Forschung und Entwicklung

Linde Konzern

Für ein weltweit tätiges Technologieunternehmen wie Linde sind stetige und zielgerichtete Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten eine wichtige Voraussetzung für den nachhaltigen Geschäftserfolg.

Insgesamt hat Linde im vergangenen Geschäftsjahr 106 Mio. EUR für Forschung und Entwicklung aufgewendet (Vj. 92 Mio. EUR). Die im Berichtsjahr aktivierten Entwicklungskosten betrugen insgesamt 16 Mio. EUR (Vj. 11 Mio. EUR). Weitere Informationen hierzu finden sich im Anhang zum Konzernabschluss unter Ziffer [14]. Zum Stichtag 31. Dezember 2014 waren in diesem Bereich insgesamt 390 Mitarbeiter beschäftigt (Vj. 367), 257 davon in der Gases Division und 133 in der Engineering Division. Um seine Innovationen gegenüber dem Wettbewerb abzusichern, hat Linde im abgelaufenen Geschäftsjahr konzernweit 260 Erfindungen erstmals zum Patent angemeldet. Am 31. Dezember 2014 waren Technologien von Linde durch insgesamt 2.783 Patente geschützt.

Auf Basis der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung entwickelt Linde kontinuierlich neue Anwendungsgebiete für seine Gase und ist beständig bestrebt, Verfahren und Anlagentechnologien noch weiter zu verbessern. Diese Anwendungsentwicklung erfolgt stets im Umfeld von Aufträgen und damit in sehr enger Abstimmung mit den Kunden und deren individuellen Anforderungen. Ein besonderes Augenmerk legt das Unternehmen auf die Umweltverträglichkeit der jeweiligen Produktionsprozesse.

Dabei verknüpft Linde die Kompetenzen seiner Gases Division mit denen der Engineering Division und bindet zudem führende Institutionen und Unternehmen in Kooperationen mit ein. Linde konzentriert sich insbesondere auf den Einsatz von Wasserstoff als Kraftstoff und dessen umweltfreundliche Herstellung, auf die großtechnische Speicherung von Energie sowie auf die Konvertierung von Biomasse zu Energieträgern oder zu Grundstoffen für die Chemieindustrie.

Im Berichtsjahr konnte Linde seine Vorreiterrolle bei der umweltfreundlichen Wasserstofftechnologie erneut unter Beweis stellen. Aufbauend auf ihrer langjährigen Kooperation auf diesem Gebiet haben Linde und Daimler im Berichtsjahr 2014 damit begonnen, die Zahl der Wasserstofftankstellen in Deutschland deutlich zu erhöhen. Als erste der gemeinsam initiierten öffentlichen Betankungsmöglichkeiten für Brennstoffzellenfahrzeuge wurde im September eine TOTAL-Multi-Energie-Tankstelle in Berlin offiziell eröffnet. Zusammen mit Partnern aus der Mineralölindustrie haben die beiden Unternehmen darüber hinaus die Standorte für zwölf zusätzliche Wasserstofftankstellen festgelegt.

Im Rahmen einer weiteren Wasserstoffinitiative, an der Linde beteiligt ist, haben die Mitgliedsunternehmen im Juli 2014 einen Vertrag über die Gründung eines Joint Ventures unterzeichnet. Auf dieser Grundlage soll von 2015 an der Aufbau eines landesweiten Wasserstofftankstellennetzes vorangetrieben werden.

Als Reaktion auf die steigende Nachfrage hat Linde im vergangenen Jahr die Fertigung von Wasserstofftankstellen in Wien umfassend erneuert und erweitert. Das Unternehmen nahm dort die weltweit erste Kleinserienfertigung für Wasserstoff-Kompressorstationen in Betrieb. An dem Forschungs- und Entwicklungsstandort sind in den vergangenen Jahren viele bedeutende Innovationen in der Betankungstechnik entstanden, darunter der energie- und platzsparende ionische Kompressor IC 90. Im Berichtszeitraum hat Linde mit der Iwatani Corporation (Japan) einen Rahmenvertrag über die Lieferung von 28 Betankungseinheiten mit dieser Technologie geschlossen.

