Engineering Division

Im internationalen Projektgeschäft Anlagenbau hat Linde erneut ein erfolgreiches Geschäftsjahr verzeichnen können. Der Umsatz und das Ergebnis entwickelten sich im Einklang mit den Fortschritten bei den einzelnen Bauvorhaben.

So ist der Umsatz in der Engineering Division im Berichtsjahr 2014 um 7,9 Prozent auf 3,106 Mrd. EUR (Vj. 2,879 Mrd. EUR) gewachsen, während das operative Ergebnis mit 300 Mio. EUR nicht ganz das Niveau des Vorjahres (319 Mio. EUR) erreichte.

Die operative Marge betrug damit 9,7 Prozent (Vj. 11,1 Prozent). Dieser Wert liegt deutlich über dem Branchendurchschnitt und entspricht der Zielmarke von rund 10 Prozent, die Linde für das Geschäftsjahr 2014 angestrebt hatte.

Der Auftragseingang belief sich zum Jahresende 2014 auf 3,206 Mrd. EUR (Vj. 3,911 Mrd. EUR). Er wurde durch einen Großauftrag geprägt, den Linde im dritten Quartal 2014 von SIBUR LLC erhalten hat. Linde übernimmt das Engineering und die Beschaffung der Bauteile für eine der weltweit größten Ethylenanlagen, die in Tobolsk (Westsibirien) entstehen wird. In dem außergewöhnlich hohen Auftragseingangswert des Vorjahres war unter anderem ein bedeutender Auftrag zum Bau einer großen Ethylenanlage für ExxonMobil in Houston (Texas, USA) enthalten. Das Engineering-Unternehmen Bechtel ist der Partner von Linde bei diesem Großvorhaben.

Im Berichtszeitraum 2014 konnte Linde neben dem Ethylenprojekt für SIBUR eine Reihe von vergleichsweise kleineren Auftragsvergaben – insbesondere aus dem Energie-, Chemie- und Stahlsektor – für sich entscheiden. Dazu zählten auch Neubestellungen der Gases Division des Konzerns.

Mehr als die Hälfte der Neuaufträge entfiel auf die Region Europa. Aus Nordamerika stammten rund 25 Prozent des Auftragseingangs, weitere gut 10 Prozent aus Asien. In Nordamerika war das Geschäft erneut von Projekten für die effiziente Erschließung von Schiefergasvorkommen gekennzeichnet.

Annähernd die Hälfte des Neugeschäfts generierte Linde im Berichtsjahr im Produktbereich Olefinanlagen, mehr als 20 Prozent im Markt für Erdgasanlagen.

Per Ende Dezember 2014 betrug der Auftragsbestand der Engineering Division 4,672 Mrd. EUR. Er lag damit über dem bereits hohen Niveau zum Jahresende 2013 (4,504 Mrd. EUR).

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Engineering Division

 

 

 

 

 

in Mio. €

 

2014

 

2013

Umsatz

 

3.106

 

2.879

Auftragseingang

 

3.206

 

3.911

Auftragsbestand

 

4.672

 

4.504

Operatives Ergebnis

 

300

 

319

Operative Marge

 

9,7%

 

11,1%

Investitionen (ohne Finanzanlagen)

 

41

 

33

Zahl der Mitarbeiter (zum Bilanzstichtag)

 

7.330

 

6.997

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Engineering Division: Umsatz und Auftragseingang nach Regionen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umsatz

 

Auftragseingang

in Mio. €

 

2014

 

2013

 

2014

 

2013

Europa

 

926

 

621

 

1.943

 

947

Nordamerika

 

798

 

613

 

754

 

1.168

Südamerika

 

20

 

46

 

34

 

33

Asien/Pazifik

 

1.131

 

1.247

 

362

 

1.509

Mittlerer Osten

 

172

 

273

 

78

 

161

Afrika

 

59

 

79

 

35

 

93

Engineering Division

 

3.106

 

2.879

 

3.206

 

3.911

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Engineering Division: Umsatz und Auftragseingang nach Anlagentypen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Umsatz

 

Auftragseingang

in Mio. €

 

2014

 

2013

 

2014

 

2013

Olefinanlagen

 

494

 

378

 

1.557

 

735

Erdgasanlagen

 

835

 

684

 

724

 

702

Luftzerlegungsanlagen

 

901

 

959

 

248

 

1.214

Wasserstoff- und Synthesegasanlagen

 

631

 

619

 

487

 

984

Übrige

 

245

 

239

 

190

 

