifizierung und Bewertung der finanziellen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten im Konzernabschluss der Linde Group führen.

Die übrigen Standards haben keinen wesentlichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Linde Group.

Umsatzrealisierung

Der Umsatz enthält Verkäufe von Produkten und Dienstleistungen sowie Mieterlöse, vermindert um Skonti und Preisnachlässe.

Umsätze aus dem Verkauf von Produkten werden mit dem Gefahrenübergang auf den Kunden realisiert, wenn das Entgelt zuverlässig bestimmbar ist und die Erfüllung der damit verbundenen Forderungen wahrscheinlich ist. Ist eine Abnahme durch den Kunden vorgesehen, wird der entsprechende Umsatz erst mit dieser Abnahme ausgewiesen. Bei langfristigen Serviceverträgen wird der Umsatz grundsätzlich linear über die Vertragslaufzeit erfasst.

Umsatz aus kundenspezifischen Fertigungsaufträgen wird gemäß IAS 18 Revenue bzw. gemäß IAS 11 Construction Contracts nach dem Leistungsfortschritt (Percentage of Completion-Methode, PoC-Methode) erfasst. Gewinne aus der PoC-Methode werden nur dann erfasst, wenn das Ergebnis eines Fertigungsauftrages verlässlich hochgerechnet werden kann.

Zur Abgrenzung von Umsatz und Ergebnis aus Leasinggeschäften verweisen wir auf die Erläuterungen zur Bilanzierung von Leasingverträgen.

Langfristige Auftragsfertigung

Langfristige Fertigungsaufträge werden nach der PoC-Methode bilanziert. Der Fertigstellungsgrad wird dabei anhand des Verhältnisses der angefallenen Kosten zu den erwarteten Gesamtkosten (Cost to Cost-Methode) bestimmt. Ist das Ergebnis eines Fertigungsauftrages nicht zuverlässig bestimmbar, werden Erlöse nur in Höhe der angefallenen Auftragskosten erfasst (Zero Profit-Methode). Soweit die kumulierten Leistungen (angefallene Auftragskosten und ausgewiesene Gewinne) die Anzahlungen im Einzelfall übersteigen, erfolgt der Ausweis der Fertigungsaufträge aktivisch unter den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Entsteht nach Abzug der Anzahlungen ein negativer Saldo, erfolgt der Ausweis unter den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Zu erwartende Auftragsverluste werden in voller Höhe erfasst; sie werden unter Berücksichtigung der erkennbaren Risiken ermittelt.

Die Finanzerträge aus langfristiger Auftragsfertigung werden aufgrund des klaren Bezugs zum operativen Geschäft in den sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesen.

Kosten der umgesetzten Leistungen

Die Kosten der umgesetzten Leistungen umfassen die Kosten der verkauften Erzeugnisse und Dienstleistungen sowie die Einstandskosten der verkauften Handelswaren. Sie beinhalten neben den direkt zurechenbaren Material- und Fertigungskosten auch die Gemeinkosten einschließlich der Abschreibungen auf die Produktionsanlagen und bestimmte immaterielle Vermögenswerte sowie die Abwertungen auf Vorräte.

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung

Forschungskosten und nicht aktivierungsfähige Entwicklungskosten werden sofort ergebniswirksam erfasst.

Finanzergebnis

Das Finanzergebnis beinhaltet den Zinsaufwand aus Verbindlichkeiten, erhaltene Dividenden, Zinserträge aus Forderungen sowie Gewinne und Verluste aus Finanzinstrumenten, die ergebniswirksam erfasst werden. Außerdem werden der Nettozinsaufwand aus Pensionsrückstellungen sowie der Bewertungsaufwand aus bestimmten eingebetteten Derivaten in den Finanzaufwendungen ausgewiesen.

Zinsertrag und Zinsaufwand werden ergebniswirksam nach der Effektivzinsmethode erfasst.

Dividenden werden ergebniswirksam vereinnahmt, wenn ein Ausschüttungsbeschluss vorliegt. Dividendenzahlungen von operativen zu Anschaffungskosten bzw. zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Beteiligungen, an denen Linde mehr als 10 Prozent der Stimmrechte hält und die einen klaren Bezug zum operativen Kerngeschäft von Linde haben, werden im sonstigen betrieblichen Ertrag erfasst. Als Kerngeschäfte sind die Geschäftsfelder definiert, die wesentlich zum Umsatz einer Division beitragen. Als Richtgröße für Wesentlichkeit gilt ein Anteil von rund 20 Prozent.

Der anteilige Zinsertrag bei Finanzierungsleasingverhältnissen wird nach der Effektivzinsmethode ermittelt. Darüber hinaus wird der Bewertungsertrag aus bestimmten eingebetteten Derivaten innerhalb der Finanzerträge ausgewiesen.

Immaterielle Vermögenswerte

Immaterielle Vermögenswerte sind Geschäfts- oder Firmenwerte, Kundenbeziehungen, Markennamen, aktivierungsfähige Entwicklungskosten, Patente, Software, Lizenzen und ähnliche Rechte.

Entgeltlich erworbene und selbsterstellte immaterielle Vermögenswerte werden zu Anschaffungs- bzw. zu Herstellungskosten, vermindert um Abschreibungen und Wertminderungen, angesetzt. Selbsterstellte immaterielle Vermögenswerte werden erfasst, wenn sie einen Vermögenswert verkörpern, wenn es wahrscheinlich ist, dass Linde die mit ihnen verbundenen Vorteile zufließen werden, und wenn ihre Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten verlässlich bestimmbar sind. Die Abschreibungen für immaterielle Vermögenswerte werden in dem GuV-Posten erfasst, der ihrer funktionalen Zugehörigkeit entspricht. Für immaterielle Vermögenswerte ist zu prüfen, ob deren Nutzungsdauer zeitlich bestimmbar oder nicht bestimmbar ist. Geschäfts- oder Firmenwerte, immaterielle Vermögenswerte mit unbestimmter Nutzungsdauer sowie noch nicht nutzungsbereite immaterielle Vermögenswerte werden nicht planmäßig abgeschrieben, sondern bei Anzeichen für eine Wertminderung, mindestens aber einmal jährlich, einem Wertminderungstest („Impairment Test“) unterzogen.

Der Wertminderungstest gemäß IAS 36 Impairment of Assets stellt den Buchwert der entsprechenden zahlungsmittelgenerierenden Einheit bzw. des zu testenden Vermögenswertes dem erzielbaren Betrag gegenüber. Der erzielbare Betrag ist der höhere Wert aus Nutzungswert und beizulegendem Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten.