Die stetig steigende Stromerzeugung durch regenerative Energien erfordert neue Lösungen für deren großtechnische Speicherung. Linde ist in diesem Bereich an wichtigen Projekten beteiligt, beispielsweise am Energiepark Mainz (Deutschland). Hier erprobt das Unternehmen gemeinsam mit Partnern aus der Energieindustrie und verschiedenen Forschungseinrichtungen von 2015 an die Erzeugung, Speicherung, Nutzung sowie die Erdgasnetzeinspeisung von Wasserstoff aus erneuerbarem Strom. Die Grundsteinlegung für dieses zukunftsträchtige Projekt erfolgte im Mai 2014. Eine weitere Technologieoption ist die Energiespeicherung mit flüssiger Luft. Bei diesem Verfahren wird die Umgebungsluft mit Strom verflüssigt. Sie kann dann in kryogenen (tiefkalten) Tanks gespeichert und bei Bedarf in einer Entspannungsturbine wiederverstromt werden. Der Hauptvorteil im Vergleich zu anderen Speichertechnologien: Flüssigluftspeicher lassen sich überall – ohne geologische Anforderungen erfüllen zu müssen – errichten. Gemeinsam mit einem Partner aus der Kraftwerks- und Energiebranche hat Linde im Berichtsjahr ein erstes großtechnisches System entwickelt und bereitet die entsprechende Demonstration vor. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen bereits an der nächsten Generation von Systemen mit einer weiter verbesserten Leistungsfähigkeit.

Auf dem Gebiet Carbon Capture and Usage (CCU = CO2-Abscheidung und -Verwendung) hat Linde im Geschäftsjahr 2014 mit dem US-amerikanischen Unternehmen Solidia Technologies® eine Technologiepartnerschaft gegründet. Ziel der Zusammenarbeit ist es, den Einsatz und die Wirkungsweise von CO2 beim Guss von Beton-Fertigbauteilen weiter zu erforschen. Solidia hat ein Verfahren vorgestellt, bei dem CO2 das schnellere Abbinden des Betons bewirkt und dabei dauerhaft eingeschlossen bleibt. Die Kooperation umfasst die Weiterentwicklung und spätere Kommerzialisierung dieser innovativen Technologie.

Gases Division

In der Gases Division hat Linde im Berichtsjahr 72 Mio. EUR (Vj. 68 Mio. EUR) in den Bereich Forschung und Entwicklung investiert und seine Aktivitäten dabei auf vier strategisch besonders wichtige Kundensegmente ausgerichtet: Chemie & Umwelt, Metall & Glas, Nahrungsmittel- & Getränkeindustrie sowie verarbeitende Industrie. In allen Bereichen berücksichtigt Linde verstärkt die Umweltverträglichkeit der Materialien sowie Gesundheits- und Sicherheitsaspekte in der Produktion.

Als eine wesentliche Innovation hat Linde im Geschäftsjahr 2014 eine neue Generation von Ventilen für Gasflaschen entwickelt. Die neuen Ventile der EVOS™-Produktreihe erfüllen die Kundenanforderungen nach einfacher und sicherer Handhabung. In Kombination mit einem Arbeitsdruck von 300 bar (anstatt der üblichen 200 bar) ermöglichen sie außerdem – bei gleichem Flaschenvolumen – eine größere Gasfüllmenge.

Um die Energieausbeute von Solarzellen zu erhöhen, hat Linde die Verwendung von Aluminiumoxid weiter vorangetrieben. Das Unternehmen hat im Berichtsjahr damit begonnen, führende Solarzellenhersteller mit Trimethylaluminium (TMA) zu versorgen. TMA wird zum Auftragen einer sehr dünnen Aluminiumoxidschicht benötigt.

Auch in der Halbleiterfertigung nutzt Linde seine Anwendungsexpertise, um die Weiterentwicklung der Produktionsprozesse gezielt zu unterstützen. So haben die Linde Forscher eine Lösung entwickelt, mit der unter dem Einsatz von Carbonylsulfid (COS) ein kritisches Problem in der Ätztechnik beseitigt werden kann.

Zudem hat Linde im Berichtsjahr seine Technologie zur Reinigung von Oberflächen in der verarbeitenden Industrie weiter verbessert. Dabei wird tiefkaltes Kohlendioxid (Trockeneis) zur umweltfreundlichen, lösungsmittelfreien Säuberung verwendet. Das Unternehmen konnte die Wirksamkeit des Produkts CRYOCLEAN® snow bei besonders hartnäckigen Verunreinigungen durch eine neue, patentierte Spritzdüse erhöhen.

Die Förderung von Forschung und Entwicklung hat auch für das Healthcare-Geschäft einen unverändert hohen Stellenwert. Mit kontinuierlichen Verbesserungen bei bereits lizenzierten Produkten sowie neuen Angeboten und Dienstleistungen erschließt Linde neue Märkte in diesem zukunftsträchtigen Bereich. Dabei unterstützt das Unternehmen vor allem solche Forschungsarbeiten, die sich auf medizinische Anwendungen von Gasen sowie auf die Entwicklung medizinischer Geräte und Services zur Behandlung von Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen konzentrieren.

In diesem Zusammenhang hat Linde im Berichtsjahr seinen im Jahr 2010 gestarteten Forschungsfonds wieder für neue Bewerbungen geöffnet und drei Forschungsstipendien vergeben. Der REALfund (REAL = Research, Evolve, Advance, Lead) fördert die klinische Forschung im Bereich der Atemwegsmedizin und richtet sich an Ärzte, Experten aus dem Gesundheitswesen und Wissenschaftler.