276

Engineering Division

 

3.106

 

2.879

 

3.206

 

3.911

Olefinanlagen

Der Markt für Olefinanlagen hat sich im Berichtszeitraum 2014 erneut positiv entwickelt. Im Zuge der Förderung von Schiefergas sind insbesondere in den USA die Investitionen in erdgasbasierte Petrochemieprojekte weiter gestiegen. Im Mittleren Osten und in Europa sorgen neue Infrastrukturvorhaben und die Umrüstung bestehender Anlagen ebenfalls für Impulse. Linde ist in diesem Produktbereich global gut positioniert und verfügt über alle erforderlichen Kompetenzen, um die entsprechenden Projekte weltweit umzusetzen.

Im dritten Quartal 2014 erhielt Linde von SIBUR LLC, einem der führenden Petrochemieunternehmen Russlands, einen Großauftrag: Linde übernimmt das Engineering und die Beschaffung der Bauteile für eine der weltweit größten Ethylenanlagen, die in Tobolsk (Westsibirien) entstehen wird. Die neue Anlage soll etwa 1,5 Mio. Jahrestonnen (tpa) Ethylen und 525.000 tpa Propylen erzeugen. Diese Produkte sind wichtige Grundstoffe für die Kunststoffherstellung. Für dieses Projekt hatte Linde bereits im Jahr 2012 den Auftrag für die Lizenz und für FEED-Dienstleistungen (FEED = Front End Engineering Design) gewonnen.

Im ersten Quartal 2014 schloss Linde mit dem Mineralölkonzern Shell eine Rahmenvereinbarung zur Entwicklung künftiger Projekte zum Bau von Ethancrackern. Im Rahmen der Kooperation hat Linde einen ersten Engineering-Auftrag für die Errichtung einer Ethylenanlage in Monaca (Pennsylvania, USA) erhalten.

Für Borouge, ein Joint Venture der Abu Dhabi National Oil Company und Borealis, hat Linde im Berichtsjahr eine Ethylenanlage in Ruwais (Vereinigte Arabische Emirate) fertig gestellt. Die Anlage verfügt über eine jährliche Produktionskapazität von 1,5 Mio. Tonnen Ethylen; es ist die dritte Ethylenanlage, die Linde in den vergangenen Jahren im Auftrag von Borouge am Standort Ruwais errichtet hat.

Darüber hinaus ist Linde im Berichtszeitraum mit dem US-Unternehmen Siluria Technologies, einem Pionier auf dem Gebiet der erdgasbasierten Produktion von Kraftstoffen und Chemikalien, eine vielversprechende Partnerschaft eingegangen: Die beiden Unternehmen haben vereinbart, bei der Weiterentwicklung der Ethylentechnologie zusammenzuarbeiten. Ziel ist es, Ethylen direkt aus Erdgas herzustellen. Vor dem Hintergrund der Erschließung von Schiefergasvorkommen eröffnet ein solches Verfahren neue Geschäftsmöglichkeiten. Ethylen ist einer der wichtigsten Grundstoffe der chemischen Industrie.

Erdgasanlagen

Auftragseingang nach Regionen in %
Auftragseingang nach Regionen (Tortendiagramm)

Der Markt für Anlagen zur Behandlung, Aufbereitung und Verflüssigung von Erdgas profitiert – ebenso wie der Bereich Olefinanlagen – von der Erschließung von Schiefergasvorkommen. Linde verzeichnete in diesem Produktsegment im Geschäftsjahr 2014 einen ähnlich hohen Auftragseingang wie im Vorjahr und konnte insbesondere in Nordamerika weitere Projekte für sich entscheiden.

So erhielt das Unternehmen im dritten Quartal 2014 den Zuschlag zur Erbringung von Engineering- und Beschaffungsleistungen für eine Erdgasverflüssigungsanlage in Kanada. Auftraggeber ist die Woodfibre LNG Limited, eine Tochtergesellschaft des Unternehmens Pacific Oil & Gas, das auf die Erschließung von Energiequellen spezialisiert ist. Die Anlage wird über eine Kapazität von 2,1 Mio. Jahrestonnen verfügen und in der Nähe von Vancouver errichtet. Es handelt sich um die – nach Hammerfest (Norwegen) – zweitgrößte Erdgasverflüssigungsanlage, an der Linde bisher beteiligt ist.