Gemäß IAS 36 Impairment of Assets wird der Geschäfts- oder Firmenwert der kleinsten zahlungsmittelgenerierenden Einheit zugeordnet, auf der der Geschäfts- oder Firmenwert vom Management überwacht wird, und auf dieser Ebene mindestens einmal jährlich auf Werthaltigkeit getestet. In der Gases Division ist dies die Ebene der Regional Business Units (RBU), die die operativen Segmente vor deren Aggregation zu den berichtspflichtigen Segmenten darstellen. Außerhalb der Gases Division wird der Geschäfts- oder Firmenwert auf Ebene der berichtspflichtigen Segmente getestet, welche auch zugleich operative Segmente darstellen. Im Rahmen des Wertminderungstests wird zunächst der Nutzungswert der zahlungsmittelgenerierenden Einheit deren Buchwert gegenübergestellt. Ist der Buchwert der zahlungsmittelgenerierenden Einheit nicht durch den Nutzungswert gedeckt, so wird überprüft, ob der beizulegende Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten höher ist als der Buchwert. Die Wertminderungen eines immateriellen Vermögenswertes mit unbestimmter Nutzungsdauer werden in der Gewinn- und Verlustrechnung innerhalb der Funktionskosten ausgewiesen.

Für die Berechnung des Nutzungswertes der zahlungsmittelgenerierenden Einheiten werden für einen Detailplanungszeitraum von fünf Jahren aus der vom Management verabschiedeten Unternehmensplanung Nettozahlungsströme auf Nachsteuerbasis abgeleitet. Die Ermittlung der ewigen Rente erfolgt auf Grundlage der Nettozahlungsströme der letzten verfügbaren Detailplanungsperiode. Die bei der Diskontierung der Zahlungsströme angewendeten Nachsteuerzinssätze berücksichtigen die branchen- und länderspezifischen Risiken der jeweiligen zahlungsmittelgenerierenden Einheit. Bei der Diskontierung der ewigen Rente kommen Wachstumsabschläge zur Anwendung, die unterhalb der im Detailplanungszeitraum ermittelten Wachstumsraten liegen und im Wesentlichen dem Ausgleich einer allgemeinen Teuerungsrate dienen.

Die Abschreibung immaterieller Vermögenswerte mit bestimmter Nutzungsdauer erfolgt grundsätzlich planmäßig über die voraussichtliche Nutzungsdauer und wird in dem GuV-Posten erfasst, der ihrer funktionalen Zugehörigkeit entspricht. Kundenbeziehungen werden mit ihren Anschaffungskosten angesetzt und linear über ihre jeweilige voraussichtliche Nutzungsdauer von fünf bis 40 Jahren abgeschrieben. Die voraussichtliche Nutzungsdauer von erworbenen Kundenbeziehungen bemisst sich auf Grundlage der Fristigkeit des der Kundenbeziehung zugrunde liegenden Vertragsverhältnisses bzw. anhand des erwarteten Kundenverhaltens. Bestehen Anzeichen für eine Wertminderung der immateriellen Vermögenswerte, so erfolgt ein Wertminderungstest.

Wenn der Grund für frühere Wertminderungen entfallen ist, erfolgt bei immateriellen Vermögenswerten maximal eine Wertaufholung auf den Wert, der sich bei Ausbleiben jeder Wertminderung unter Anwendung der planmäßigen Abschreibung ergeben hätte. Dies gilt nicht für den Geschäfts- oder Firmenwert.

Aufwendungen im Zusammenhang mit dem entgeltlichen Erwerb und der Eigenentwicklung selbst genutzter Software einschließlich der Aufwendungen, diese Software in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, werden aktiviert und unter Verwendung der linearen Abschreibungsmethode über die voraussichtliche Nutzungsdauer von drei bis acht Jahren planmäßig abgeschrieben.

Sachanlagen

Die Sachanlagen sind mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um Abschreibungen entsprechend der voraussichtlichen Nutzungsdauer und Wertminderungen, bewertet. Die Herstellungskosten der selbst erstellten Anlagen enthalten alle direkt dem Herstellungsprozess zurechenbaren Kosten und angemessene Teile der produktionsbezogenen Gemeinkosten. Hierzu gehören die fertigungsbedingten Abschreibungen, anteilige Verwaltungskosten sowie die anteiligen Kosten des sozialen Bereichs. Die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten werden um Zuwendungen der öffentlichen Hand gekürzt. Für qualifizierte Sachanlagen, deren Erwerb oder Herstellung einen Zeitraum von einem Jahr überschreitet, werden Bauzeitzinsen aktiviert. Eine Aktivierung zu Herstellungskosten erfolgt grundsätzlich unter der Annahme der Normalbeschäftigung. Die Abschreibung auf Sachanlagen wird nach der linearen Methode ermittelt und in dem GuV-Posten erfasst, der der funktionalen Zugehörigkeit des zugrunde liegenden Vermögenswerts entspricht. Besteht ein Vermögenswert des Sachanlagevermögens aus mehreren wesentlichen Komponenten mit unterschiedlichen Nutzungsdauern, so wird die Abschreibung für die unterschiedlichen Komponenten einzeln bemessen. Bestehende rechtliche oder faktische Rückbauverpflichtungen werden in Höhe des abgezinsten erwarteten Erfüllungsbetrags in den Anschaffungs- und Herstellungskosten der Komponenten erfasst. Die Nutzungsdauer und die Abschreibungsmethode werden jedes Jahr überprüft und an die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst.

Im Einzelnen liegen den Wertansätzen folgende Nutzungsdauern zugrunde:

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Nutzungsdauern Anlagevermögen

 

 

 

Gebäude

 

10–40 Jahre

Technische Anlagen

 

6–15 Jahre

Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung

 

3–20 Jahre

Wenn besondere Ereignisse oder Marktentwicklungen einen Wertverfall anzeigen, wird die Werthaltigkeit des Buchwertes von Vermögenswerten des Sachanlagevermögens überprüft. Dabei wird der Buchwert des Vermögenswertes mit dem erzielbaren Betrag verglichen, der der höhere Wert aus beizulegendem Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten und dem Nutzungswert ist. Bei der Ermittlung des erzielbaren Betrages auf Basis des Nutzungswertes werden zukünftig zu erwartende Zahlungsströme mit einem risikoadäquaten Zinssatz abgezinst. Wenn der Nettobuchwert von Vermögenswerten größer ist als der erzielbare Betrag, wird eine Wertminderung erfasst. Bei der Festlegung der zukünftig zu erwartenden Zahlungsströme werden das aktuelle und das zukünftig erwartete Ertragsniveau sowie geschäftsfeldspezifische, technologische, wirtschaftliche und allgemeine Entwicklungen berücksichtigt. Erfolgt der Wertminderungstest für Sachanlagen auf Ebene einer zahlungsmittel­generierenden Einheit, der auch ein Teil des Geschäfts- oder Firmenwertes zugeordnet wurde, und liegt eine Wertminderung vor, so werden zunächst der Geschäfts- oder Firmenwert und danach die anderen Vermögenswerte nach Maßgabe ihrer relativen Buchwerte – unter Berücksichtigung der beizulegenden Zeitwerte der Vermögenswerte – wertgemindert. Wenn der Grund für eine frühere Wertminderung auf Sachanlagevermögen entfallen ist, erfolgt eine Wertaufholung auf maximal den Betrag, der sich bei Ausbleiben jeder Wertminderung unter Anwendung der planmäßigen Abschreibung ergeben hätte.