Engineering Division

In der Engineering Division hat Linde im Berichtszeitraum 2014 insgesamt 34 Mio. EUR für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aufgewendet (Vj. 24 Mio. EUR). Die Mittel wurden – wie in den Vorjahren – hauptsächlich für die Weiter- und Neuentwicklung von Technologien in den Produktlinien Erdgas-, Luftzerlegungs-, Olefin- sowie Wasserstoff- und Synthesegasanlagen eingesetzt. Dabei ist es stets das Ziel, die Energieeffizienz und die Umweltverträglichkeit der Anlagen noch weiter zu erhöhen.

Im Rahmen dieser Tätigkeiten setzt Linde auch auf Partnerschaften. So arbeitet das Unternehmen seit Mitte 2014 gemeinsam mit der US-Firma Siluria Technologies, einem Pionier auf dem Gebiet der erdgasbasierten Produktion von Kraftstoffen und Chemikalien, an einer Weiterentwicklung der Ethylentechnologie. Das Ziel dieser Kooperation ist es, das innovative Verfahren von Siluria zur direkten Herstellung von Ethylen aus Erdgas durch die sogenannte oxidative Methan-Kopplung (Oxidative Coupling of Methane = OCM) für den großtechnischen Einsatz verfügbar zu machen und eine integrierte Lösung zu erarbeiten. Linde plant, dieses innovative Verfahren Kunden aus der petrochemischen Industrie zur Aufrüstung bestehender oder für neue große Ethylenanlagen in Lizenz anzubieten.

Im Berichtsjahr ist es Linde außerdem gelungen, die Entwicklung eines erheblich verbesserten Dampfreformierverfahrens zur Erzeugung von Synthesegas in die Pilotierungsphase zu überführen. Bei diesem Verfahren wird deutich weniger Dampf benötigt, wodurch die Energieeffizienz signifikant steigt. Zudem kann in bestimmten Anwendungsfällen CO2 als zusätzlicher Einsatzstoff verarbeitet werden, was sich günstig auf die Umweltbilanz auswirkt.

Darüber hinaus hat Linde im vergangenen Geschäftsjahr gemeinsam mit BASF eine Kooperation zur Entwicklung eines Verfahrens zur Dehydrierung von Butan zu linearen Butenen und Butadien ins Leben gerufen. Mit dem neuen Verfahren wollen die beiden Unternehmen der erwarteten Verknappung dieser Produkte im Zuge des derzeitigen Strukturwandels in der petrochemischen Industrie begegnen. Im Rahmen der Partnerschaft ist BASF für die Prozesstechnologie, Katalysatoren und Extraktionstechnologien zuständig. Linde bringt seine Expertise für die Integration, Optimierung und Kommerzialisierung des Prozesses ein.

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Forschung und Entwicklung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufwendungen (in Mio. €)

 

Mitarbeiter (Anzahl)

 

 

2014

 

2013

 

2012

 

2011

 

2010

 

2014

 

2013

 

2012

 

2011

 

2010

Gases Division

 

72

 

68

 

74

 

72

 

68

 

257

 

241

 

246

 

220

 

199

Engineering Division

 

34

 

24

 

27

 

26

 

26

 

133

 

126

 

139

 

122

 

125

Konzern

 

106

 

92

 

101

 

98

 

94

 

390

 

367

 

385

 

342

 

324

Linde AG

Im Berichtsjahr 2014 hat die Linde AG insgesamt 128 Mio. EUR (Vj. 126 Mio. EUR) für Forschung und Entwicklung (F & E) aufgewendet – und damit mehr als der Linde Konzern (106 Mio. EUR). Soweit Tochtergesellschaften Forschung und Entwicklung betreiben, verrechnen diese ihre Kosten nach der Kostenaufschlagsmethode an die Linde AG. Der Gewinnaufschlag wird auf Konzernebene eliminiert. Ebenso werden auf Konzernebene an Tochtergesellschaften gezahlte Lizenzgebühren eliminiert.

Im Geschäftsbereich Linde Gas sind F & E-Aufwendungen in Höhe von 105 Mio. EUR (Vj. 108 Mio. EUR) angefallen. Im Geschäftsbereich Linde Engineering hat die Linde AG 23 Mio. EUR (Vj. 18 Mio. EUR) zur Neu- und Weiterentwicklung von Technologien für wichtige Anlagentypen bereitgestellt.

Zum Stichtag 31. Dezember 2014 waren in der Linde AG insgesamt 233 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung beschäftigt (Vj. 208 Mitarbeiter). Davon waren 133 Mitarbeiter (Vj. 121 Mitarbeiter) im Geschäftsbereich Linde Gas und 100 Mitarbeiter (Vj. 87 Mitarbeiter) im Geschäftsbereich Linde Engineering tätig.