Von der finnischen Werft Arctech Helsinki Shipyard wurde Linde mit der Lieferung eines Flüssiggas-Tanksystems für einen Eisbrecher der nationalen Transportbehörde beauftragt. Seit Januar 2015 gelten strengere Emissionsbestimmungen für viele Schifffahrtsrouten in der Nord- und Ostsee. Reeder und Schiffsbetreiber sind gefordert, den Schadstoffausstoß ihrer Schiffe zu senken. Die Gases Division betreibt bereits seit 2011 in Nynäshamn (Schweden) ein Terminal für verflüssigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas = LNG) und gründete zudem im Jahr 2012 in Hamburg (Deutschland) ein Joint Venture zum Aufbau einer LNG-Infrastruktur für die Schifffahrt in Nordwesteuropa.

Die Arbeiten an dem Erdgasterminal, das Linde für das norwegische Unternehmen Gassco AS in Emden (Deutschland) errichtet, sind im Berichtsjahr planmäßig vorangekommen. Die Fertigstellung des neuen Terminals ist für Ende 2015 vorgesehen.

Luftzerlegungsanlagen

Auftragseingang nach Anlagentypen in %
Auftragseingang nach Anlagentypen (Tortendiagramm)

Die Nachfrage nach Luftzerlegungsanlagen ist im Berichtsjahr 2014 deutlich schwächer ausgefallen als im Vorjahr. Das Marktumfeld wurde von einem intensiven Wettbewerb und einem hohen Preisdruck bestimmt. Dennoch ist es Linde auch in diesem Produktbereich gelungen, neue Aufträge zu gewinnen. Zudem konnte das Unternehmen laufende Projekte planmäßig abschließen.

Bereits Ende 2013 hatte die Engineering Division den Auftrag zum Bau einer Luftzerlegungsanlage für den Kunden Sinopec am Standort Huainan (China) erhalten. Das Projekt umfasste zunächst das Engineering der Anlage, bevor es im ersten Quartal 2014 um den Auftrag für die Beschaffung der Bauteile erweitert wurde. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf insgesamt etwa 80 Mio. EUR. Die Anlage soll 210.000 Normkubikmeter Sauerstoff pro Stunde produzieren. Ihre Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Zur On-site-Versorgung eines Werks des weltweit größten Stahlproduzenten ArcelorMittal wird Linde am Standort Eisenhüttenstadt (Deutschland) eine neue Luftzerlegungsanlage errichten. Einen entsprechenden Vertrag haben die beiden Unternehmen im dritten Quartal 2014 unterzeichnet. Das Investitionsvolumen für die Anlage, die auch Flüssigprodukte für den regionalen Gasemarkt bereitstellen wird, beträgt rund 85 Mio. EUR. Durch die Kombination der Gas- und Flüssigproduktion wird die Energieeffizienz bei der Sauerstofferzeugung in dem Stahlwerk deutlich erhöht. Dieses Projekt ist eine weitere Bestätigung für das integrierte Geschäftsmodell von Linde und ein Beispiel dafür, wie die Engineering Division des Konzerns den gezielten Ausbau des On-site-Geschäfts in der Gases Division unterstützt. Siehe Gases Division.

Im Geschäftsjahr 2013 hatte Linde von Reliance Industries Ltd. (RIL) einen Großauftrag im Gesamtvolumen von rund 650 Mio. EUR zum Bau von sieben Luftzerlegungsanlagen für die Produktion von gasförmigem Sauerstoff am Raffinerie- und Petrochemiestandort Jamnagar (Indien) erhalten. Im Verlauf des Berichtszeitraums 2014 konnte Linde dieses Projekt weitgehend erfolgreich umsetzen. RIL benötigt große Sauerstoffmengen für seine in Jamnagar geplanten Anlagen zur Vergasung von Petrolkoks und Kohle.

Darüber hinaus haben eine Reihe von Luftzerlegungsanlagen, die Linde für Kunden aus unterschiedlichen Industriebereichen weltweit errichtet hat, im Geschäftsjahr 2014 ihre Produktion aufgenommen bzw. ihre Produktionskapazität weiter gesteigert. Dazu zählen insbesondere Anlagen in Osteuropa und in Asien. Siehe Gases Division.

Wasserstoff- und Synthesegasanlagen

Umsatz nach Regionen in %
Umsatz nach Regionen (Tortendiagramm)

Im Markt für Wasserstoff- und Synthesegasanlagen war im Geschäftsjahr 2014 erneut eine lebhafte Investitionstätigkeit festzustellen – sie erreichte allerdings nicht das außergewöhnlich hohe Niveau des Vorjahres.