Zur Bilanzierung von Vermögenswerten aus Leasinggeschäften verweisen wir auf die Erläuterungen zur Bilanzierung von Leasingverträgen.

Assoziierte Unternehmen und Joint Ventures

Assoziierte Unternehmen und Joint Ventures werden nach der Equity-Methode im Zeitpunkt des Erwerbs zu Anschaffungskosten bilanziert. In Folgeperioden erhöht oder verringert sich der Buchwert mit dem Anteil am Gesamtergebnis; getätigte Ausschüttungen und andere Eigenkapitalveränderungen verringern bzw. erhöhen den Buchwert entsprechend. Entsprechen oder übersteigen die der Linde Group zurechenbaren Verluste eines assoziierten Unternehmens oder Joint Ventures den Wert des Anteils an diesem assoziierten Unternehmen oder Joint Venture, werden keine weiteren Verlustanteile erfasst, es sei denn, es wurden Verpflichtungen eingegangen oder Zahlungen für das assoziierte Unternehmen geleistet. Liegen Anzeichen für Wertminderungen bei assoziierten Unternehmen oder Joint Ventures vor, so wird der Buchwert der betroffenen Beteiligung einem Wertminderungstest unterzogen. Wenn der Grund für eine frühere Wertminderung entfallen ist, so erfolgt eine Wertaufholung auf maximal den Betrag, der sich bei Ausbleiben jeder Wertminderung ergeben hätte.

Vorräte

Vorräte werden zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. zum niedrigeren Nettoveräußerungswert bewertet. Der Nettoveräußerungswert entspricht dem erzielbaren Veräußerungserlös abzüglich der noch bis zur Fertigstellung anfallenden Kosten und abzüglich der bis zur Veräußerung anfallenden Vertriebskosten. Die Herstellungskosten enthalten neben den Einzelkosten angemessene Teile der notwendigen Material- und Fertigungsgemeinkosten sowie fertigungsbedingte Abschreibungen, die direkt dem Herstellungsprozess zugeordnet werden können. Kosten der Verwaltung und des sozialen Bereichs werden berücksichtigt, soweit sie der Produktion zuzuordnen sind. Weiterhin werden für Vorratsvermögen, dessen Erwerb oder Herstellung einen Zeitraum von einem Jahr überschreitet, Bauzeitzinsen aktiviert. Eine Aktivierung zu Herstellungskosten erfolgt grundsätzlich unter der Annahme der Normalbeschäftigung. Als Verbrauchsfolgeverfahren kommt das gleitende Durchschnittsverfahren oder das Fifo-Verfahren („first-in-first-out“) zur Anwendung.

Finanzinstrumente

Finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten werden nur dann in der Konzernbilanz angesetzt, wenn Linde Vertragspartei des Finanzinstruments wird. Marktübliche Käufe oder Verkäufe von finanziellen Vermögenswerten werden zum Erfüllungstag bilanziert. Etwas anderes gilt für Derivate, die zum Handelstag bilanziert werden.

Bei Finanzinstrumenten ist nach IAS 39 Financial Instruments: Recognition and Measurement zu differenzieren zwischen Finanzinstrumenten, die zu Handelszwecken gehalten werden oder die als erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert zu bewerten eingestuft wurden („at fair value through profit or loss“), zur Veräußerung verfügbaren finanziellen Vermögenswerten („available for sale“), bis zur Endfälligkeit zu haltenden Finanzinvestitionen („held to maturity“) sowie Krediten und Forderungen („loans and receivables“). Reklassifizierungen von Finanzinstrumenten zwischen Bewertungskategorien fanden im Berichtszeitraum nicht statt. Die Linde Group macht von der Möglichkeit, finanzielle Vermögenswerte oder finanzielle Verbindlichkeiten beim erstmaligen Ansatz als erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert einzustufen („Fair Value Option“), keinen Gebrauch.

Zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte beinhalten Eigenkapital- und Fremdkapitalinstrumente. Wenn Eigenkapitalinstrumente nicht als zu Handelszwecken gehalten bzw. als erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert zu bewerten eingestuft worden sind, werden diese als zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte klassifiziert. Fremdkapitalinstrumente werden in dieser Kategorie erfasst, sofern sie für eine unbestimmte Zeit gehalten werden und je nach Marktlage veräußert werden können.

Der erstmalige Ansatz von Finanzinstrumenten erfolgt zum beizulegenden Zeitwert. Die dem Erwerb oder der Emission von Finanzinstrumenten direkt zurechenbaren Transaktionskosten werden bei der Ermittlung des Buchwertes nur berücksichtigt, soweit die Finanzinstrumente nicht erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden.

Für die Folgebewertung der als zur Veräußerung verfügbar klassifizierten Vermögenswerte werden unrealisierte Gewinne und Verluste bis zur Realisierung unter Berücksichtigung latenter Steuern gesondert als sonstiges Ergebnis im Eigenkapital erfasst. Eigenkapitalinstrumente, für die kein auf einem aktiven Markt notierter Preis vorliegt und deren beizulegender Zeitwert nicht verlässlich ermittelt werden kann, werden zu Anschaffungskosten bilanziert. Fallen die beizulegenden Zeitwerte von zur Veräußerung verfügbaren finanziellen Vermögenswerten unter die Anschaffungskosten und liegen objektive Hinweise vor, dass der Vermögenswert wertgemindert ist, wird der direkt im Eigenkapital erfasste kumulierte Verlust erfolgswirksam aufgelöst. Wertaufholungen erfolgen bei Eigenkapitalinstrumenten erfolgsneutral, bei Fremdkapitalinstrumenten erfolgswirksam.

Kredite und Forderungen sowie bis zur Endfälligkeit zu haltende Finanzinvestitionen werden zu fortgeführten Anschaffungskosten unter Verwendung der Effektivzinsmethode angesetzt. Falls objektive Hinweise vorliegen, dass der Vermögenswert wertgemindert ist, werden sie mit dem Barwert der erwarteten zukünftigen Cash Flows angesetzt, sofern dieser niedriger ist als die fortgeführten Anschaffungskosten. Der Barwert der zukünftigen Cash Flows errechnet sich unter Verwendung des ursprünglichen Effektivzinssatzes des finanziellen Vermögenswerts.

Die Linde Group überprüft ihre finanziellen Vermögenswerte der Kategorien Kredite und Forderungen, zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte und bis zur Endfälligkeit zu haltende Finanzinvestitionen regelmäßig auf das Vorliegen einer Wertminderung. Dabei werden die folgenden Kriterien herangezogen:

  1. erhebliche finanzielle Schwierigkeiten des Emittenten oder des Schuldners,
  2. ein Vertragsbruch wie beispielsweise ein Ausfall oder Verzug von Zins- oder Tilgungszahlungen,
  3. Zugeständnisse von Seiten des Kreditgebers an den Kreditnehmer infolge wirtschaftlicher oder rechtlicher Gründe im Zusammenhang mit den finanziellen Schwierigkeiten des Kreditnehmers, die der Kreditgeber ansonsten nicht gewähren würde,
  4. eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der Kreditnehmer in Insolvenz fällt oder ein sonstiges Sanierungsverfahren durchläuft,
  5. der Wegfall eines aktiven Marktes für diesen finanziellen Vermögenswert infolge finanzieller Schwierigkeiten,
  6. eine Empfehlung von Kapitalmarktbeobachtern,
  7. Informationen über nachteilige Entwicklungen im technologischen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Umfeld des Vertragspartners,
  8. ein wesentlicher und anhaltender Rückgang des beizulegenden Zeitwerts des Finanzinstruments.

Eine Ausbuchung von finanziellen Vermögenswerten erfolgt, wenn Linde sein vertragliches Anrecht auf Zahlungsströme aus diesen verliert oder so gut wie alle mit dem finanziellen Vermögenswert verbundenen Risiken und Chancen überträgt. Im Berichtsjahr kam es zu keiner Übertragung finanzieller Vermögenswerte, die nicht zur Ausbuchung qualifizierte.

Nach IAS 39 Financial Instruments: Recognition and Measurement sind alle derivativen Finanzinstrumente zum beizulegenden Zeitwert zu bilanzieren, und zwar unabhängig davon, zu welchem Zweck oder in welcher Absicht sie abgeschlossen wurden.

Bei einem Fair Value Hedge werden Derivate zur Absicherung gegen Risiken einer Änderung des beizulegenden Zeitwertes von Bilanzpositionen eingesetzt. Die Ergebnisse aus der Bewertung zum beizulegenden Zeitwert der Derivate werden ergebniswirksam erfasst. Gleichzeitig wird der Buchwert des dazugehörigen Grundgeschäfts erfolgswirksam um den Gewinn oder Verlust, der dem abgesicherten Risiko zuzurechnen ist, erhöht oder verringert.

Im Rahmen eines Cash Flow Hedge werden Derivate verwendet, um Cash Flow-Risiken aus bereits bilanzierten Vermögenswerten oder Verbindlichkeiten oder aus geplanten Transaktionen zu sichern. Der durch das Grundgeschäft gedeckte („hedge-effective“) Teil der Gewinne bzw. Verluste aus der Bewertung zum beizulegenden Zeitwert dieser derivativen Finanzinstrumente wird zunächst erfolgsneutral als sonstiges Ergebnis in der kumulierten erfolgsneutralen Eigenkapitalveränderung ausgewiesen. Eine Umbuchung in die Gewinn- und Verlustrechnung erfolgt zeitgleich mit der Ergebniswirkung des abgesicherten Grundgeschäfts. Der nicht durch das Grundgeschäft gedeckte („hedge-ineffective“) Teil der Marktwertveränderungen wird unmittelbar im Ergebnis berücksichtigt.

Im Rahmen von Hedges einer Nettoinvestition in ausländische Gesellschaften (Net Investment Hedge) werden die Translationsrisiken aus Beteiligungen mit einer ausländischen funktionalen Währung abgesichert. Die Gewinne und Verluste der Sicherungsinstrumente werden bis zur Veräußerung bzw. zum Abgang der Beteiligung als sonstiges Ergebnis im Eigenkapital als Bestandteil der kumulierten erfolgsneutralen Eigenkapitalveränderung erfasst.

Liegen die Voraussetzungen für Hedge Accounting nicht vor, werden die Ergebnisse aus der Bewertung zum beizulegenden Zeitwert derivativer Finanzinstrumente ergebniswirksam erfasst.

Nach IAS 39 Financial Instruments: Recognition and Measurement werden in Basisverträgen („host contracts“) enthaltene eingebettete Derivate gesondert als derivative Finanzinstrumente behandelt, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen.

Nähere Angaben zum Risikomanagement und zu den bilanziellen Auswirkungen von derivativen Finanzinstrumenten sind unter Ziffer [29] dargestellt.

Forderungen und Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Finanzschulden sowie übrige Forderungen und Vermögenswerte und übrige Verbindlichkeiten werden, solange sie keine derivativen Finanzinstrumente darstellen, zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert. Differenzen zwischen historischen Anschaffungskosten und dem Rückzahlungsbetrag werden entsprechend der Effektivzinsmethode berücksichtigt. Den erkennbaren Einzelrisiken wird durch angemessene Wertberichtigungen Rechnung getragen. Finanzschulden, die als gesichertes Grundgeschäft in einen Fair Value Hedge einbezogen sind, werden um den Gewinn oder Verlust, der dem abgesicherten Risiko zuzurechnen ist, erhöht oder verringert.

Finanzinstrumente, die sowohl einen Eigenkapital- als auch einen Fremdkapitalanteil beinhalten können, werden entsprechend IAS 32 Financial Instruments: Presentation beurteilt. Die von der Linde Group begebenen Finanzinstrumente werden vollständig als Schuldinstrumente behandelt und zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert. Ein separater Eigenkapitalanteil wird nicht bilanziert.

Latente Steuern

Aktive und passive latente Steuern werden entsprechend IAS 12 Income Taxes nach der bilanzorientierten Verbindlichkeitenmethode für sämtliche temporäre Differenzen zwischen den steuerlichen und den IFRS-Wertansätzen, für ergebniswirksame Konsolidierungsmaßnahmen sowie für steuerliche Verlustvorträge gebildet.

Die aktiven latenten Steuern für steuerliche Verlustvorträge werden nur angesetzt, soweit die Steuerminderungsansprüche sich aus der erwarteten Nutzung bestehender Verlustvorträge in Folgejahren ergeben und deren Realisierung mit hinreichender Sicherheit gewährleistet ist. Die latenten Steuern werden auf Basis der Steuersätze ermittelt, die nach der derzeitigen Rechtslage in den einzelnen Ländern zum Realisationszeitpunkt gelten bzw. aufgrund nahezu abgeschlossener Gesetzgebungsverfahren in Zukunft gelten werden.

Investitionsabhängige Steuergutschriften werden in analoger Anwendung der Vorschriften des IAS 12 Income Taxes bilanziert. Eine Verrechnung mit der entsprechenden Investition erfolgt nicht.

Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen

Die versicherungsmathematische Bewertung der Pensionsrückstellungen basiert auf dem in IAS 19 Employee Benefits vorgeschriebenen Anwartschaftsbarwertverfahren für Leistungszusagen auf Altersversorgung (Projected Unit Credit-Methode). Bei diesem Verfahren werden neben den am Bilanzstichtag bekannten Renten und erworbenen Anwartschaften auch künftig zu erwartende Steigerungen von Gehältern und Renten berücksichtigt. Die Berechnung beruht auf versicherungsmathematischen Gutachten unter Berücksichtigung biometrischer Rechnungsgrundlagen.