Aus dem Raffineriesektor erhielt Linde im ersten Halbjahr 2014 zwei bedeutende Bestellungen für Wasserstoffanlagen: Zwei Anlagen dieses Typs wird das Unternehmen für den Raffineriebetreiber PSC TAIF-NK in Nischnekamsk (Republik Tatarstan, Russische Föderation) liefern. Das Auftragsvolumen beträgt rund 120 Mio. EUR. Zur Versorgung des finnischen Mineralölunternehmens Neste Oil errichtet Linde am Standort Porvoo (Finnland) ebenfalls eine neue Wasserstoffanlage. Dieses Projekt ist ein wesentlicher Bestandteil des langfristigen On-site-Vertrags, den die Gases Division von Linde mit Neste Oil geschlossen hat. Die beiderseitigen Investitionen belaufen sich auf insgesamt rund 100 Mio. EUR. Siehe Annual Integriertes Geschäftsmodell und Gases Division.

Auch in Nordamerika baut Linde das Geschäft mit Raffinerien weiter aus. Im Rahmen eines neuen Versorgungsvertrags, den die Gases Division des Konzerns im zweiten Quartal 2014 mit Lima Refining schloss, wird die Engineering Division am Standort Lima (Ohio, USA) eine weitere Wasserstoffanlage errichten und bestehende Einrichtungen modernisieren. Es ist bereits die dritte Anlage dieser Art, die Linde in Lima erstellt. Das Projekt ist mit Investitionen in Höhe von rund 100 Mio. USD verbunden.

Im Auftrag des Agrarunternehmens J. R. Simplot wird Linde eine Ammoniakanlage in Wyoming, USA, bauen. Eine entsprechende Vereinbarung wurde im dritten Quartal 2014 unterzeichnet. Die Anlage wird über eine Kapazität von 600 Tonnen pro Tag verfügen und die Düngemittelproduktionsstätten von J. R. Simplot an den Standorten Rock Springs und Pocatello versorgen. Die Fertigstellung ist für Ende 2016 vorgesehen.

Übrige Anlagentypen

Umsatz nach Anlagentypen in %
Umsatz nach Anlagentypen (Tortendiagramm)

Im Geschäftsjahr 2013 hatte Linde von der Jubail United Petrochemical Company, einer Tochtergesellschaft der Saudi Basic Industries Corporation (SABIC), den Auftrag erhalten, im Industriepark Jubail (Saudi-Arabien) die weltweit größte Anlage zur Reinigung und Verflüssigung von Kohlendioxid (CO2) zu errichten. Die Arbeiten an diesem Projekt sind im Berichtsjahr 2014 gut vorangeschritten. Linde konnte die Engineering-Phase früher als geplant beenden und hat bereits mit dem Bau der Anlage begonnen. Für die zügige Umsetzung wurde das Linde Team mit dem „Best Project of the Year“-Award von SABIC ausgezeichnet.

Der Betriebsstart ist im Laufe des Jahres 2015 vorgesehen. Die Anlage wird über eine Kapazität von 1.500 Tonnen CO2 pro Tag verfügen und das CO2 aus zwei nahe gelegenen Ethylenglykolanlagen beziehen. Über Rohrleitungen wird das CO2 nach der Aufbereitung direkt mit einer Methanol- sowie einer Harnstoffproduktion verbunden. Methanol ist ein Basisprodukt der chemischen Industrie, während Harnstoff beispielsweise zur Herstellung von Düngemitteln eingesetzt wird. Durch die Wiederverwertung des Kohlendioxids können bei diesem Projekt pro Jahr rund 500.000 Tonnen an CO2-Emissionen eingespart werden.

Auch im Geschäftsjahr 2014 hat Linde daran gearbeitet, zukunftsträchtige Technologien im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe gezielt weiterzuentwickeln. Ein Beispiel für diese Aktivitäten ist das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) in Leuna (Deutschland). Linde war an dem Aufbau des CBP wesentlich beteiligt und hat im Berichtsjahr 2014 mehrere Aufträge für die Einrichtung weiterer verfahrenstechnischer Einheiten erhalten.

Darüber hinaus erforschte das Unternehmen im Berichtszeitraum am Standort Leuna eigene Verfahren, um die Zuckerverbindungen in Holzreststoffen effizient aufzuschließen und für die stofflich-industrielle Nutzung verfügbar zu machen. Mit diesem Engagement hat Linde seine Präsenz in dem regionalen Zentrum für Spitzenforschung „BioEconomy“ in Leuna weiter gestärkt.