Vom Barwert der Pensionsverpflichtungen (Bruttopensionsverpflichtung) wird der Zeitwert des Planvermögens ggf. unter Berücksichtigung der Regelungen zur Aktivierungsobergrenze des Planvermögens („asset ceiling“ nach IAS 19.64) abgezogen, so dass sich die Nettopensionsverpflichtung bzw. der Nettovermögenswert aus den leistungsorientierten Pensionsplänen ergibt. Der Ausweis eines Nettovermögenswertes ist nach IAS 19.64 nur dann zugelassen, wenn die Linde Group als verpflichteter Arbeitgeber das Recht auf Auszahlung dieser Überdeckung oder auf künftige Beitragsermäßigungen hat.

Der Nettozinsaufwand des Geschäftsjahres ergibt sich aus der Multiplikation der Nettopensionsverpflichtung bzw. des Nettovermögenswerts zu Periodenbeginn mit dem der Diskontierung der leistungsorientierten Bruttopensionsverpflichtung am Periodenbeginn zugrunde liegenden Zinssatz.

Der Diskontierungszinssatz wird auf der Grundlage von Renditen bestimmt, die am jeweiligen Stichtag für erstrangige, festverzinsliche Industrieanleihen am Markt erzielt werden. Währung und Laufzeit der zugrunde gelegten Anleihen stimmen mit der Währung und den voraussichtlichen Fristigkeiten der nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu erfüllenden Versorgungsverpflichtungen überein.

Die Neubewertungskomponente („remeasurements“) umfasst zum einen die versicherungsmathematischen Gewinne und Verluste aus der Bewertung der leistungsorientierten Bruttopensionsverpflichtung und zum anderen den Unterschied zwischen tatsächlich realisierter Planvermögensrendite und der zu Periodenbeginn angenommenen Rendite, die auf dem Diskontierungszinssatz der korrespondierenden leistungsorientierten Bruttopensionsverpflichtung basiert. Im Falle einer Überdotierung eines Pensionsplans sowie einer bestehenden Aktivierungsobergrenze des Planvermögens („asset ceiling“) enthält die Neubewertungskomponente darüber hinaus die Veränderung des Nettovermögenswertes aus der Anwendung der Regelungen zur Aktivierungsobergrenze („asset ceiling“), soweit diese nicht in der Nettozinskomponente berücksichtigt wurde.

Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste resultieren aus Änderungen der versicherungsmathematischen Annahmen bzw. aus Abweichungen zwischen früheren versicherungsmathematischen Annahmen und der tatsächlichen Entwicklung.

Sämtliche Neubewertungseffekte, d. h. versicherungsmathematische Gewinne und Verluste, der kumulierte Effekt aus einer Aktivierungsobergrenze („asset ceiling“) sowie die Effekte aus einer Erhöhung der Pensionsverpflichtung nach IFRIC 14 The Limit on a Defined Benefit Asset, Minimum Funding Requirements and their Interaction, werden unmittelbar erfolgsneutral im sonstigen Ergebnis erfasst.

Der Aufwand aus der Dotierung der Pensionsrückstellungen wird den Kosten der Funktionsbereiche zugeordnet. Der Nettozinsaufwand bzw. der Nettozinsertrag aus leistungsorientierten Pensionsplänen wird innerhalb des Finanzergebnisses ausgewiesen. Dabei wird pro Pensionsplan ermittelt, ob nach Saldierung ein Nettozinsaufwand bzw. –ertrag vorliegt, und entsprechend im Finanzergebnis ausgewiesen.

Übrige Rückstellungen

Gemäß IAS 37 Provisions, Contingent Liabilities and Contingent Assets werden übrige Rückstellungen gebildet, soweit eine gegenwärtige Verpflichtung aus einem vergangenen Ereignis gegenüber Dritten besteht, die künftig wahrscheinlich zu einem Abfluss von Ressourcen führt und zuverlässig geschätzt werden kann.

Rückstellungen werden für die erkennbaren Risiken und ungewissen Verpflichtungen in Höhe des wahrscheinlichen Erfüllungsbetrages berücksichtigt und nicht mit Rückgriffsansprüchen verrechnet. Der Erfüllungsbetrag umfasst auch die am Bilanzstichtag zu berücksichtigenden Kostensteigerungen. Rückstellungen mit einer Laufzeit von mehr als zwölf Monaten werden abgezinst.

Rückstellungen für Gewährleistungsansprüche werden unter Berücksichtigung des bisherigen bzw. des geschätzten zukünftigen Schadensverlaufs gebildet.

Rückbauverpflichtungen werden zum Zeitpunkt der Entstehung mit dem abgezinsten Wert der Verpflichtung aktiviert und gleichzeitig – in entsprechender Höhe – als Rückstellung passiviert. Über die anfallenden Abschreibungen des Aktivpostens und der Aufzinsung der Rückstellung wird der Aufwand auf die Perioden der Nutzung des Vermögenswertes verteilt.

Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen werden gebildet, soweit ein detaillierter, formaler Restrukturierungsplan erstellt und dieser den betroffenen Parteien mitgeteilt wurde.

Die Kosten der umgesetzten Leistungen enthalten auch Zuführungen zu Gewährleistungsrückstellungen sowie Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften. Gewährleistungsrückstellungen werden in Höhe der geschätzten Kosten zum Zeitpunkt des Verkaufs des jeweiligen Produkts gebildet. Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften werden vollständig in dem Berichtszeitraum gebildet, in dem die zeitnah geschätzten Kosten aus dem jeweiligen Vertrag den zu erwartenden Umsatz übersteigen.

Für allgemeine und Sachbetriebsrisiken werden Versicherungsverträge mit einem konzernexternen Versicherer abgeschlossen. Die Aufwendungen aus diesen Versicherungsverträgen werden in den Funktionskosten erfasst.

In Vorjahren agierten Gesellschaften der Linde Group als Rückversicherer bezüglich eines Teils der oben genannten Versicherungsverträge. Die hieraus noch existierenden Rückstellungen fallen unter den Anwendungsbereich des IFRS 4 Insurance Contracts. Versicherungsrisiken werden in Form einer Rückstellung für noch nicht abgewickelte Schadensfälle im Konzernabschluss berücksichtigt. Dabei wird die Rückstellung für Zahlungsverpflichtungen aus Versicherungsfällen gebildet, die am Bilanzstichtag aufgetreten, aber noch nicht abgewickelt sind. Rückstellungen für am Bilanzstichtag gemeldete Versicherungsfälle basieren auf Schätzungen für zukünftige Schadenaufwendungen einschließlich Schadenregulierungskosten. Diese werden auf Einzelverpflichtungsbasis vorgenommen. Rückstellungen für am Bilanzstichtag eingetretene, aber noch nicht gemeldete Versicherungsfälle („incurred but not reported“, IBNR) werden gebildet, um den geschätzten Kosten bei Schäden Rechnung zu tragen. Da über den Eintritt dieser Schäden noch nichts bekannt ist, werden Schätzungen auf Basis von branchenüblichen Erfahrungswerten zugrunde gelegt. Die Rückstellung wird auf der Grundlage versicherungsmathematischer und statistischer Methoden gebildet.

Ertragsteuerrückstellungen werden in den Ertragsteuerverbindlichkeiten erfasst.

Bilanzierung von Leasingverträgen

Leasingverträge werden gem. IAS 17 Leases als „Finance Leases“ klassifiziert, wenn im Wesentlichen alle Risiken und Chancen, die mit dem Eigentum des Leasinggegenstandes verbunden sind, auf den Leasingnehmer übertragen werden. Alle anderen Leasinggeschäfte sind „Operating Leases“. Die Gesellschaften der Linde Group schließen Verträge als Leasinggeber und Leasingnehmer.

Sofern Linde als Leasinggeber „Finance Leases“ eingeht, werden die zukünftig vom Kunden zu zahlenden Leasingraten als Forderungen aus Finanzierungsleasing in Höhe des Nettoinvestitionswertes aus dem Leasingvertrag bilanziert. Die Zinserträge werden nach der Effektivzinsmethode über die Berichtsperioden verteilt.

Wenn Linde im Wege von „Finance Leases“ Leasingobjekte beschafft, werden diese zu Vertragsbeginn in Höhe des beizulegenden Zeitwertes bzw. des niedrigeren Barwertes der zukünftigen Leasingzahlungen im Sachanlagevermögen ausgewiesen und die korrespondierenden Verbindlichkeiten gegenüber dem Leasinggeber als Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing in der Bilanz erfasst. Bei der Barwertermittlung kommt der der Vereinbarung zugrunde liegende Zinssatz oder – wenn nicht vorhanden – der Grenzrefinanzierungssatz zur Anwendung. Die Abschreibung dieses Sachanlagevermögens und die Auflösung der Verbindlichkeit erfolgen über die Vertragslaufzeit. Ist die Nutzungsdauer des Vermögenswerts kürzer als die Vertragslaufzeit, ist diese für die Bestimmung der Abschreibungsdauer maßgeblich. Während der Leasinggegenstand einer linearen Abschreibung über die Laufzeit des Leasingvertrages unterzogen wird, erfolgt die Amortisation der dazugehörigen Leasingverbindlichkeit unter Anwendung der Effektivzinsmethode progressiv. Hieraus entsteht während der Dauer des Leasingvertrages eine Differenz zwischen der Leasingverpflichtung und dem Buchwert des Leasingobjekts.

Die im Rahmen von „Operating Leases“ von Linde selbst geleisteten Miet- und Leasingzahlungen werden linear über die Vertragslaufzeit erfolgswirksam in den Funktionskosten erfasst.

Nach IFRIC 4 Determining whether an Arrangement contains a Lease werden unter bestimmten Voraussetzungen Verträge als Leasing behandelt, die rechtlich keine Leasingverträge sind. Insbesondere in der Gases Division werden bestimmte Gaslieferverträge als „Embedded Lease“ klassifiziert, wenn zu ihrer Erfüllung die Nutzung eines speziellen Vermögenswerts notwendig ist und wenn der Umsatzanteil des Gaskunden den ganz überwiegenden Teil der Produktionskapazität ausmacht. Liegt ein eingebetteter Leasingvertrag vor, wird im Einzelfall unter Anwendung der Kriterien des IAS 17 Leases untersucht, ob mit dem Gasliefervertrag die wesentlichen Chancen und Risiken an der Anlage auf den Gaskunden übergangen sind. Hierzu wird im ersten Schritt der eingebettete Leasinganteil aus dem Gasliefervertrag herausgelöst und daraufhin geprüft, ob mit den isolierten Leasingraten im Wesentlichen eine Vollamortisation der Anlage einhergeht und ob die Mindestvertragslaufzeit den ganz überwiegenden Teil der Nutzungsdauer der Anlage ausmacht. Weiterhin werden insbesondere etwaig vorhandene Eigentumsübergangs-, Erwerbs- und Mietverlängerungsklauseln auf ihre Wirkung im Hinblick auf den Übergang der Chancen und Risiken an der Anlage untersucht. Enthält ein Gasliefervertrag nach diesen Prüfschritten eine Finanzierungsleasingkomponente, wird der Anlageninvestitionswert erfolgsneutral als Umsatz erfasst und die entstehende Forderung unter den Forderungen aus Finanzierungsleasing ausgewiesen.

Verbleibt das wirtschaftliche Eigentum an den von Linde im Rahmen von expliziten („Operating Leases“) oder eingebetteten Leasingverträgen („Embedded Operating Leases“) vermieteten Gegenständen bei Linde als Leasinggeber, werden Mieterlöse über die Vertragslaufzeit linear in den Umsatzerlösen erfasst.

Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte und Veräußerungsgruppen sowie nicht fortgeführte Aktivitäten

Langfristige Vermögenswerte und Veräußerungsgruppen werden gesondert als „zur Veräußerung gehalten“ in der Bilanz ausgewiesen, wenn sie in ihrem gegenwärtigen Zustand veräußert werden können und die Veräußerung sehr wahrscheinlich ist. Bei der Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“ werden die entsprechenden Vermögenswerte mit ihrem beizulegenden Zeitwert abzüglich der Veräußerungskosten angesetzt, sofern dieser niedriger als deren Buchwert ist. Entsprechend ihrer Klassifizierung werden direkt mit diesen in Zusammenhang stehende Verbindlichkeiten auf der Passivseite gesondert als „zur Veräußerung gehalten“ ausgewiesen. Für aufzugebende Geschäftsbereiche werden zusätzliche Angaben gemacht, sofern die Voraussetzungen für einen aufzugebenden Geschäftsbereich erfüllt sind.

Ermessensentscheidungen und Schätzungen

Die Aufstellung des Konzernabschlusses nach IFRS erfordert bei einigen Bilanzposten Ermessensentscheidungen bzw. Schätzungen, die sich auf den Ansatz und die Bewertung in der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung auswirken. Die tatsächlich realisierten Beträge können von diesen Schätzungen abweichen. Schätzungen sind insbesondere erforderlich bei:

  • der Beurteilung der Notwendigkeit sowie der Bemessung einer Wertminderung auf immaterielle Vermögenswerte und Vermögenswerte des Sachanlagevermögens sowie des Vorratsvermögens. Siehe Ziffern [14], [15] und [17],
  • der Bestimmung der Nutzungsdauern von Sachanlagevermögen sowie bei der Beurteilung, welche Kostenbestandteile aktivierungsfähig sind. Siehe Ziffer [15],
  • der Beurteilung der Notwendigkeit von Wertberichtigungen zweifelhafter Forderungen. Siehe Ziffer [18],
  • dem Ansatz und der Bewertung von Pensionsverpflichtungen. Siehe Ziffer [23],
  • dem Ansatz und der Bewertung der übrigen Rückstellungen. Siehe Ziffer [24],
  • der Beurteilung des Auftragsfortschritts bei langfristigen Fertigungsaufträgen. Siehe Ziffern [18] und [27],
  • der Beurteilung von Leasingtransaktionen,
  • der Bewertung von im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen erworbenen Vermögenswerten und übernommenen Schulden. Siehe Ziffer [3],
  • der Beurteilung, ob Beherrschung, gemeinsame Beherrschung oder maßgeblicher Einfluss vorliegt bei Gesellschaften, an denen Linde weniger als 100 Prozent der Stimmrechte hält. Siehe Ziffern [4] und [7].

Eine Veränderung der Einflussfaktoren, die bei der Prüfung der Werthaltigkeit des Geschäfts- oder Firmenwertes, der übrigen immateriellen Vermögenswerte, des Sachanlagevermögens oder des Vorratsvermögens verwendet werden, kann unter Umständen zu höheren, niedrigeren bzw. keinen Wertminderungen führen. Zur Angabe von Sensitivitäten. Siehe Ziffer [14].

Weitere wesentliche Schätzungen betreffen die Bestimmung der Nutzungsdauern für immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen. Basierend auf Erfahrungswerten der Vergangenheit gelten konzernweit einheitliche Vorgaben für die Nutzungsdauern der wesentlichen Anlageklassen. Auch bei der Beurteilung, ob ein aktivierungsfähiger Vermögenswert vorliegt und welche Bestandteile der Anschaffungs- oder Herstellungskosten aktivierungsfähig sind, müssen Annahmen getroffen werden. Hierbei werden beispielsweise der erwartete zukünftige Nutzen eines Vermögenswerts oder die zukünftig erwarteten Kosten für den Rückbau von Anlagen geschätzt. Auch bei Kosten, die während der operativen Phase eines Vermögenswerts eintreten – beispielsweise Kosten für die Nachrüstung oder für die Grundüberholung von Anlagen – hängt die Aktivierung dieser Aufwendungen davon ab, ob sie zu einem besseren oder höheren Output führen oder ob sie die Nutzungsdauer des Vermögenswerts verlängern.

Die Wertberichtigung zweifelhafter Forderungen umfasst in erheblichem Umfang Einschätzungen und Beurteilungen einzelner Forderungen, die auf der Kreditwürdigkeit des jeweiligen Kunden, den aktuellen Konjunkturentwicklungen und der Analyse historischer Forderungsausfälle auf Portfoliobasis beruhen. Die individuelle Wertberichtigung berücksichtigt neben kundenspezifischen grundsätzlich auch länderspezifische Risiken.

Verpflichtungen aus leistungsorientierten Pensionszusagen werden auf Basis versicherungsmathematischer Annahmen ermittelt. Wesentliche versicherungsmathematische Annahmen sind beispielsweise der Diskontierungszinssatz, die Renten- und Anwartschaftsdynamik sowie die Lebenserwartung. Der Diskontierungszinssatz wird auf der Grundlage von Renditen bestimmt, die am jeweiligen Stichtag für erstrangige festverzinsliche Industrieanleihen am Markt erzielt werden. Währung und Laufzeit der zugrunde gelegten Anleihen stimmen mit der Währung und den voraussichtlichen Fristigkeiten der nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu erfüllenden Versorgungsverpflichtungen überein. Falls solche Renditen nicht verfügbar sind, basieren die Diskontierungszinssätze auf Marktrenditen von Staatsanleihen.

Sensitivitätsanalysen zu den getroffenen wesentlichen versicherungsmathematischen Annahmen finden sich unter Ziffer [23].

Der Ansatz und die Bewertung der übrigen Rückstellungen erfolgen auf Basis der Einschätzung der Wahrscheinlichkeit des zukünftigen Nutzenabflusses sowie anhand von Erfahrungswerten und den zum Bilanzstichtag bekannten Umständen. Der später tatsächlich eintretende Nutzenabfluss kann insofern von der gebildeten Rückstellung abweichen. Innerhalb der verschiedenen Rückstellungsarten werden unterschiedliche Ermessensausübungen und Schätzungen angewandt. Im Folgenden werden die wesentlichen Schätzungen pro Rückstellungsart erläutert.

Bei Rückstellungen für Rückbauverpflichtungen werden die zukünftig erwarteten Kosten für den Abbau von Anlagen und die Wiederherstellung des Originalzustands des bebauten Grundstücks auf Basis von Erfahrungswerten geschätzt. Es erfolgt jährlich eine Neubeurteilung der erwarteten Kosten und ggf. eine Anpassung des Rückstellungsbetrages.

Rückstellungen für Garantieverpflichtungen und Risiken aus schwebenden Geschäften beinhalten auch Rückstellungen aus Rechtsstreitigkeiten und Garantieverpflichtungen. Hierbei werden in Bezug auf die Eintrittswahrscheinlichkeit und den zu erwartenden Mittelabfluss Annahmen getroffen. Die Bewertungsunsicherheit bei Garantierückstellungen ist vergleichsweise moderat, da bei ihrer Ermittlung auf historische Garantieaufwandsquoten zurückgegriffen werden kann.

Rechtsstreitigkeiten sind mit großen Unsicherheiten verbunden. Daher besteht ein erhebliches Ermessen in der Beurteilung, ob zum Stichtag eine gegenwärtige Verpflichtung als Ergebnis eines Ereignisses in der Vergangenheit besteht und ob ein künftiger Mittelabfluss wahrscheinlich sowie die Verpflichtung verlässlich schätzbar ist. Der jeweilige Stand wird regelmäßig unter Einbeziehung interner und externer Anwälte beurteilt und aktualisiert. Änderungen des Sachstands aufgrund neuer Informationen können zu einer Anpassung der Rückstellung führen.

Die sonstigen Verpflichtungen enthalten auch Rückstellungen für Kosten, die nach Beendigung von Großprojekten erwartet werden. Diese sind mit einer erhöhten Bewertungsunsicherheit verbunden.

Die Verpflichtungen aus dem Personalbereich enthalten vor allem Urlaubsrückstellungen sowie Rückstellungen für Löhne und Gehälter. Die Bewertungsunsicherheiten bei der Ermittlung dieser Rückstellungen sind sehr gering, da die erwarteten Kosten relativ verlässlich bestimmbar sind.

Die Beurteilung des Auftragsfortschritts bei langfristigen Fertigungsaufträgen erfolgt – bei Vorliegen der Voraussetzungen – auf Basis der PoC-Methode. Bei dieser Methode ist es notwendig, eine Einschätzung des Fertigstellungsgrads vorzunehmen. Zudem sind Schätzungen hinsichtlich der Gesamtauftragskosten, der Gesamtauftragserlöse und der Auftragsrisiken unter anderem auch in Bezug auf technische, politische und regulatorischer Risiken notwendig. Gemäß der PoC-Methode werden die angefallenen Kosten in das Verhältnis zu den erwarteten Gesamtkosten gesetzt, um den Fertigstellungsgrad zu ermitteln. Bei Großprojekten werden zur Ermittlung und Analyse des Projektfortschritts insbesondere die durch Zulieferer anfallenden Auftragskosten, teilweise unter Einsatz von Gutachtern, berücksichtigt.

Sofern das Ergebnis eines Fertigungsauftrags nicht verlässlich geschätzt werden kann, werden die Umsatzerlöse nur in Höhe der angefallenen Auftragskosten erfasst, die wahrscheinlich gedeckt werden können, und die Auftragskosten in der Periode, in der sie anfallen, als Aufwand erfasst (sogenannte Zero Profit-Methode).

Schätzungsänderungen können zu einer Erhöhung oder Verminderung der Umsatzerlöse führen.

Ermessensentscheidungen sind unter anderem bei der Beurteilung des Übergangs der wesentlichen mit dem Eigentum verbundenen Chancen und Risiken im Rahmen von Leasingverhältnissen zu treffen. Linde schließt Leasingverträge hauptsächlich als Leasingnehmer (Beschaffungsleasing). Im Rahmen von IFRIC 4 können allerdings Gaslieferverträge unter bestimmten Voraussetzungen als eingebettete Leasingverträge klassifiziert werden. In diesen Fällen tritt Linde als Leasinggeber auf. Zur Einschätzung des Vorliegens eines eingebetteten Finanzierungsleasingverhältnisses für die On-site-Anlagen von Linde müssen Annahmen über die Aufteilung der erhaltenen Gegenleistung vom Kunden getroffen werden. Gegenleistungen, die durch die Zahlungen des Kunden abgedeckt werden, sind zum einen die Finanzierung der Anlagen und zum anderen Serviceleistungen, die Linde für den Kunden übernimmt. Hierbei kann es je nach Ermessensausübung zu einer Klassifizierung der Verträge als Operating Lease oder als Finanzierungsleasing kommen.

Auch bei der Klassifizierung von Beschaffungsleasingverträgen muss Linde Annahmen treffen, beispielsweise bei der Bestimmung des Zinssatzes, des Restwerts oder der Nutzungsdauern der zugrunde liegenden Vermögenswerte.

Unternehmenszusammenschlüsse erfordern Schätzungen im Zusammenhang mit der Ermittlung beizulegender Zeitwerte für erworbene Vermögenswerte, Schulden, Eventualschulden sowie für bedingte Kaufpreisbestandteile. Die Art der Schätzungen ist abhängig von den angewandten Bewertungsverfahren. Im Rahmen der Anwendung von Verfahren, die auf der Abzinsung von Cash Flows beruhen und die in erster Linie bei der Bewertung von immateriellen Vermögenswerten, aber auch von bedingten Kaufpreiszahlungen verwendet werden, sind vor allem Zeitraum und Höhe des Zahlungsstroms sowie die Bestimmung eines adäquaten Abzinsungssatzes ermessensbehaftet. Bei der Anwendung kostenbasierter Verfahren ist vor allem die Einschätzung der Vergleichbarkeit der Referenzobjekte mit den Bewertungsobjekten ermessensbehaftet. Linde zieht bei der Ausübung der Ermessensentscheidungen im Zusammenhang mit Kaufpreisallokationen zu Unternehmenszusammenschlüssen, bei denen die erworbene Bilanzsumme inklusive des Geschäfts- oder Firmenwerts mehr als 100 Mio. EUR beträgt, Sachverständige zu Rate, die die Ausübung der Ermessensentscheidungen begleiten und gutachterlich dokumentieren.

Bei der Beurteilung, ob Beherrschung, gemeinsame Beherrschung oder maßgeblicher Einfluss vorliegt bei Gesellschaften, an denen Linde weniger als 100 Prozent der Stimmrechte hält, kann es zu Ermessensausübungen kommen. Vor allem in Fällen, in denen Linde 50 Prozent der Stimmrechte hält, muss beurteilt werden, ob es weitere vertragliche Rechte oder insbesondere faktische Umstände gibt, die dazu führen können, dass Linde die Entscheidungsgewalt über das potenzielle Tochterunternehmen hat, oder ob gemeinsame Beherrschung vorliegt. Sofern gemeinsame Beherrschung vorliegt, muss zwischen gemeinschaftlicher Tätigkeit (Joint Operation) und Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) unterschieden werden. Diese Unterscheidung hängt davon ab, ob Linde unmittelbare Rechte an den Vermögenswerten und Verpflichtungen für die Verbindlichkeiten hat oder ob Rechte am Reinvermögensüberschuss der Gesellschaft bestehen. Dabei muss Linde die Struktur und rechtliche Form der Gesellschaft, die vertraglichen Vereinbarungen sowie sonstige Umstände berücksichtigen.

Gesellschaften, deren hauptsächliche Zwecksetzung in der Errichtung und dem Betrieb von Gaseproduktionsanlagen liegt, werden bei bestehendem Know-how-Vorsprung von Linde vollkonsolidiert, obwohl Linde weniger als 100 Prozent der Stimmrechte hält. Die Linde Group hat in diesen Fällen die Verantwortung für den Betrieb der Anlagen der Gesellschaften, die somit technologisch von Linde abhängig sind. Dies zeigt sich auch in bestehenden Lizenzvereinbarungen sowie durch die Eingliederung der Produktion in die Prozesse der Linde Group bzw. über die personelle Verflechtung der entsprechenden Entscheidungsträger. Der Betrieb der Anlagen ist der wesentliche Treiber für die variablen Rückflüsse aus den Gesellschaften und Linde übt somit die Beherrschung über diese Gesellschaften im Sinne des IFRS 10 aus.

Darüber hinaus werden Gesellschaften vollkonsolidiert, wenn Linde erweiterte Geschäftsführungsbefugnisse innehat und Linde auf einzelvertraglicher Basis weitestgehend die Entscheidungsgewalt über die wesentlichen Teile der operativen Geschäftstätigkeit der Einheiten zusteht. Auf dieser Grundlage hat Linde die Möglichkeit, diejenigen Aktivitäten der Einheiten zu bestimmen, die die variablen Rückflüsse der Gesellschaften maßgeblich beeinflussen, und übt somit Beherrschung über die Gesellschaften im Sinne des IFRS 10 aus.

Linde bezieht bestimmte gemeinschaftlich geführte Aktivitäten, deren Geschäftszweck ausschließlich in der Belieferung der Anteilseigner besteht, nach den Regelungen von IFRS 11 unter Anwendung der „Line-by-Line-Methode“ ein. In Ermangelung von fixierten Abnahmequoten werden die Vermögenswerte und Schulden nach Maßgabe des Anteils der Linde Group am Eigenkapital der Gesellschaften einbezogen.

Änderungen der vertraglichen Vereinbarungen oder der faktischen Umstände werden überwacht und im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf die Einschätzung, ob Beherrschung oder gemeinsame Beherrschung vorliegt, beurteilt.